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Keine Angst vor dem leeren Blatt

Ob im Studium oder im akademischen Betrieb: Ins Schreiben kommen ist für viele eine Herausforderung. Gegen die Angst vor dem Anfangen helfen eine ehrliche Selbstanalyse und die richtigen Unterstützungsangebote.

Leerer Schreibblock und zerknüllte Papiere
© iStock/rclassenlayouts

Schreibblockade oder Planlosigkeit? In einer professionellen Schreibberatung wird die eigene Arbeitsweise analysiert und eine individuelle Schreibstrategie entwickelt.

Dieser Beitrag stammt von einer Patchworkschreiberin. Er wurde in einzelnen Passagen geschrieben und erst am Schluss zu einem runden Artikel zusammengefügt. Ganz anders wäre der Text bei einer Versionenschreiberin, Planerin oder Drauflosschreiberin entstanden – variantenreicher, strukturierter oder spontaner. Die sogenannten Schreibtypen sind zwar in der Realität selten so trennscharf wie in der Theorie, doch die eigene Arbeitsweise zu erkennen und zu akzeptieren kann eine erste Maßnahme gegen das gefürchtete Phänomen Schreibblockade sein. Das Projekt erfolgreiches Lehren und Lernen (PerLe) an der Uni Kiel bietet Ratsuchenden in seiner Schreibberatung deshalb unter anderem einen Schreibtypentest an. Der simple Multiple-Choice-Test ist kein wissenschaftliches Verfahren, doch er kann ein niedrigschwelliger Einstieg in die Auseinandersetzung mit dem gewichtigen Thema akademisches Schreiben sein.

Die PerLe-Mitarbeitenden kennen die häufigsten Schreibsorgen. »Ein Problem, mit dem die Studierenden immer wieder zu uns kommen, ist die Prokrastination, also das Vermeiden und Aufschieben des Schreibens«, sagt Dr. Julia Müller, Koordinatorin für Sprach- und Schreibkompetenz. In der professionellen Schreibberatung lasse sich schnell ermitteln, welche Ängste und Hindernisse die Aufschieberitis verursachen. Und die seien oft hausgemacht. »Gerade im wissenschaftlichen Schreiben kann es sinnvoll sein, erst einmal die innere Zensur abzustellen und den Schreibprozess vom perfekten Endprodukt zu trennen«, erklärt Müller. Dafür werden auch Techniken aus dem kreativen Schreiben genutzt, etwa das spontane Drauflosschreiben oder das Verfassen von Textvorstufen. Aber nicht immer liegt es am leeren Blatt. »Viele glauben, sie hätten eine Schreibblockade. Doch tatsächlich wissen sie nur nicht, was der nächste Arbeitsschritt ist«, erklärt die Expertin. Eine große Rolle spielen deshalb Selbstorganisation und Faktencheck: Wie lautet meine Fragestellung? Welche Formalien müssen erfüllt werden? Wie zitiere ich richtig? »Gerade Menschen, die wenig Erfahrung haben, sind gehemmt, vermeintlich doofe Fragen zu stellen«, sagt Müller. Es helfe, in einem prüfungsfreien Raum darüber zu sprechen. Wichtig sei, Rat zu suchen, bevor sich handfeste Ängste entwickelt haben.

Eine weitere Anlaufstelle auf dem Campus ist die Universitätsbibliothek (UB). Aktuell gibt es dort vor allem digitale Hilfestellung: Videotutorials und Guides zu breit gefächerten Themen von der Themen- und Literaturfindung bis hin zum wissenschaftlichen Schreiben und kollaborativen Arbeiten inklusive Software-Tipps zu Literaturverwaltungs- und Statistiktools. Dr. Rüdiger Schütt, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit der UB, hat einen besonderen Tipp für Ratsuchende: »Es gibt bei uns die fachwissenschaftlichen Bibliothekare. In Abstimmung mit den Instituten betreuen sie ihre Fachbereiche und geben fachspezifische Auskünfte. Ihre Expertise steht nicht nur Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, sondern gerade auch Studierenden zur Verfügung.«

Autorin: Anna-Kristina Pries

Welcher Schreibtyp bin ich? Beratungsangebote an der CAU

Projekt erfolgreiches Lehren und Lernen (PerLe):
• Der Schreibtypentest kann im Rahmen der Schreibberatung bei PerLe absolviert werden. Ähnliche Tests finden sich auch im Internet, beispielsweise bei der TU Darmstadt
• Corona-bedingt findet die Schreibberatung derzeit nur via Videokonferenz oder Telefon statt. Terminvereinbarung über schreiben.perle@uv.uni-kiel.de. Weitere Informationen unter www.perle.uni-kiel.de

Universitätsbibliothek Kiel (UB):
• Video-Tutorials und E-Learning-Angebote zum Service der UB

(apr)

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