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Optimal füttern

Die Optimierung von Silage ist das Ziel von Silolytics, drei jungen Fachleuten aus Agrarwissenschaft und -technik. Das EXIST-Gründerstipendium ebnet ihnen den Weg zum eigenen Unternehmen.

Zwei Männer und eine Frau auf einem Acker
© Thomas Engel, Silolytics

Das Team von Silolytics will die Silageherstellung digital unterstützen (v. l.): Simon Ehrenstein, Fehmke Böckenhauer und Ties Junge.

Die Qualität von Silage, dem Hauptfuttermittel in viehhaltenden Betrieben, hängt auch vom Geschick und der Erfahrung der Walzfahrzeugfahrerinnen und -fahrer ab. Drei junge Leute arbeiten derzeit daran, diesen Prozess digital zu unterstützen. Am Ende soll nicht nur qualitativ besseres Futter stehen, sondern auch eine erhebliche Kostenersparnis für landwirtschaftliche Betriebe. »Wir entwickeln eine Sensorplattform, mit der online während der Silagebereitung das Volumen und damit die Erntemenge erfasst werden kann. Die Plattform soll die Futterplanung vereinfachen und das Einhalten der angestrebten Verdichtung ermöglichen«, fasst Simon Ehrenstein das Ziel von Silolytics zusammen. Die Idee für die Gründung hatte Ties Junge, der das Konzept im Rahmen seiner Masterarbeit am Lehrstuhl für Agromechatronik an der TU Berlin entwickelte. Der Kieler Masterstudent Simon Ehrenstein kam über die Arbeit an der CAU in Kontakt mit Ties Junge und programmiert die Anwendungen für Silolytics. Fehmke Böckenhauer, die in Kiel Agrarwissenschaften studierte und bereits im Agrarsektor gearbeitet hat, liefert die landwirtschaftliche Expertise und ist für den Vertrieb zuständig.

Wenn Futterpflanzen wie Gras oder Mais gehäckselt und durch das Überfahren mit einem Walzfahrzeug verdichtet werden, gärt das Produkt unter Ausschluss von Sauerstoff unter einer Spezialfolie. Die so entstandene Silage ist lagerfähig und dient dadurch ganzjährig als Grundnahrung für Vieh. »Wird das Substrat nicht genügend verdichtet, kann es zu Schimmelbildung kommen, dadurch werden die betroffenen Bereiche unbrauchbar«, erklärt Fehmke Böckenhauer. Wenn dann Silage verworfen werden muss, ist das ein Kostenfaktor. »Die Grundfuttergewinnung macht etwa 30 Prozent der gesamten Kosten in Milchviehbetrieben aus«, sagt die Agrarwissenschaftlerin. Die Sensorik ist auf dem Walzfahrzeug befestigt, sodass der Prozess online stattfinden kann. Es wird dadurch möglich, direkt in den Ablauf der Silagebereitung einzugreifen, um diesen zu optimieren. »Um das Volumen zu ermitteln, haben wir eine Sensorik entwickelt, die die Position und Lage des Fahrzeuges auf dem Fahrsilo in Echtzeit misst, dadurch weiß man am Schluss, wie viel Silage an welchem Platz im Silo liegt«, erläutert Informatiker Simon Ehrenstein, der zusammen mit Ties Junge die technische Umsetzung betreut. Am Ende soll die Messung auf drei bis fünf Zentimeter genau sein. Ein möglicher Kundenkreis sind deshalb nicht nur landwirtschaftliche Betriebe, sondern auch Lohnunternehmerinnen und -unternehmer. Diese können mit der Sensorplattform die Qualität ihrer Arbeit dokumentieren und belegen.

Der Aufwand für die Landwirtinnen und Landwirte soll so überschaubar wie möglich sein, »sonst können sie es nicht in ihren Alltag integrieren und das System wird nicht eingesetzt«, berichtet Fehmke Böckenhauer. Sie und Ties Junge haben die Kontakte zu Betrieben hergestellt, die die Technik testen und die angehenden Gründerinnen und Gründer bei ihren Messungen unterstützen. Dadurch erhalten sie viele Anregungen vom potenziellen Kundenkreis. »Die Landwirtinnen und Landwirte erhalten mit Hilfe unserer Daten einen Überblick über die Qualität und Quantität ihrer Silagen. Dieses Wissen ermöglicht ihnen eine bessere Futterplanung. So kann beispielsweise überschüssige Silage frühzeitig veräußert werden«, berichtet Böckenhauer. Bislang wurde der Verbrauch der Silage händisch bestimmt, beispielsweise durch Striche an den Silowänden; nur einige Großbetriebe haben eine Waage, über die der Trecker mit dem Erntegut fährt, um zu wissen, wie viel ins Silo eingebracht wird.

Silolytics wird seit Juni des Jahres mit einem EXIST-Gründerstipendium des Bundeswirtschaftsministeriums gefördert. Noch ist die Anwendung in der Entwicklungsphase. Die drei Teammitglieder sind dabei auf die Erntezyklen angewiesen, da sie im laufenden Betrieb testen und kalibrieren. »Durch Corona hat sich alles verzögert, sonst hätten wir beispielsweise schon Messwerte aus der Grasernte im Mai«, berichtet die Agrarwissenschaftlerin. Zur nächsten Grasernte im Mai 2021 soll eine erste Anwendung des Produktes marktreif sein. Daran gearbeitet wird im Inkubator des Zentrums für Entrepreneurship (ZfE). Sowohl bei der Antragstellung als auch in der jetzigen Phase wird das Team durch die dortigen Mitarbeitenden unterstützt.

Autorin: Christin Beeck

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