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Geburtshilfe für Start-ups

Mit einer guten Idee und der Unterstützung durch das Zentrum für Entrepreneurship (ZfE) der Uni Kiel lässt sich gut gründen. 2020 begleitet das ZfE-Team gleichzeitig vier EXIST-Gründungsprojekte in die Selbstständigkeit.

Frau sitzt auf rotem Würfel
© ZfE

Anke Rasmus leitet das Zentrum für Entrepreneurship (ZfE) an der CAU und bahnt innovativen Unternehmungsgründungen den Weg.

Von Arbeitsmangel infolge der Corona-Pandemie ist im Zentrum für Entrepreneurship (ZfE) der Universität nichts zu spüren. Ganz im Gegenteil. Es sieht fast so aus, also hätte die Unterbrechung der Routinen zu einem Kreativitätsschub geführt. Dr. Anke Rasmus, die die zentrale Anlaufstelle für alle gründungsinteressierten Mitglieder der CAU leitet, erhält jede Woche Anfragen für Beratungen, und auch ohne diese hat sie gut zu tun. Aktuell betreuen sie und ihr Team parallel vier Projekte, die über das EXIST-Programm des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie bereits eine Förderung bekommen haben, und weitere Teams, die sich in der Beantragung befinden. Die Teams IdeaChamp und Silolytics erhalten das EXIST-Gründerstipendium, aerosense und COMPOSE werden über das EXIST-Forschungstransfer-Programm gefördert. Alle vier haben im Jahr 2020 die Förderzusage erhalten und konnten damit ihre Vorhaben starten. »Diese Häufung von EXIST-Projekten ist einmalig. Wenn wir diese vier Projekte zusammenrechnen, kommen wir auf eine Fördersumme von knapp 1,8 Millionen Euro. Das ist schon eine Hausnummer im Gründungsbereich und zeigt, welche Arbeit wir hier leisten«, betont Rasmus, die vor sechs Jahren das ZfE an der Uni Kiel aufgebaut hat.

Das aktuell dreiköpfige Team am ZfE unterstützt Gründungswillige nicht nur dabei, Anträge zur Finanzierung zu stellen, sondern hilft den angehenden Unternehmerinnen und Unternehmern auch nach der Förderzusage bei der Administration. Rasmus: »Ich habe ständig ein Team am Telefon, weil es noch so viele Sachen zu klären gibt. Die machen das ja alle zum ersten Mal. Wir agieren hier als Übersetzer und klären Belange mit der Personalabteilung, der Finanzabteilung oder der Drittmittelabteilung der CAU.«

Bis es so weit ist, durchlaufen die Gründungsteams aber einen längeren Prozess. Am Anfang steht die Erstberatung. Dabei werden die weiteren Schritte sondiert und Möglichkeiten der Finanzierung besprochen. »Wenn wir das geklärt haben und die Teams Förderung beantragen wollen, unterstützen wir sie dabei«, sagt Rasmus. »Die Herausforderung liegt vor allem darin, die Idee, mit der sie zu uns gekommen sind, in einen überzeugenden Projektantrag zu gießen.«

Die Ideenskizze ist der Hauptteil des Antrags für ein EXIST-Gründerstipendium. Sie soll 25 Seiten umfassen und ist ähnlich aufgebaut wie ein Businessplan. Die Gründungsteams sollen unter anderem beschreiben, welches Problem sie identifiziert haben, wie sie es lösen wollen, was das Innovative an ihrem Vorhaben ist, wie groß der Markt ist und wie die Wettbewerbssituation aussieht. Beim Formulieren der Skizze unterstützt das ZfE-Team. »Seit Herbst letzten Jahres bieten wir dazu auch ein Antragsprogramm. Das heißt, wir beraten gleichzeitig mehrere Teams zusammen, so dass sie auch voneinander lernen. So ein Antragsprogramm dauert ein bis zwei Monate, je nachdem, wie komplex das Thema ist. Für die Beantragung selbst brauchen wir nochmal gut zwei Monate«, erklärt die ZfE-Leiterin.

Beim EXIST-Forschungstransfer, der Förderlinie für die komplexeren Ideen aus der Wissenschaft, läuft die Antragstellung ähnlich ab, nur dass hierbei Fristen zu berücksichtigen sind. Die Anträge können bis zum 31. Januar und 31. Juli jeden Jahres abgegeben werden. Und nach erfolgreicher Erstbegutachtung der Anträge steht noch eine Präsentation des Vorhabens vor einer großen Fachjury in Berlin an. Wegen der Corona-Pandemie fielen diese Live-Präsentationen dieses Jahr aus. »Die Teams haben ihre Präsentationen vorher aufgenommen und die Jury hat zu einem festgelegten Termin darüber entschieden. Beide Teams, die wir im Rennen hatten, waren erfolgreich«, freut sich Rasmus. »Dass wir gleichzeitig zwei EXIST-Forschungstransfer-Projekte haben, ist bisher einmalig für die CAU.« Und weitere Teams stehen in den Startlöchern.

Autorin: Kerstin Nees

www.zfe.uni-kiel.de/de

Förderprogramm EXIST

EXIST ist ein Förderprogramm des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie. Gefördert wird in zwei Programmlinien: Gründerstipendium und Forschungstransfer. Das EXIST-Gründerstipendium unterstützt die Vorbereitung innovativer technologieorientierter und wissensbasierter Gründungsvorhaben von Studierenden, Absolventinnen und Absolventen sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. EXIST-Forschungstransfer fördert sowohl notwendige Entwicklungsarbeiten zum Nachweis der technischen Machbarkeit forschungsbasierter Gründungsideen als auch notwendige Vorbereitungen für den Unternehmensstart. Es richtet sich an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die eine Idee aus ihrer wissenschaftlichen Arbeit heraus entwickelt haben. »Es muss etwas ganz Innovatives sein, das es so vorher noch nicht gab. Dann passt EXIST-Forschungstransfer, weil die Teams noch anderthalb Jahre Zeit für die Weiterentwicklung haben«, erklärt die Expertin für Gründungs- und Innovationsmanagement Dr. Anke Rasmus. »Teams, die ein Gründerstipendium beantragen, sind marktnäher und benötigen nicht mehr so viel Entwicklungsarbeit.« (ne)

www.exist.de

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