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»Ich nehme die Dinge aktiv in die Hand«

Am 1. Oktober 2020 wurde Professorin Simone Fulda als erste Präsidentin der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel vereidigt. Im Gespräch mit der »unizeit« gibt sie Einblicke in ihre Vision für die CAU.

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Professorin Fulda, wie haben Sie die Zeit seit Ihrer Wahl am 24. Juni erlebt?

Die Präsidentin der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel zu sein ist für mich eine ausgesprochen reizvolle Aufgabe. Die Zeit seit der Wahl war geprägt von Vorfreude ebenso wie der Vorbereitung auf das Amt. Ich habe sehr viele Gespräche geführt. Ich bin beeindruckt von den Menschen an der Universität, die hochmotiviert sind, sich ganz mit ihrer Aufgabe identifizieren und sich auf einen gemeinsamen Weg mit mir und den Kolleginnen und Kollegen im neuen Präsidium einlassen.

Wie sieht dieser gemeinsame Weg aus?

Meine Vision für die Zukunft ist, unsere Universität zu den 15 exzellenten Universitäten mit internationaler Sichtbarkeit fortzuentwickeln. Es geht mir dabei ausdrücklich, aber nicht ausschließlich um eine erfolgreiche Positionierung im Wettbewerb »Exzellenzstrategie«. Es ist wichtig, dass es nicht nur ein singuläres wettbewerbliches Verfahren nach dem Motto »Wenn das funktioniert, dann ist man erfolgreich und wenn nicht, dann ist man nicht erfolgreich« ist. Es geht darum, ein gemeinsames Qualitätsverständnis hin zu einem hohen Qualitätsniveau weiterzuentwickeln. Das ist nicht nur auf die Forschung beschränkt, sondern gilt auch für die Lehre, den Transfer, den wissenschaftlichen Nachwuchs, die Internationalisierung, die wissenschaftlichen Infrastrukturen oder die Personalentwicklung.

Die Uni Kiel gehört für Sie also zu den führenden Universitäten in Deutschland, obwohl sie den Titel Exzellenzuniversität nicht erreicht hat?

Genau. Das ist genau der Knackpunkt. Das habe ich ja auch von außen mitbekommen, dass das Ergebnis der zurückliegenden Runde der Exzellenzstrategie als ein Scheitern empfunden worden ist, sowohl von der Universität als auch vom Land. Von außen betrachtet ist es überhaupt kein Scheitern. Es ist schon eine exzellente Leistung, überhaupt zwei Cluster eingeworben und sich damit für eine Antragstellung als Exzellenzuniversität qualifiziert zu haben. Nur 19 Universitäten in Deutschland haben das erreicht. Wir brauchen deshalb eine Weiterentwicklung unserer Qualitätskultur und einen anderen Umgang mit Erwartungshaltungen.

Welche Erwartungen haben Sie an die Kieler Universität?

Es ist ein ganz wesentlicher Aspekt, dass Kooperation die CAU auch selbst betrifft. Da sind insbesondere die inter- und transdisziplinären Kooperationen zwischen den verschiedenen Fächern und Fakultäten zu erwähnen, die schon sehr ausgeprägt sind. Und das wurde bereits in verschiedenen Kontexten als Alleinstellungsmerkmal der CAU herausgestellt. Zum Beispiel gibt es bestimmte Fächer, die in zwei verschiedenen Fakultäten verortet sind, wo eine wirkliche Befruchtung von unterschiedlichen Fächerkulturen stattfindet. Das ist ein großes Potenzial, was hier vorhanden ist.

Forschung ist per se dynamisch in der Art und Weise, dass neue Fragestellungen aufkommen, Forschungsfragen und Forschungsthemen sich entwickeln. Das heißt, auch die Ausrichtung der Universität insgesamt ist dynamisch und so möchte ich das auch gerne halten. Dazu gehört auch, sich in regelmäßigen Abständen selbst zu reflektieren und Bewährtes auf den Prüfstand zu stellen.

Wie wollen Sie Kooperationen innerhalb und außerhalb der CAU fördern?

Ich bin überzeugt davon, dass es aufgrund der Komplexität der wissenschaftlichen Fragestellungen wichtig ist, Netzwerke zu bilden und Kooperationen und Zusammenarbeit voranzutreiben. Das betrifft sowohl unsere Universität – die Vernetzung zwischen den Wissenschaftskulturen, zwischen Forschung und Lehre – als auch die Vernetzung mit unterschiedlichen nationalen wie internationalen Partnern aus der Wissenschaft, der Wirtschaft, der Gesellschaft und der Politik.

Das möchte ich aktiv gestalten. Das war bisher auch immer mein Prinzip: Wenn ich etwas gemacht habe, war ich nie nur eine Mitläuferin, die pro forma dabei war. Ich nehme gerne die Dinge aktiv in die Hand und versuche, sie zu bewegen und nach vorne zu bringen. Das ist auch einfach mein Naturell.

In Ihrer Rede zum Amtsantritt haben Sie Ihre Strategie unter dem Claim »Think global, act local« zusammengefasst. Ist das nicht ein Gegensatz?

Keinesfalls. Ich möchte die CAU als weltweite Netzwerkuniversität und gleichzeitig als eine zentrale Akteurin in Wissenschaft und Gesellschaft vor Ort etablieren. Das vereint Weltbürgertum mit regionaler und lokaler Verankerung. Diese zwei Pole stellen für mich keine Gegensätze dar, denn sie erzeugen Synergieeffekte. Wenn wir mit unserer Spitzenforschung global sichtbar sind, dann strahlt das auch auf die Region aus. Als Universität haben wir auch eine gesellschaftliche Verantwortung und das heißt nicht zuletzt, für die Bürgerinnen und Bürger vor Ort. In diesen Prozess möchte ich die anderen Hochschulen und Akteure mitnehmen. Die Konkurrenz sitzt nicht im eigenen Bundesland. Sie ist national, international. Wissenschaft ist globaler.

Das klingt nach einem ambitionierten Programm.

Wir haben alle hohe Ansprüche an uns. Das ist etwas, was ich von einer Landesuniversität wie der unsrigen auch erwarte. Ja, es geht um ein ambitioniertes Ziel und einen Weg, der viel Kraft und Arbeit erfordert. Das ist nur möglich, wenn die Mitglieder der CAU – und damit spreche ich auch die Studierenden an – voll dahinterstehen.

Das Interview führten Claudia Eulitz und Christin Beeck.

Kurzvita Prof. Dr. med. Simone Fulda

Seit 1.10.2020 Präsidentin der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel; 2018-2020 Vizepräsidentin für Forschung und akademische Infrastruktur sowie Direktorin des Instituts für Experimentelle Tumorforschung in der Pädiatrie an der Goethe-Universität Frankfurt; vielfach ausgezeichnete Expertin für Zelltodforschung; Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina; Wissenschaftspolitische Erfahrung als Mitglied des Wissenschaftsrats; Medizinstudium mit Stationen u.a. an der Universität zu Köln, an der Harvard Medical School, Boston/USA, University of California San Francisco, University of Arizona und am University College Dublin, Irland.

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