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Abenteuer »Blühwiese erforschen«

Schülerinnen und Schüler begeben sich mit Kescher und Lupe auf Entdeckungstour durch Gras und Blumen. Mit dieser Aktion beteiligt sich die Kieler Forschungswerkstatt am Naturschutzprojekt »Blütenbunt-Insektenreich«.

Zwei Hummeln auf einer Blüte
© Kieler Forschungswerkstatt

Erdhummeln fliegen besonders gern auf die Blüte der Disteln.

Was summt, fliegt und kriecht denn da? Das ist die Frage, der Schulkinder in Schleswig-Holstein ab der sechsten Klasse auf den Grund gehen wollen. Und das im wahrsten Sinn des Wortes. Sie werden die frisch angelegten Blühwiesen neben ihren Schulen mit Lupe und Mikroskop erforschen – immer auf der Spur der kleinen Lebewesen: Schmetterlinge, Wildbienen und Co.

Die Tierchen sind absolut wichtig für unser Ökosystem: Ohne Insekten würden viele Obstbäume und -sträucher, aber auch Blumen nicht bestäubt. Darunter leidet die Pflanzenvielfalt, Vögel und Insekten finden weniger Nahrung – und wir müssten auf Äpfel, Beeren und Honig verzichten. Diese Zusammenhänge sind den meisten Menschen wohlbekannt. Doch was genau da so nützlich in unseren Gärten summt und brummt, kennen die Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen von heute nicht mehr unbedingt. »Für viele Menschen ist jede Heuschrecke ein Grashüpfer und alles, was summt und einen Stachel hat, ist eine Wespe, oder wahlweise eine Biene«, erklärt Insektenkundlerin Katrin Schöps von der Kieler Forschungswerkstatt, dem gemeinsamen Schülerlabor der Kieler Universität und des Leibniz-Instituts für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik (IPN).

Um Aufklärung zu leisten und den Schutz von Insekten sowie deren Vielfalt zu fördern, hat die Kieler Forschungswerkstatt in Kooperation mit der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein und dem Deutschen Verband für Landschaftspflege (DVL) das Naturschutzprojekt »Blütenbunt-Insektenreich – Gemeinsam für Insekten in Schleswig-Holstein« ins Leben gerufen. Seit Mai 2020 sind die drei Partner dabei, Bildungsinitiativen an Schulen, Universitäten und im privaten Umfeld zu realisieren und vielfältige Schutzmaßnahmen sowohl im städtischen als auch im ländlichen Raum umzusetzen.

Die Stiftung Naturschutz koordiniert das Projekt, das vom Bundesamt für Naturschutz im Bundesprogramm Biologische Vielfalt mit fünf Millionen Euro gefördert wird. Zudem kümmert sich die Stiftung um Angebote in ausgewählten Partnerstädten. Der DVL will im ländlichen Raum mit Aktionen Lebensräume für Schmetterlinge, Wildbienen und andere Insekten schaffen und erhalten. Die Kieler Forschungswerkstatt wird an den Schulen im Land aktiv.

»Wir arbeiten mit 20 Partnerschulen zusammen«, sagt Schöps, die das Projekt mit den Insekten-Fachleuten Lennart Bendixen, Michael Scheer und Jasmin Colakoglu betreut. In einem ersten Schritt werden an den Schulen Blühwiesen angelegt. »Diese werden im Unterricht oder in Arbeitsgemeinschaften von den Schülerinnen und Schülern erforscht.« Tipps dafür haben die Expertinnen und Experten in Aktionsheften zusammengestellt. Dort finden sich unter anderem Anleitungen für Untersuchungen an Schmetterlingen, Wildbienen und Heuschrecken, zum Beispiel wie man erforschen kann, auf welche Blüten welches Insekt besonders gern fliegt. »Die sind nämlich ganz schön wählerisch«, sagt Bendixen.

Um den Schülerinnen und Schülern die Feldforschung zu ermöglichen, hat das Team für die Schulen Exkursionskisten gepackt. »Darin finden sich Kescher, Lupen, Bestimmungshilfen zu Wildbienen, Schmetterlingen und Insektengruppen und vielerlei mehr«, sagt Schöps. Einmal im Monat bieten die Experten und Expertinnen zudem eine Insektensprechstunde für die Teilnehmenden an (siehe Infokasten).

»Das Projekt läuft bis 2026«, sagt Bendixen. »In der Zeit sollen die Klassen nicht nur die blütenbesuchenden Insekten erkunden, die sie im Laufe des Jahres auf ihrer Wiese finden, sondern die Ergebnisse übers Internet auch mit den anderen Partnerschulen teilen. Wir planen auch gegenseitige Besuche und Ausflüge«, so der Insekten-Experte weiter. Das IPN begleitet das gesamte Projekt wissenschaftlich und wird die Arbeitsgemeinschaften an den Schulen unterstützen. Zudem seien Sommerkurse für interessierte Schülerinnen und Schüler in Planung. Für Lehrkräfte wird es in den kommenden Jahren Fortbildungen sowie Exkursionen vor Ort geben, ergänzt Schöps. »Jetzt starten wir aber erst einmal mit den Entdecker-Touren der Schulklassen durchs blühende Grün.«

Autorin: Jennifer Ruske

Weitere Informationen:

www.forschungs-werkstatt.de/aktuelles/blueten-bunt-insekten-reich
www.insektenreich-sh.de
#wirsindinsektenreich

Insektensprechstunde

Die Insekten-Fachleute der Kieler Forschungswerkstatt bieten im Rahmen des Projektes »Blütenbunt-Insektenreich« einmal im Monat eine Insektensprechstunde an. Die richtet sich zunächst an die teilnehmenden Partnerschulen. In der einstündigen Onlineveranstaltung erhalten Lehrkräfte fachliche Unterstützung bei der Bestimmung von Arten, nützliche Tipps und weiterführende Informationen. Auch Schulklassen können nach individueller Absprache eine digitale Insektensprechstunde buchen. Zudem soll es zeitnah auch eine Sprechstunde für alle Interessierten geben. (JR)

Information und Anmeldung:
Lennart Bendixen, bendixen@leibniz-ipn.de

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