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Audimax hinter den Kulissen

Neun Hörsäle, etliche Kellerräume und sehr viel Technik, die kaputt gehen kann – das Audimax hält Hausmeister Kai Woitschach auf Trab. Zum Glück scheut er weder große Höhen noch enge Gänge.

Kai Woitschach
© pur.pur

Hausmeister Kai Woitschach

Vorlesungen, Empfänge, Night of the Profs und Erstsemesterbegrüßung: Das Audimax ist mit seiner Dreiecks-Architektur eines der prominentesten Gebäude auf dem Campus. Und gleichzeitig – durch die Vielzahl der dort angeboten Veranstaltungen für die Lehre oder die Öffentlichkeit – eines, das nicht nur alle Studierenden an der CAU kennen, sondern das auch viele Kielerinnen und Kieler besuchen. Die neun Hörsäle und das Foyer sind den meisten bekannt. Doch der größte Teil des Gebäudes befindet sich hinter fest verschlossen Türen im Verborgenen. Hier ist der Zutritt nur wenigen erlaubt. Einer davon ist Kai Woitschach. Der Hausmeister des Audimax weiß, was sich hinter den Kulissen verbirgt.

Ohne Schlüssel geht es nicht: Genau 28 verschiedene Exemplare befinden sich an dem schweren Bund, den Woitschach in seinem Büro, das direkt neben dem großen Hörsaal liegt, vom großen Schlüsselbrett pflückt. »Das ist für mich morgens, wenn ich um 6.30 Uhr komme, der erste und wichtigste Handgriff«, erklärt der Hausmeister, der seit 2011 mit einem weiteren Kollegen im Audimax und anderen Gebäuden der Kieler Universität für Ordnung und den ungestörten technischen Ablauf aller Vorlesungen sorgt. Denn ohne seine Schlüssel lassen sich die Saaltüren nicht aufschließen, das Licht und die Lüftung nicht anschalten oder die Trennwand zwischen dem großen Frederik-Paulsen-Hörsaal und Hörsaal H nicht hoch- oder runterfahren – je nachdem, welche Vorlesung auf dem Stundenplan steht. »Den Schlüsselbund zu verlegen oder zu verlieren wäre für mich das schlimmste Szenario.« Vorgekommen ist das jedoch – »zum Glück« – noch nie.

Dieser Schlüsselbund begleitet den Hausmeister überallhin – auch auf seinem morgendlichen Rundgang, auf dem Woitschach die Technik in den Vorlesungssälen hochfährt und prüft. »Eine meiner Aufgaben ist, vor jeder Vorlesung die Mikrophone bereitzulegen, zu gucken, ob die Beamer angeschlossen sind und laufen, und zu prüfen, ob das Licht im ganzen Saal funktioniert«, erzählt er und deutet auf die Saaldecke: »Da ist schon wieder eine Glühbirne kaputt.« Mit dem Tausch der defekten Leuchtmittel könne man ganze Tage verbringen, seufzt der Hausmeister. Allein die beiden großen Kronleuchter im Foyer bringen es jeder auf 250 Glühbirnen, erzählt er und macht sich schnellen Schrittes auf den Weg zurück in sein Büro. Dabei hat Woitschach seine Augen überall. Sammelt hier noch Müll auf, sichert da ein vergessenes Handy und dort einen pinken Schal. »Ich bin Ansprechpartner für alles, egal ob es um ein verstopftes WC, um den kaputten Getränkeautomaten, die ausgefallene Heizung oder um Fundsachen geht.« Um die ersten Dinge müsse er sich zwar nicht selbst kümmern, aber die Handwerker dafür engagieren, erzählt Woitschach und stopft den Schal in den Fundsachenschrank, der von Handschuhen, Taschenrechnern, Büchern und Stiften überquillt. Das Handy wird von seiner Besitzerin kurze Zeit später abgeholt, das meiste jedoch muss die Uni entsorgen. »Es gibt nichts, was die Studierenden nicht liegen lassen.« Ein besonderes Augenmerk hat Woitschach auf vergessene Spick- und Notizzettel. Die sammelt er. »Ich mag Kunst und Kreativität jeder Art« – und die Zettel gehören für ihn dazu.

Zu seinem Reich gehören neben den Hörsälen auch die verschlossenen Kellerräume – und davon gibt es im Audimax etliche. Denn das Gebäude ist nicht nur einmal, sondern gleich zweimal unterkellert. »Das zweite Untergeschoss ist allerdings nur ein leerer Kriechkeller«, sagt Woitschach. Im ersten Untergeschoss finden sich unzählige kleine Funktionsräume, die meisten davon gehen durch schwere Brandschutztüren getrennt ineinander über. »Das sind so viele, dass man sich regelrecht verlaufen kann«, warnt der Hausmeister, der nach acht Jahren »selbst ganz sicher nicht alle Ecken kennt«. In den Räumen finden sich Heizung, Lüftung, Elektrik, Kabelstränge, Sicherungskästen, Schalttafeln, die Akkus für die Notbeleuchtung, der Raum für die Trennwand des großen Hörsaals – und jede Menge Staub. Hier unten befindet sich auch das Lager der Hausmeister: Hier holt sich Woitschach die Glühbirne für den Hörsaal H. Und dann geht es in schnellem Tempo von ganz unten nach ganz oben – etliche Stufen hoch bis unters Dach. »Das ist unser tägliches Sportprogramm.« Einige Tausend Schritte pro Schicht kommen da sicher zusammen, sagt Woitschach lachend. Doch jetzt sei erst mal Funkstille geboten, warnt er. Im Hörsaal findet eine Vorlesung statt und der Hausmeister muss direkt hinter der Tafel und der alten Leinwand die Stufen hoch.

Vorbei am Lager des Uni-Kinoteams, der Popcornmaschine und den Postern der Filmklassiker wie der Feuerzangenbowle eilt er die steilen Stufen hoch, bis er auf einem ansteigenden Gitterrost gute 20 Meter über dem Saal – direkt über Köpfen der Studierenden – steht. »Das Gitter kann man an einigen Stellen anheben, so kommt man an die Lampen.« Für diesen Hörsaal sei das einfach, andere Stellen erreiche man nur über einen Kriechgang in luftiger Höhe. »Für Menschen mit Höhenangst oder Klaustrophobie wäre das wohl nichts.« Doch ihm mache die Arbeit Spaß. »Kein Tag ist wie der andere. Es kann immer etwas Unvorhergesehenes passieren, auf das wir reagieren müssen. Das ist das Spannende an dem Job«, sagt Woitschach. »Aber egal, was anfällt, die Hauptsache ist, dass am Ende die Vorlesungen gut laufen.« Und darum kümmern sich die Hausmeister – jeden Tag aufs Neue.

Autorin: Jennifer Ruske

Film über die Arbeit des Hausmeisters

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