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Besser im Film

Egal ob es um Deutsch geht oder um Physik: In vielen Schulfächern bringen Videos und andere digitale Tools nicht nur Abwechslung in den Unterrichtsalltag, sondern auch gute Lernerfolge. Wie das funktioniert, vermittelt an der Uni Kiel das Zentrum für Lehrerbildung.

Standbild eines Lehrvideos
© Zentrum für Lehrerbildung (ZfL)

Weit gestreut sind im Zentrum für Lehrerbildung (ZfL) Bildungsangebote, die zwar keine anrechenbaren Leistungspunkte bringen, wohl aber Kompetenzen, die im ganz normalen und oft ebenso im virtuellen Klassenzimmer richtig wertvoll sein können. Das Besondere: Die fächerübergreifenden Kursangebote sind themenfokussiert, schulrelevant und praxisnah – und das seit dem Sommersemester 2020 nicht nur mit digitalen Inhalten, sondern auch in digitaler Form. Dass diese extracurricularen Kurse und Workshops für gewöhnlich sehr gefragt sind, wundert also kaum. Auch im laufenden Wintersemester ist das Interesse an den zurzeit ausschließlich online stattfindenden Schulungen ungebrochen. »Einen Großteil unserer Angebote konnten wir im Sommersemester gemeinsam mit unseren Dozierenden in digitale Formate umwandeln und unser Angebot zusätzlich um weitere Kurse ergänzen«, freut sich Dr. Maike Martensen, die zusammen mit Koordinatorin Melanie Korn für die extracurricularen Angebote zuständig ist. Seit dem ersten »Corona-Semester« gibt es daher nun neben den Workshops und den Zertifikatskursen am ZfL mit den Online-Kursen einen dritten »Extrabildungsbaustein«, der auch erhalten bleibt und evaluiert wird.

Unter anderem stellt die Produktion von Lernvideos ein hilfreiches Werkzeug dar, um den Anforderungen im Schulunterricht zu begegnen. Und das sowohl im Klassenzimmer als auch in der digitalen Lehre, meint Pädagogin Jessica Hinrichsen, die kürzlich zusammen mit ihrer Kollegin Claudia Wagner am ZfL einen Online-Workshop über die Erstellung und den schulischen Einsatz von Videos gegeben hat. Sie selbst machte sich vor etwa sieben Jahren als Referendarin mit dieser Technik vertraut. An der Gemeinschaftsschule Schönberg, wo sie ebenso wie Claudia Wagner beschäftigt ist, bringt sie immer mal wieder die Bilder zum Laufen. Und ein Schmunzeln auf so manche Gesichter. »Es kommt eigentlich immer gut an, solange man es nicht übertreibt«, berichtet Jessica Hinrichsen, die mit ihrer Kollegin den Teilnehmenden des Kurses eine recht breite Palette an kreativen Möglichkeiten vermittelt hat.

Persönlich arbeitet sie gern mit Screencasts vom eigenen Bildschirm. Dabei handelt es sich um Aufnahmen, etwa einer Präsentation oder einer handschriftlich vorgenommenen Rechnung, die sich dann als Film abspielen lassen. Ähnlich ist es mit Stopp-Motion-Filmen, die durch Aneinanderreihung von statischen Bildern die Illusion von Bewegung erzeugen. Soziale Zusammenhänge können auf diese Weise wunderbar veranschaulicht werden, und das ohne gegen den Datenschutz oder Persönlichkeitsrechte zu verstoßen, sofern als Hauptdarsteller Playmobil- oder andere Spielfiguren eingesetzt werden. Hervorragend eignet sich dieses Verfahren laut Jessica Hinrichsen auch im Chemieunterricht, um Reaktionsmechanismen zu veranschaulichen. Besser im Film stehen Schülerinnen und Schüler außerdem zuweilen im Matheunterricht, wenn der Weg zur Lösung einer kniffligen Aufgabe Schritt für Schritt abgefilmt wird oder verschiedene Ansätze zum Umgang damit gezeigt werden.

Bedeutet das nicht unheimlich viel Arbeit? Diese Frage hören Wagner und Hinrichsen häufiger. Recht leicht macht es allerdings die heutzutage sehr einfach zu handhabende Software. Außerdem kommt es eben auch auf die Art der Videos an. Werden damit Stoffe aufbereitet, die sich wie Mathe-Gleichungen, Lektüreaufbereitungen oder chemische Reaktionen nicht ändern, können die Videos immer wieder eingesetzt werden. »Dann lohnt sich auch der Aufwand«, meint Jessica Hinrichsen. Im schulischen Alltag beobachten die beiden Lehrerinnen jedenfalls, dass derartige digitale Elemente an Bedeutung gewinnen und das Interesse im Kollegium deutlich wächst. Aus gutem Grund, findet Jessica Hinrichsen, denn »mit Videos kann man unheimlich viel lernen«.

Autor: Martin Geist

Weitere Informationen: www.zfl.uni-kiel

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