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Leiser drehen

Windkraftanlagen sind zu laut. Das meinen zumindest viele tatsächlich oder potenziell Betroffene und tragen damit erheblich zu den Akzeptanzproblemen dieser Technik bei. Ein innovatives Quartett aus mit dem Thema Windkraft sehr vertrauten Experten ist derzeit dabei, unter dem Dach der Uni Kiel das Unternehmen COMPOSE zu gründen, das mit Lösungen gegen das Lärmproblem punkten will.

Vier Männer vor einem Gebäude
© Florian Hamer

Eine technische Lösung gegen zu laute Windkraftanlagen entwickeln Christian Schönke (v. l.), Gabriel Gebre Musie, Dr. Tarek Magdy, Thies Hecker.

Christian Schönke hat in Flensburg und Hamburg Ingenieurwissenschaften studiert und entwickelte sich danach als Angestellter des vor einem Jahr insolvent gewordenen Windkraftanlagenherstellers Senvion zum Experten für Berechnung und Simulation im Maschinenbau. In dieser Zeit hatte er dank mehrerer großer Verbundprojekte mit Hochschulen immer auch engen Kontakt zur Forschung. Und genau in diesem Umfeld entstand die Idee, sich mit einem an die Wissenschaft angedockten Projekt selbstständig zu machen.

Zum Team gehören neben Schönke seine ehemaligen Kollegen Thies Hecker und Gabriel Gebre Musie sowie Dr. Tarek Magdy, ein Experte für die Zertifizierung von Windkraftanlagen. »Was uns verbindet, sind die praktische Erfahrung, der wissenschaftliche Anspruch und auch die Lust darauf, selber etwas auf die Beine zu stellen«, beschreibt Schönke das Quartett der Mittdreißiger. Und er vergisst nicht, die entscheidende Unterstützung des Zentrums für Entrepreneurship (ZfE) der Uni Kiel hervorzuheben: »Wir wurden praktisch auf beiden Seiten untergehakt, sonst hätten wir es viel schwerer gehabt, von der Idee zur Umsetzung zu kommen und eine Finanzierung auf die Beine zu stellen.«

Vom 1. Oktober an haben die angehenden Gründer von COMPOSE (Computational Methods for Prediction and Optimization of Sound Emissions) nun 18 Monate Zeit, tatsächlich ihr eigenes Unternehmen aus der Taufe zu heben. Das EXIST-Forschungstransfer-Programm unterstützt diese Phase mit 500.000 Euro für Personal- und dazu 250.000 Euro für Sachausgaben. Für das Projekt ist das von elementarer Bedeutung, denn ehe ein marktfähiges Produkt angeboten werden kann, muss noch eine ordentliche Wegstrecke zurückgelegt werden.

Im Detail mögen Schönke und Co zwar noch nicht so viel verraten, ihr Ansatz läuft aber darauf hinaus, über Softwarelösungen schon bei der Entwicklung von Windkraftanlagen deutlich wahrnehmbare Reduzierungen der Lärmemissionen zu erreichen. Der Zuspruch von Fachleuten ist groß, der Optimismus der vier Gründungswilligen ebenfalls. Onshore-Windkraft ist nach ihrer Überzeugung unentbehrlich, wenn Deutschland und zahllose andere Staaten ihre selbst gesteckten Klimaziele erreichen wollen. Mehr Akzeptanz durch weniger Lärm zu schaffen, ist nach Einschätzung von Christian Schönke deshalb ein Modell mit »großem Potenzial« auch über die Grenzen Deutschlands hinaus.

Autor: Martin Geist

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