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Das Beste aus zwei Welten

Eine Alternative zur digitalen Lehre gab es im vergangenen Pandemie-Jahr nicht wirklich. Doch wohin geht die Reise, wenn die Studierenden und Lehrenden in die neue 3-G-Welt auf den Campus zurückkehren? Nicht nur didaktische Fragen sind dabei wichtig, auch die Technik selbst ist in vielerlei Hinsicht eine ganz eigene Herausforderung.

Bildschirm, der Mikroskopieren zeigt
© iStock/Prykodov, iStock/skynesher, Montage: pur.pur

Theoretische Kenntnisse können über die Onlinelehre gut vermittelt werden. Beim Mikroskopieren beispielsweise ist auch die praktische Erfahrung wichtig.

OpenOLAT hat in den vergangenen Monaten eine Transformation erlebt: Von der allgemeinen Lehr- und Lernplattform wurde sie zum Drehkreuz vielfältiger digitaler Angebote rund um das Studium. Dabei war die Pandemie ein Wirkbeschleuniger für die digitale Lehre – nicht weniger, aber auch nicht mehr. Denn neben der Begeisterung über die ortsunabhängigen Onlineangebote und neue Lehrformate hatte und hat diese Form der Wissensvermittlung auch den einen oder anderen Haken. »Der überwiegende Teil der Lehrenden und Studierenden kommt sehr gut mit den Videoformaten und den Onlinetools zurecht, mitunter fordern sie diese geradezu ein. Ein großer anderer Teil kann dieser Entwicklung aber nicht folgen«, berichtet Professor Axel Scheidig, Studiendekan an der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät. »Toll ist für alle die Möglichkeit, Vorlesungen aufzeichnen zu können. Studierende können die Inhalte so immer wieder und vor allem kurz vor den Klausuren noch einmal anschauen«, beschreibt er einen Vorteil. Doch gerade Erstsemesterstudierende hätten große Probleme gehabt, ihren Alltag zu strukturieren, die Abläufe der Universität zu verstehen. »Aber das größte Defizit auch der am besten organisierten Onlinelehre bleibt, dass es eine ideale Welt ist. Es passieren keine Fehler. Ich kann nichts anfassen, ausprobieren, wie man beispielsweise ein Mikroskop bedient und wie man das beste Bild bekommt.« Deshalb wäre hybride Lehre optimal, hier würden bei einer Vorlesung im Hörsaal gleichzeitig Streaming und/oder Aufzeichnungen die Präsenzlehre ergänzen. Beispielsweise könnten internationale Studierende sich problemlos zuschalten. Voraussetzung dafür ist allerdings eine gute technische Ausstattung.

»Durch die Anschubfinanzierung von zwei Millionen Euro durch die Universität hat beim Ausbau der Infrastruktur und der Onlinemedien schon etwas bewirken können«, berichtet Dr. Marcel Austenfeld, Leiter von eLK.Medien an der CAU. Die Ausstattung der Studierenden mit Notebooks und einem stabilen Internetzugang sei aber nach wie vor ein Problem, weiß der Experte. In der Pandemie kam zu finanziellen Einschränkungen und Vorbehalten gegenüber der Technik auch eine eingeschränkte Verfügbarkeit von Geräten hinzu. Eine Aufstockung der Computerarbeitsplätze könnte Abhilfe schaffen, die Geräte wären auch für Onlineprüfungen oder für die Hybridlehre nutzbar. Doch an der Digitalkompetenz und einer persönlichen Grundausstattung führt auch in den nicht technischen Studiengängen kein Weg vorbei, ist sich Studiendekan Scheidig sicher: »Ein Notebook plus Powerbank wird in Zukunft eine Grundausstattung fürs Studium sein.« Denn die digitale Lehre sei schon jetzt nicht mehr wegzudenken.

Das Team von eLK.Medien hat von Anfang an Unterstützung geleistet, um die Plattform OpenOLAT möglichst schnell für die neuen Anforderungen zu rüsten. Videotutorials zur Erstellung von Lehrfilmen wurden produziert, Anleitungen für Studierende angeboten. Neue Tools hielten während der Pandemie Einzug in die Plattform und wurden fester Bestandteil der Lehre, wie etwa der Videokonferenzdienst BigBlueButton. Dabei gilt es bei der Einführung neuer Anwendungen immer einen Spagat zu schaffen zwischen den Wünschen der Nutzenden und der Umsetzbarkeit. »Wir müssen Datenschutzvorgaben beachten. Der Schutz der Privatsphäre sowie die Datensicherheit haben hier Vorrang. Es spielt auch eine Rolle, wo der Server steht, und die Kosten müssen wir ebenfalls im Auge behalten«, erläutert Dr. Veronika Penner, Abteilungsleiterin Studium, Lehre und Verwaltung im Rechenzentrum. Systeme müssen gepflegt und nachgehalten werden, die Software soll idealerweise in OpenOLAT integrierbar sein. »Wir möchten eine zentrale Plattform bieten, auf der die Angebote ineinandergreifen. Deswegen versuchen wir viel mit Open-Source-Software zu arbeiten, da wir hier auch weiterentwickeln können, ohne Lizenzprobleme zu bekommen«, sagt Austenfeld. Gearbeitet werde derzeit unter anderem an einer verbesserten Benutzeroberfläche, damit die Bedienung intuitiver funktioniert. »Auch Externe sollen besser eingebunden werden, damit sie gezielt Inhalte anschauen und kollaborativ an einzelnen Dokumenten arbeiten können«, berichtet Veronika Penner. Das erleichtere den Austausch zwischen Universitäten erheblich, bringe aber auch für die Lehre einen Vorteil. »Wir haben Vorkurse, an denen die Noch-Schülerinnen und -Schüler teilnehmen. Sie haben teilweise noch keine Zugangsdaten, müssen aber trotzdem auf Inhalte zugreifen«, ergänzt Professor Scheidig.

Doch selbst bei optimalen Bedingungen für die technische Ausstattung bleibt der Wunsch nach Begegnung und persönlichem Austausch als Wesen der akademischen Lehre und Forschung. »Der Campus der Universität Kiel ist und bleibt ein Lehr- und Lernort. Für die reine Onlinelehre gibt es andere Anbieter in der Hochschullandschaft, die haben sich darauf spezialisiert und sind damit erfolgreich. Ich sehe die Erkenntnisse aus dem vergangenen Jahr als Chance, Entwicklungen aufzuholen und Neuerungen umzusetzen. Und das mit dem Ziel, das Beste aus der digitalen Lehre und der Präsenzlehre miteinander zu vereinen«, ist sich Professor Markus Hundt, CAU-Vizepräsident für Studium und Lehre, sicher.

Autorin: Christin Beeck

Zahlen zu OpenOLAT:

- aktuell 14.550 Kurse
- 12.000 Videos
- 80.392 Arbeitsgruppen
- Bis zu 12.000 Nutzende gleichzeitig aktiv

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