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Digital lernen und diskutieren

Seit dem Sommersemester 2020 findet Lehre in erster Linie online statt. Dozierende müssen ihre Kurse und Vorlesungen didaktisch und methodisch an die neuen Formate anpassen. Hierbei bekommen sie Unterstützung von der Universität.

Screenshot einer Video-Konferenz
© PerLe

Computerbildschirm statt Hörsaal oder Seminarraum: Die Corona-Pandemie sorgte für eine grundlegende Veränderung der Lehre an der CAU. Um Vorlesungen, Kurse und Übungen zu realisieren, wurden die Veranstaltungen von den Lehrkräften in kürzester Zeit auf digitale Angebote umgestellt. »Das war ein absoluter Kraftakt für alle Beteiligten«, erklärt Philipp Marquardt vom Projekt erfolgreiches Lehren und Lernen (PerLe). Marquardt berät und unterstützt Lehrende der CAU seit 2017 bei der Entwicklung und Durchführung mediengestützter Lehre. Er gehörte auch mit zu dem Team, das ab März 2020 weitere Angebote schuf und den Dozierenden bei der Umstellung auf die digitale Lehre zur Seite stand.

»In kürzester Zeit sind etliche Workshops entstanden, in denen wir Möglichkeiten vorgestellt haben, wie und mit welchen Mitteln Online-Seminare stattfinden können, mit welchen Tools Gruppenarbeit möglich ist, wie man digital gut mit Studierenden kommunizieren kann und vieles andere mehr«, berichtet Marquardt. Daneben gab es auch Einzelberatungen. Über 90 Lehrende wurden vom PerLe-Team über das Semester hinweg unterstützt. Dabei sei es vor allem um die Didaktik gegangen und nicht um das technische Knowhow.

»Ohne die PerLe-Workshops wäre ich aufgeschmissen gewesen«, lobt Turid Frydenlund. »Die Vorlesungen sind nicht das Problem. Die finden mittels Videokonferenz statt«, sagt die Lektorin für Norwegisch. Schwieriger war es für sie, die bewährte Gruppenarbeit digital anzubieten. »Da hat mir der Workshop ‚Zusammenarbeit in Online-Seminaren gestalten‘ geholfen.« Mit speziellen Online-Tools können Studierende gleichzeitig einen Text schreiben oder Aufgaben lösen, sich gegenseitig Feedback geben und vor allem miteinander sprechen – das helfe bei der Verfestigung von Vokabeln und Grammatik. Frydenlund ist so begeistert von ihrem digitalen Lehrkonzept, dass sie dieses auf alle Fälle auch nach der Pandemie weiter anbieten wird.

Auch Philosophie-Dozentin Dr. Astrid von der Lühe nutzte die PerLe-Workshops als Unterstützung bei der Umstellung auf die digitale Lehre: »Es war gut zu wissen, mit der Aufgabe, Lehrveranstaltungen von heute auf morgen digital anzubieten, nicht alleingelassen zu werden.« Doch nach zwei Semestern Online-Lehre ist ihr Fazit eindeutig: »Für mich steht Präsenzlehre immer noch an erster Stelle.« Denn in der Philosophie gehe es weniger darum, bestimmte Inhalte zu vermitteln, als vielmehr um den Prozess der diskursiven, kritischen Auseinandersetzung im gemeinsamen Gespräch. »Dass dieser Diskurs auch digital funktionieren kann, hatte ich anfangs kaum für möglich gehalten.« Doch die in den PerLe-Workshops vorgestellte und inzwischen gern genutzte Form der Online-Diskussion weise sogar manchen Vorteil auf. »Tatsächlich melden sich im digitalen Format mehr Studierende im Chat zu Wort. Das Seminargespräch wird dadurch vielstimmiger. Damit hätte ich nicht gerechnet.« Warum sich online mehr Menschen beteiligen, kann sie nur vermuten. Vielleicht liege es daran, dass man sich in dem digitalen Format auch anonym äußern kann. Zudem könne man spontan Gedanken beisteuern oder aber sich Zeit nehmen, sich seine Worte zu überlegen. Online sei es kein Problem, auf einen älteren Beitrag Bezug zu nehmen und weiterzudenken. »Das ist bei einer lebhaften Diskussion in Präsenz nicht immer so einfach möglich«, sagt von der Lühe, die ein durchaus positives Fazit zieht. Sie könne sich gut vorstellen, das digitale Format ergänzend zu Präsenzformaten auch weiterhin zu nutzen.

Autorin: Jennifer Ruske

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