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Europa als Campus

Polnisch lernen, in Kroatien studieren, auf Malta forschen: Die Europäische Universität der Meere, kurz SEA-EU, will Studierenden, Forschenden und Beschäftigten mehr Mobilität in Europa ermöglichen. Dank digitaler Angebote schreitet die ambitionierte Initiative voran – zum Beispiel mit Sprachkursen für Uni-Mitglieder.

Europa-Karte mit sechs Universitätsstandorten
Grafik: pur.pur

Sechs Universitäten am Meer haben sich für den europäischen Hochschulcampus SEA-EU zusammengeschlossen. Die Initiative will den Uni-Mitgliedern mehr Austausch ermöglichen.

Die Hochschulallianz SEA-EU hat sich ganz der europäischen Idee verschrieben: Unter Leitung der Universität Cadiz (Spanien) haben sich 2019 die Universitäten Westbretagne (Brest, Frankreich), Danzig (Polen), Split (Kroatien), Malta und Kiel zusammengetan, um einen europäischen Hochschulcampus aufzubauen. Studierende und Lehrende, aber auch Hochschulbeschäftigte sollen so in den fachlichen und persönlichen Austausch mit den Partnerstandorten kommen. »Was das Kennenlernen vor Ort angeht, hat uns Corona bisher einen Strich durch die Rechnung gemacht«, sagt Johanna O’Brien vom Forschungsschwerpunkt Kiel Marine Science (KMS), zuständig für Mobility & Outreach im SEA-EU-Team an der CAU.

Doch auch digital ließen sich bereits zahlreiche Angebote von Kiel aus umsetzen. Zuletzt beispielsweise die digitale Forschungsexkursion digiCruise auf der Kieler Förde und eine interdisziplinäre Summer School zum Thema Ozean und Nachhaltigkeit mit Dozierenden aus Kiel, Split, Danzig und Cadiz. »Wir versuchen den Studierenden trotz virtueller Formate Raum für neue Ideen, aber auch Freundschaften und Verbindungen zu ermöglichen«, betont die Kieler Programmbeauftragte O’Brien. Auch die Chancen, dass Erasmus-Semester wieder in Präsenz wahrgenommen werden können, würden langsam wieder steigen.

Vier Personen mit Stadt im Hintergrund
© Claudia Eulitz, Uni Kiel

Besuch von der Universität Cadiz (v. l.): CAU-Vizepräsidentin Nele Matz-Lück und Präsidentin Simone Fulda begrüßten im September Laura Howard, Direktorin für Internationalisierung der Hochschulbildung, in Kiel und SEA-EU-Generalkoordinator Fidel Echevarria.


Weiteren Zuwachs im SEA-EU-Spektrum gibt es seit Anfang Oktober: Die beteiligten Universitäten bieten Kurse in ihrer jeweiligen Landessprache für Anfängerinnen und Anfänger an, mit einer Laufzeit von zwei bis acht Wochen. »Das ist nicht nur ein Angebot für Studierende, sondern ausdrücklich auch für die Mitarbeitenden der Partnerhochschulen«, so Johanna O’Brien. Zu Semesterbeginn gibt es virtuelle Schnupperkurse, in denen Interessierte die verschiedenen Sprachen kennenlernen können. Bei der Vermittlung von Tandem-Sprachpartnerinnen und -partnern unterstützt das Projekt ebenfalls.

Langfristiges Ziel des Uni-Verbunds ist es, unbürokratische und gleichrangige Angebote für europaweite Lehrveranstaltungen, Forschungsarbeit und Fortbildungen zu schaffen. »SEA-EU spielt für unsere Internationalisierungsstrategie eine zentrale Rolle, weil wir uns davon einen Schub in verschiedenen Bereichen versprechen, insbesondere in der Lehre«, erklärt Professorin Nele Matz-Lück, CAU-Vizepräsidentin für Internationales, Nachwuchs, Gleichstellung und Diversität. Sie betont, wie zukunftsweisend solche Initiativen sind: »Die Hochschulpartnerschaften in der EU sind immens wichtig, weil nicht weniger als eine Transformation der nationalen Universitäten hin zu einer möglichst einheitlichen ‚Europäischen Universität‘ gewollt ist. Es ist das Ziel der EU, die Zahl der an den Hochschulallianzen beteiligten Universitäten in den Mitgliedstaaten zu erhöhen.«

2017 hatte die EU zur Gründung transnationaler Partnerschaften aufgerufen. Zwei Jahre später wählte das ERASMUS+-Programm der Europäischen Kommission 17 davon aus, darunter SEA-EU. »Wir starten nun in das letzte Jahr dieser ersten Förderungsrunde«, sagt Johanna O’Brien. Das Team feilt derzeit am Konzept für die nächste Bewerbungsrunde, in der entschieden wird, wie es ab September 2022 mit den Hochschulallianzen weitergeht.

Autorin: Anna Kristina Pries


Mehr über die Sprachkurse von SEA-EU (englisch)

sea-eu.org/language-offers
www.sea-eu.org

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