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Das freie Wissen

Wissen für alle: Schnell, weltweit und kostenfrei. Genau das zu fördern, ist das Ziel des Open-Access-Infopoints Schleswig-Holstein, der in diesen Tagen online gegangen ist.

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Open Access, also der Zugang zu wissenschaftlicher Literatur und deren Nutzung über das Internet ohne technische, rechtliche oder finanzielle Barrieren, ist schon seit Jahren ein wichtiges Thema. Das betont Dr. Rüdiger Schütt, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit der Universitätsbibliothek (UB) Kiel: »Zu einem sehr großen Teil wird neues Wissen aus Steuermitteln gefördert.« Ein Problem sind aus seiner Sicht vor allem einige global agierende Wissenschaftsverlage, die ihre Marktmacht zulasten der öffentlichen Hand ausnutzen, indem sie am Ende den Universitäten, die den dafür durchlaufenen Forschungsprozess erst möglich gemacht haben, dieses Wissen für teilweise sehr viel Geld wieder zurück verkaufen. Denn um eine Forschungsarbeit in vielen renommierten Fachzeitschriften veröffentlichen zu können, müssen die Autorinnen und Autoren einerseits selbst Gebühren bezahlen. Andererseits müssen auch die Leserinnen und Leser dafür bezahlen. Dabei sollten derlei Informationen nicht nur nach seiner Überzeugung schon aufgrund der Art, wie sie zustande gekommen sind, »eigentlich kostenfrei abrufbar sein«.

Den wichtigsten Anstoß zu entsprechenden Initiativen gab die »Budapest Open Access Initiative", ein ebenso internationaler wie interdisziplinärer wissenschaftlicher Zusammenschluss, der schon im Jahr 2001 für die freie Verfügbarkeit von wissenschaftlicher Literatur in Fachzeitschriften und anderen Publikationsformen plädierte. In der Folge wurde Open Access ein Thema. Doch so bestechend das auch erscheinen mag, die Sache hat ihre Tücken. Besonders in der Anfangszeit, so erläutert Rüdiger Schütt, waren die neuen, frei verfügbaren wissenschaftlichen Online-Zeitschriften mit weitaus weniger Renommee behaftet als die kommerzielle Konkurrenz. Das Ansehen wiederum bestimmt direkt den sogenannten Impact Factor, der den Einfluss einer solchen Zeitschrift nach der Zitationshäufigkeit misst und als Zahl wiedergibt. Autorinnen und Autoren, deren wissenschaftlicher Status ebenfalls davon abhängt, wieviel sie wo veröffentlichen, strebten also trotz Open Access weiterhin eher zu den punkteträchtigen herkömmlichen Medien.

Dr. Sabrina Stockhusen, die ebenso wie Dr. Rüdiger Schütt, Arne Klemenz und Dr. Kai Lohsträter zum Redaktionsteam des Open-Access-Infopoints Schleswig-Holstein gehört, nennt eine weitere Hürde: In den Naturwissenschaften ist die Aufgeschlossenheit für digitale Veröffentlichungen nach ihrer Erfahrung vor allem deshalb recht groß, weil das Wissen dort oftmals relativ schnell aktualisiert werden muss. Anders sei das in den schon immer stark den gedruckten Worten verbundenen Geisteswissenschaften. »Die müssen ein bisschen mehr überzeugt werden«, meint Sabrina Stockhusen aus der Kieler UB.

Trotz solcher Vorbehalte geht der Trend aber inzwischen eindeutig zum Digitalen. Dazu trägt nicht zuletzt die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) bei, die wissenschaftliche Projekte inzwischen bevorzugt unter der Auflage fördert, dass deren Ergebnisse über Open Access veröffentlicht werden. Zugleich wird aus Sicht von Schütt und Stockhusen immer deutlicher, dass der Zugang zu Wissen zwar kostenfrei sein sollte, für die Veröffentlichung selbst aber dennoch Geld gebraucht wird. So verlangt Open Access eine Umstellung teils jahrhundertealter Finanzierungsmodelle wissenschaftlicher Literatur. Über das Internet erreichbare Publikationsserver, wie beispielsweise MACAU von der UB Kiel, müssen betrieben, gepflegt und gewartet werden, die einzelnen Beiträge benötigen bibliographische Angaben wie Metadaten und Schlagworte, damit sie tatsächlich zu finden sind – und nicht zuletzt bedarf es einer Qualitätssicherung. Üblicherweise lassen wissenschaftliche Verlage eingereichte Texte noch einmal von externen Fachleuten prüfen. Das dadurch erreichte hohe Qualitätsniveau soll natürlich auch bei Open-Access-Publikationen erreicht werden.

Finanziert worden ist die neue Informationsplattform zum Thema Open Access in Schleswig-Holstein mit Unterstützung des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur. »Aufgabe des Open-Access-Infopoints ist es, Nachrichten rund um die regionalen Initiativen zur freien Verbreitung sowie zum unbeschränkten Austausch und Gebrauch digitaler wissenschaftlicher Literatur und Materialien zu bündeln und zu teilen«, erklärt Dr. Kai Lohsträter aus dem Redaktionsteam der Plattform. Das Thema sei komplex und für Neulinge oft unübersichtlich. Daher diene der Infopoint der allgemeinen Information, der stärkeren regionalen Vernetzung aller Akteure sowie der komprimierten, verständlichen und praxisnahen Erstberatung.

Wichtig ist dem Team um Kai Lohsträter auch der Mitmachgedanke des neuen Portals. Alle, die sich einbringen wollen, können Beiträge im News-Blog platzieren und beispielsweise ihre Open-Access-Publikationen oder ihr Projekt vorstellen. Vermittelt werden unter anderem Informationen über rechtliche und technische Grundlagen der freien Weitergabe von Wissen, denn der Informationsbedarf in den Instituten und Seminaren ist hoch. Auf Wunsch bietet das Team auch Beratungen in den Einrichtungen der CAU an, um alle Fragen zu diesem Thema zu beantworten. Ganz analog.

Autor: Martin Geist

Zum Open-Access-Infopoint: https://oa-info.sh

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