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Prof. Lutz Kipp bei einer Präsentation
© Kristina Kloodt, Uni Kiel

Uni-Präsident Lutz Kipp glaubt fest an einen Erfolg im Exzellenzwettbewerb.

»Der Funke muss überspringen.«

Am 1. und 2. April prüfen 21 internationale Gutachterinnen und Gutachter die Bewerbung der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel als Exzellenz universität auf Herz und Nieren. 17 Universitäten und zwei Universitätsverbünde sind noch im Rennen um den begehrten Titel. Elf davon erhalten am Ende das Prädikat »exzellent«.

Neben dem Antrag ist der Ortsbesuch zentraler Bestandteil der Gesamtbewertung. An der Förde trifft die Gruppe auf etwa 130 Universitätsmitglieder sowie Fürsprecherinnen und Fürsprecher befreundeter Einrichtungen und Institutionen. Gemeinsam wollen diese die Gutachterinnen und Gutachter aus aller Welt von den Zukunftsideen der CAU überzeugen. Was sich hinter dem Antrag mit dem Titel »Kiel University Interfaces« genau verbirgt und wie die Beteiligten das Gutachtergremium dafür begeistern wollen, erläutert Unipräsident Professor Lutz Kipp im Interview.

Herr Kipp, im April wird es ernst. Dann kommt ein internationales Gremium nach Kiel, um die Bewerbung der CAU für den Titel einer Exzellenzuniversität (ExU) genau unter die Lupe zu nehmen. Sind Sie aufgeregt?

Ja, schon ein bisschen. Es ist ja nicht so, als hätte ich solche Begutachtungen nicht schon häufiger erlebt. Nur stehen wir diesmal als ganze Universität auf dem Prüfstand. Da möchte natürlich niemand patzen.

»Kiel University Interfaces« heißt der Antrag, mit dem sich die CAU um den Titel einer Exzellenzuniversität bewirbt. Können Sie kurz beschreiben, was sich genau dahinter verbirgt?

Kurz gesagt, beschreiben wir, wie eine Universität aufgestellt sein sollte, damit sie regional und global zur Lösung konkreter gesellschaftlicher Fragestellungen beitragen kann. Wir meinen, dass die Wissenschaft im 21. Jahrhundert eine zentrale Triebfeder für die kulturelle, soziale und technologische Entwicklung sein wird. Phänomene wie der Klimawandel, Migration oder Digitalisierung sind sehr komplex. Und sie haben immer eine lokale und eine globale Dimension. In Kiel blicken wir auf eine lange Tradition inter- und transdisziplinärer Zusammenarbeit zurück. Wir verfügen also über die notwendige Expertise und die Erfahrung, um Wissenschaft in engem Austausch mit den Menschen in der Region und unseren internationalen Partnern zu betreiben. Diese Fähigkeit möchten wir jetzt systematisch in Forschung, Lehre und Transfer fördern und stärken.

Bei so viel Zusammenarbeit: Verlieren die Fachwissenschaften da nicht an Bedeutung?

Gerade nicht! Wir brauchen weiter starke Disziplinen. Ohne diese geht transdisziplinäre Forschung gar nicht. Deshalb ist es wichtig, dass wir im Bereich der Drittmittelforschung so erfolgreich bleiben wie bisher. Auch die Grundfinanzierung der Universität muss auskömmlich sein. »Kiel University Interfaces« ist eher wie die Spitze einer Pyramide. Sie ersetzt nichts, sondern baut auf Bestehendem auf und ermöglicht es, die vorhandene Kultur der Zusammenarbeit an der CAU weiterzuentwickeln.

Es geht um bis zu 100 Millionen Euro, verteilt auf sieben Jahre. Was wollen Sie mit dem vielen Geld konkret anfangen?

Dazu müssen wir zuerst einmal unbeschadet die Begutachtung überstehen (lacht). Es nehmen ja über 100 Personen aus der Universität, der Wissenschaft und dem Land an der Prüfung teil. Sie alle müssen für die CAU und für unsere Ideen brennen und den Funken überspringen lassen. Ich bin da sehr zuversichtlich. Unser Antrag ist hervorragend. Wir beschreiben darin Projekte, die die wissenschaftliche Zusammenarbeit und Innovationen fördern, Spitzenforschung in die Lehre tragen und einen besseren Austausch mit der Gesellschaft ermöglichen. Dazu gehört auch, über Fächer, Fakultäten, Einrichtungen und die Verwaltung hinweg eine Kultur des produktiven Miteinanders und gegenseitigen Verständnisses zu entwickeln.

Gibt es diese Projekte schon?

Im Erfolgsfall können sich alle Mitglieder der Universität um Projektförderungen bewerben. Im Antrag haben wir knapp 30 Themenfelder, Instrumente und Strukturen beschrieben und ihnen Ressourcen zugeordnet. Es gibt zum Beispiel Förderlinien für hervorragende Nachwuchskräfte und neue Lehrformate oder einen Impulsfonds für besonders innovative und risikobehaftete Projekte. Außerdem wollen wir Räume schaffen, damit sich unsere Forschenden in einer Art Freisemester intensiv mit Themen wie integrativer Lehre und Transfer beschäftigen können. Studierende sollen stärker und früher in die Gestaltung von Lehre und Forschung eingebunden werden. Das Thema »Job Shadowing«, eine Art Praktikum in wissenschaftlichen Arbeitsgruppen, spielt für Verwaltungsbeschäftigte eine Rolle. Wichtig ist uns bei alledem, dass wir unsere Ideen permanent auf ihre Wirksamkeit hin überprüfen und bei Bedarf an neue Erfordernisse und Bedarfe anpassen.

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Besonders häufig tauchen in dem Antrag die Begriffe »ermöglichen« und »Freiheit« auf.

Das stimmt. In vielen Gesprächen und in der Zukunftswerkstatt, die wir zu dem Antrag veranstaltet haben, wurde uns sehr oft der Wunsch nach mehr Freiheit und größeren Handlungsspielräumen angetragen. Deshalb stehen diese Begriffe im Zentrum unserer Strategie. Die Exzellenzmittel sollen unseren Universitätsmitgliedern neue Möglichkeiten zur freien, kreativen Gestaltung ihrer Arbeit bieten. Das kann in Form von Zeit, Risikokapital oder Personalentwicklung geschehen. Wir haben dazu im Antrag viele Vorschläge gemacht.

Und wer entscheidet am Ende, was umgesetzt wird?

Die Herausforderung wird sein, diese Akzente klug in die strategische Entwicklung der Universität einzubinden. Das geht nur in enger Abstimmung mit den Gremien, Schwerpunkten und Fakultäten. 14 Millionen Euro Exzellenzmittel jährlich müssen mit rund 200 Millionen Euro Grundhaushaltsmitteln und rund 100 Millionen Euro Drittmitteln pro Jahr synchronisiert werden. Diese Aufgabe soll eine Wissenschaftskommission erfüllen, in der nahezu alle Entscheidungen zu den Exzellenzmitteln gemeinsam vorbereitet und getroffen werden. In ihr sind alle wichtigen wissenschaftlichen Statusgruppen mit Stimmrecht vertreten.

Klingt nach einer komplizierten Angelegenheit.

Eine Universität, zumal eine so ambitionierte wie die CAU, ist ein sehr komplexes Gebilde. Das gilt auch für die Willensbildung. Deshalb werden sich die Gutachterinnen und Gutachter sehr genau das Kapitel »Governance« anschauen. Hier müssen wir eine arbeitsfähige und glaubwürdige Struktur aufbieten. Wenn das einfach wäre, hätten wir in Deutschland heute 100 Exzellenzuniversitäten. Ist es aber nicht. Nur wer diese Quadratur des Kreises glaubwürdig darstellen kann, wird am Ende erfolgreich sein. Wenn das eine Uni schafft, dann unsere. Davon bin ich fest überzeugt.

Das Interview führte Dr. Boris Pawlowski
Grafik: © Renate Nikolaus