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Die Mischung macht's

Am besten online. Diese Devise gilt auch in Pandemiezeiten nicht immer. Der Bereich Deutsch als Fremdsprache an der CAU setzt auf eine Mischung aus digitalen und Präsenz-Elementen – aus guten Gründen und mit guten Erfolgen.

Balkendiagramm
Grafik: pur.pur

Wöchentliche Zugriffe auf die Startseite von OpenOLAT seit dem Wintersemester 2019. Der Beginn der Corona-Pandemie ist rot markiert.

Als im März 2020 die erste Corona-Welle über Deutschland schwappte, gingen die Menschen vielerorts mit einer gewissen Gelassenheit an die Sache heran. »Wir dachten, die Geschichte muss man erstmal zwei Wochen online überbrücken, und dann geht es mit dem Präsenzunterricht weiter«, erzählt Dr. Annedore Hänel, die das Team für Deutsch als Fremdsprache (DaF) an der Uni Kiel leitet. Immer mehr stellte sich dann aber heraus, dass es länger dauern würde mit der Pandemie und den damit verbundenen Einschränkungen. Und immer deutlicher traten zugleich die Grenzen digitaler Lehrformate zutage.

»Das hat viel mit der Zielgruppe des Bereichs Deutsch als Fremdsprache zu tun«, erklärt die fachliche Leiterin der Studienvorbereitung, Kati Lüdecke-Röttger. Pro Semester bereiten sich am Bereich DaF, der unter dem Dach des Zentrums für Schlüsselqualifikationen angesiedelt ist, 100 bis 120 Menschen aus mehr als 20 Ländern auf das Studium vor. In jedem Einzelfall wird zunächst ermittelt, wie es um die Sprachkenntnisse bestellt ist. Abhängig vom Ergebnis arbeiten die Teilnehmenden dann meist ein oder zwei Semester auf die sogenannte DSH-Prüfung hin. Die »Deutsche Sprachprüfung für den Hochschulzugang« wird hierzulande von mehr als 100 Universitäten oder vergleichbaren Einrichtungen anerkannt und ist laut Lüdecke-Röttger auch in Kiel das Ticket, um sich für die deutschsprachigen Studiengänge einzuschreiben.

»Mit guten Sprachkenntnissen allein ist es aber oft nicht getan«, ergänzt ihr Kollege Martin Lange. Die angehenden Studierenden stammen aus dem Iran, aus Jordanien, Korea, Russland und vielen anderen Ländern, in denen der Ablauf eines Studiums oftmals »ganz fest vorgegeben« ist, weiß Lange. Zu verstehen, wie das hiesige Hochschulwesen tickt, ein Gespür für die Umgangsformen unter den Studierenden selbst, aber auch zwischen Studierenden und Lehrenden zu entwickeln, das gehört ebenso zur Studienvorbereitung wie das Einüben des in Deutschland geforderten eigenverantwortlichen Lernens. »Gerade für die kommunikativen Feinheiten braucht es eine lebhafte und spontane Interaktion«, betont Kati Lüdecke-Röttger und verweist darauf, dass nach den bisherigen Erfahrungen die digitalen Kanäle in dieser Hinsicht Schwächen aufweisen: »Es geht häufig langsamer und schwerfälliger voran.«

Auf Grundlage solcher Erfahrungen und immer wieder vorgenommener Nachjustierungen haben die Verantwortlichen inzwischen ein hybrides Lehrkonzept entwickelt, um das Beste aus verschiedenen Welten unter einen Hut zu bringen. Geht es hauptsächlich um Interaktion und die weichen Faktoren des Hochschulstandorts Kiel, setzt der Bereich DaF auf Präsenz. Und das selbstverständlich immer unter Einhaltung der jeweils geltenden Corona-Auflagen, wie die fachliche Leiterin betont. Soll dagegen in erster Linie Lernstoff vermittelt werden, stellen oder setzen sich die Lehrkräfte meist in ihren Büros vor eine Videokamera. Um Wissen zu vertiefen, für Grammatikübungen und vieles mehr eignet sich derweil am besten die an der Uni Kiel eingesetzte Lehr- und Lernplattform OpenOLAT, ein digitaler Werkzeugkasten mit Lehrvideos, interaktiven Übungen und vielem mehr.

»Dieses Konzept haben wir systematisch immer weiter ausgebaut«, erläutert Kati Lüdecke-Röttger und hebt genauso wie die anderen Angehörigen ihres Teams hervor, dass der Formate-Mix des Bereichs Deutsch als Fremdsprache auch unter anderen Aspekten Vorzüge aufweist. Immer wieder kommt es zum Beispiel auch ganz ohne Corona vor, dass angehende Studierende etwa wegen langwieriger Visa-Verfahren erst verspätet einreisen können. Sie können trotzdem erst einmal von ihren jeweiligen Heimatländern aus mittendrin sein, weil Lehrveranstaltungen teils im Livestream übertragen werden. »Manchmal geht der Unterricht über drei Zeitzonen«, erzählt Martin Lange und berichtet, dass das selbst unter kühn anmutenden Umständen funktionieren kann. Eine junge Frau schaltete sich immer mal wieder zu, während sie in Ghana im Bus saß – und glänzte nach dem Wechsel ins Präsenzformat nahtlos mit besten Lernerfolgen.

Autor: Martin Geist

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