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Gender-Forschung als Kartenspiel

An der Uni Kiel ist das erste und bisher einzige Kartenspiel zu Gender und Queer Studies erschienen.

Zwei Personen beim Kartenspiel
© Claudia Eulitz, Uni Kiel

Ähnlich wie beim Spiel Tabu müssen die Spie­ler_innen die Autor_innen von Zitaten erraten, ohne dabei die auf der Karte genannten zentralen Begriffe zur Person zu verraten.

Auf 39 Wissenskarten die Standardwerke aus der Gender- und Queer-Forschung kennenlernen: Das können Lehrende, studentische Einsteiger_innen und Fortgeschrittene mithilfe eines neu erschienenen Kartenspiels. Die Karten selbst enthalten Stichworte zu relevanten Fachtexten. Darunter sind zum Bei­spiel Werke von Simone de Beauvoir oder Judith Butler. Weiterführende Informationen finden Interessierte in einem Begleitbuch, in dem die Bedeutung der Autor_innen für die Gender- und Queer-Forschung und für die weitere Rezeption der Werke inklusive Lektüreempfehlungen erklärt werden.

Die Herausgeber_innen des Spiels sind die Sozio­logie­professorin Uta Klein, die auch die Arbeitsstelle Gender & Diversity Studies an der Uni Kiel leitet, und Eddi Steinfeldt-Mehrtens, seit 1. Dezember beauftragte Person für Diversität an der CAU. »Unsere Motivation war es, mal eine andere didaktische Form der Wissensaneignung und des Transferwissens zu entwickeln«, sagen Klein und Steinfeld-Mehrtens. Die Karten können nicht nur in Veranstaltungen mit thematischem Bezug eingesetzt werden. Sie bieten sich auch für das Selbstlernen außerhalb des Seminars an. Das dem Tabu-Spiel nachempfundene Kartenspiel erlaubt durch die farbliche Gestaltung auch die ausschließliche Bearbeitung der Gender oder aber der Queer Studies.

Beispiele aus dem Kartenspiel
© pur.pur

Beispiele aus dem Kartenspiel

Um nicht an den Bedürfnissen der Studierenden vorbeizuarbeiten, wurde – unterstützt durch einen finan­ziellen Anschub von Seiten der Gleichstel­lungs­beauftragten der Philosophischen Fakultät der CAU – eine interdisziplinäre Lerngruppe mit Studierenden aufgebaut. Darin wurden sämtliche Texte diskutiert und zusammengefasst. Die gemeinsame Arbeit dauerte gut zwei Jahre. Zunächst mussten Texte gelistet und dann Kriterien erstellt werden, welche davon auszuwählen waren.
»Es geht um Werke, die für die Entwicklung der Geschlech;ter­forschung von Bedeutung sind, indem sie Themen, Perspektiven und das Selbstverständnis der Geschlec­hter­forschung begründet, beeinflusst und vorangetrieben haben«, so Eddi Steinfeldt-Mehrtens. »Unsere Auswahlkriterien waren Origina­lität, Relevanz des Themas, Erkenntnisfortschritt, wissenschaftliche und/oder politische Wirksamkeit und Einflussnahme«, ergänzt Uta Klein.

Eine Besonderheit sind Karten und Kurzdar­stel­lungen zu sogenannten »verlorenen Schätzen«. »Das sind Werke, die in der Lehre gar nicht oder selten bearbeitet werden, aber für grundlegende Fragestellungen wegweisend sind«, so die Heraus­geber_innen. Dazu gehören ein Text aus dem Jahr 1622 von Marie le Jars de Gournay und auch die »Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin« von Olympe de Gouges von 1791. Insgesamt liege zwar ein Schwerpunkt auf sozialwissenschaftlichen Werken, da ein Großteil von diesen auch die Theoriegrundlage für Geistes- und Kulturwissenschaften darstellt, so Klein und Steinfeldt-Mehrtens weiter. Sie haben aber auch Werke aus der Philosophie, den Literaturwissenschaften, der Rechtswissenschaft und der Biologie einbezogen. 

Und nun heißt es spielen: Wer spricht von »doppelter Vergesellschaftung«, wer von »Gender als diskursivem Effekt«, wer von »hegemonialer Männlichkeit«? Auf welchen Text geht der Gender Gap zurück? Wer betrachtet Gender aus einer intersektionalen Perspektive? »Wir sind überzeugt, dass das Konzept des spielerischen Ansatzes einen ganz neuen Zugang zu Gender und Queer Studies ermöglicht«, betonen die Herausgeber_innen.

Autorin: Claudia Eulitz

 

Wegbereiter_innen der Gender und Queer Studies. Kartenspiel mit Begleitheft. Verlag Barbara Budrich 2018. 170 Seiten plus 39 Karten. ISBN 978-3-8474-2200-6