unizeit Schriftzug

Mit Licht-Geschwindigkeit zum Tor

Reaktionsgeschwindigkeit und bessere Ergebnisse beim Torwurf: Um Handballnachwuchs noch effektiver zu trainieren, haben Studierende der angewandten Sportwissenschaften und der Technischen Fakultät in Kooperation mit dem Handballverein THW Kiel ein neues Übungsgerät entwickelt – die Handballsäule.

Handballspieler wirft auf Tor
© pur.pur

Neue Technik auf dem Handballfeld: Die Handballsäule gibt mittels aufblitzenden Lichtern und Pfeilen die Richtung vor, in der Handballer die Dummys umspielen und den Ball ins Tor werfen sollen. Mit der Säule will Klaus-Dieter Petersen (links im Bild), ehemaliger THW-Handballer und Trainer der Nachwuchsmannschaften, die Reaktionen der jungen Spielerinnen und Spieler effektiver trainieren.

Schwarz ist sie, knapp 1,80 Meter groß und voller Technik: Auf den Spielfeldern der Nachwuchsmannschaften des THW Kiel in Altenholz sowie im Sportforum der Uni Kiel wird die neue Handballsäule derzeit getestet. Das Gerät besteht aus verschiedenen einzelnen Elementen mit farbig blinkenden Lichtern und Richtungspfeilen. Die sollen den Spielerinnen und Spielern kurz vorm Tor anzeigen, welche Aktionen sie ausführen und in welche Ecke sie den Ball werfen sollen. Gesteuert wird das Ganze per App und Lichtschranke.

»Wir haben uns ein Gerät gewünscht, mit dem wir mit Kindern und Jugendlichen die verschiedenen Techniken des Torwurfs, von einfachen Bewegungen bis zu komplexen Bewegungsabläufen, noch besser trainieren können«, sagt Klaus-Dieter »Pitti« Petersen, ehemaliger THW-Bundesligaspieler und Trainer der Nachwuchsmannschaften in Altenholz. Die Lichtimpulse sollen die Reaktionszeiten verbessern und zugleich die Geduld bei Entscheidungen trainieren. »Die Sportlerinnen und Sportler sollen lernen, erst im Absprung zu entscheiden, in welche Ecke der Torwurf erfolgt.« All das soll helfen, Spiele zu gewinnen. Natürlich könnte Petersen das Ganze auch analog ins Programm einbauen und einfach Din-A4-Karten hochhalten, sagt er und schmunzelt. »Für uns hat die digitale Technik jedoch den Vorteil, dass sie zum einen für Kinder und Jugendliche cool wirkt, zum anderen Reaktionszeiten pro Spieler misst und speichert. Das hilft bei der Auswertung.«

Mit digitaler Technik kennen sich die Fachleute der Technischen Fakultät der Universität Kiel bestens aus. Daher führte der erste Weg des Handballprofis zu Professor Gerhard Schmidt, zuständig für Digitale Signalverarbeitung und Systemtheorie am Institut für Elektrotechnik und Informationstechnik in Kiel-Gaarden. Weil es mit dem Bauen der Handballsäule alleine nicht getan ist, sondern auch die Anwendung im Spielbetrieb sowie die Auswertung der Daten wichtig sind, holte dieser Dr. Stefan Kratzenstein, den Leiter des Bewegungslabors am Institut für Sportwissenschaft der Kieler Universität, mit ins Boot. »Gemeinsam haben wir vor gut einem Jahr die Idee der Handballsäule entwickelt«, erklärt Schmidt, der den Bau in seinem Fachbereich als Bachelorarbeit ausgeschrieben hatte.

Die Sportlerinnen und Sportler sollen lernen, erst im Absprung zu entscheiden, in welche Ecke der Torwurf erfolgt.

Klaus-Dieter »Pitti« Petersen

»Es hat mich gereizt, etwas Praktisches zu machen, das am Ende einen realen Nutzen hat«, erzählt Shayan Ahmed, der mit fachlicher Unterstützung durch seinen Mentor Marco Gimm die Säule entworfen und realisiert hat. Drei Monate habe es gedauert, die einzelnen Elemente mittels 3-D-Drucker herzustellen, die LEDs und die Technik einzubauen, den Computerchip mit der Software zu bestücken und die App zu programmieren. »Alles in enger Absprache mit dem THW, weil der Verein die Säule ja irgendwann einsetzen will«, so Ahmed.

Auch in der Sportwissenschaft laufen Bachelorarbeiten rund um die Handballsäule. Niko Cieminski hat sich um die Anwendung gekümmert. »Ich habe eine Trainingssystematik entwickelt, die beschreibt, bei welchen Farben welche Aktion ausgeführt werden soll«, erklärt der Sportstudent, der selbst Handball spielt und vom Nutzen der Säule überzeugt ist. »Ich glaube schon, dass damit Schnelligkeit in puncto Entscheidungen sowie die Reaktionszeit der Handballerinnen und Handballer verbessert werden kann.« Ob dem tatsächlich so ist, sollen weitere Studien nun belegen. Die ersten Tests im Handballtraining hat es unter der Regie von »Pitti« Petersen bereits gegeben: »Die Säule funktioniert schon ganz gut«, freut sich der Handballer nun über weitere Testergebnisse und Auswertungen seitens der Sportwissenschaft, um das Gerät irgendwann regulär einsetzen zu können – »vielleicht auch in abgewandelter Form schon bei den ganz Kleinen«, überlegt er. Das klingt, als sei die gute Zusammenarbeit zwischen den Fakultäten und dem THW noch lange nicht beendet. 

Autorin: Jennifer Ruske

unizeit-Suche:

In den unizeit-Ausgaben 27-93 suchen