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So fern und doch so nah

Partnerschaftsvertrag des Instituts für Pädagogik mit der Kangnam-Universität in Südkorea

Straße mit blühenden Kirschbäumen
© Revi

Am Campus der Kangnam University in Yongin, Südkorea, findet jedes Jahr ein koreanisch-deutscher Austausch über Forschungsmethoden statt.

Tagtäglich muss man sich entscheiden, im Kleinen genauso wie im Großen – das gilt für Menschen in Deutschland ebenso wie für jene in Südkorea. Entscheidungen treffen zu müssen und zu können, ist zentral für menschliches Leben. Aber wie und warum entscheidet sich jemand, und welcher Lebensweg resultiert daraus? Welche früheren Bildungsprozesse stellen dem Subjekt in solchen biographischen Übergängen hilfreiche Ressourcen zur Verfügung? Welche Bildungsprozesse vollziehen sich in diesen Übergängen? Und wie können sie durch Pädagoginnen und Pädagogen befördert werden? Die Abteilung Allgemeine Pädagogik des Instituts für Pädagogik wendet zusammen mit der Kangnam-University im südkoreanischen Yong-in biographieanalytische Forschungsmethoden an, die auf solche Fragen aus den Forschungsfeldern der Pädagogik, der Sozialen Arbeit und der Soziologie Antworten liefern können.

Bereits seit fünf Jahren ist das Institut für Pädagogik, vertreten durch Professorin Nicole Welter, partnerschaftlich mit dem »Institute for Human Development« um Professorin Hyo-Seon Lee verbunden. Jedes Jahr im Sommer findet in Kiel ein koreanisch-deutscher Methodenworkshop statt, bei dem Studierende sowie Doktorandinnen und Doktoranden beider Länder mit sozialwissenschaftlichen, sogenannten fallrekonstruktiven Methoden forschen, insbesondere mit der Objektiven Hermeneutik. »Das ist eine Methode, um die bewusste, wie auch die unbewusste Sinn-Motiviertheit des Handelns von Menschen zu rekonstruieren: Warum entscheidet sich jemand zu einem bestimmten Zeitpunkt seines Lebens für diese Option und nicht für eine andere?«, erklärt Dr. Manuel Franzmann vom Institut für Pädagogik an der CAU.

Im Herbst findet der Gegenbesuch statt, der dann im erweiterten Rahmen eines bundesweiten DAAD-Austauschprogramms unter der Leitung des Mainzer Erziehungswissenschaftlers Professor Detlef Garz erfolgt. An ihm nehmen neben Franzmann auch Dozentinnen und Dozenten anderer deutscher Universitäten teil, um in Südkorea an verschiedenen Universitäten Methodenworkshops durchzuführen.

Im Jahr 2019 kam für Franzmann ein weiterer Forschungsaustausch zum Thema bedingungsloses Grundeinkommen hinzu. Er hat Kontakt zum Gyeonggi Research Institute (GRI) geknüpft, dem Forschungsinstitut der Regionalregierung Gyeonggi-do um Seoul. Im Herbst hat er dann mit dem GRI das erste deutsch-südkoreanische Symposium zum Reformvorschlag eines bedingungslosen Grundeinkommens durchgeführt. Hier wurde auch der Einsatz biographieanalytischer Methoden bei der Erforschung der Wirkungen eines solchen Grundeinkommens besprochen. Während in Deutschland über das bedingungslose Grundeinkommen noch diskutiert wird, hat die Diskussion in Südkorea schon zu einer ersten Umsetzung geführt: Seit April 2019 wird dort ein »Youth Basic Income« bedingungslos an Erwachsene ab dem 24. Geburtstag für ein Jahr ausgezahlt, um den jungen Koreanerinnen und Koreanern nach ihrer Ausbildung den Übergang ins Berufsleben zu erleichtern. Über hunderttausend Berufsstarterinnen und Berufsstarter leben in der Provinz Gyeonggi-do und profitieren davon in Form einer digitalen Regionalwährung, die durch Bezahlung per Smartphone-App wiederum dem Mittelstand der Region zugutekommt. Das GRI begleitet das Pilotprojekt wissenschaftlich. Franzmann befasst sich seit gut zwanzig Jahren mit der Idee des Grundeinkommens, auch aus pädagogischer Perspektive.

»Die Partnerschaft unseres Instituts mit der Kangnam-Universität und auch meine Kooperation mit dem Gyeonggi Forschungsinstitut sollen fortgesetzt werden«, freut sich Franzmann. Für die Zukunft plant er mehrere Forschungsprojekte. Darunter sind auch solche, die die Pilotprojekte zum bedingungslosen Grundeinkommen erstmals auch biographieanalytisch wissenschaftlich begleiten.

Autorin: Karena Hoffmann-Wülfing

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