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Zur Sprache kommen

Linguistik analysiert Sprachen wissenschaftlich, zum Beispiel deren Grammatik, Geschichte oder Verwendung. Toke Hoffmeister interessiert, welches Bild die Menschen von Sprache haben, die sich nicht wissenschaftlich mit ihr beschäftigen. Diese »Laienlinguistik« rückt er in den Mittelpunkt seiner Dissertation.

Portrait Toke Hoffmeister
© Jürgen Haacks, CAU

Toke Hoffmeister

unizeit: Sie fragen willkürlich ausgewählte Menschen, was ihnen zur deutschen Sprache einfällt. Was interessiert Sie an der Meinung von Laien?

Durch die Interviews, die ich führe, kann ich beschreiben, welches Konzept von Sprache in der Öffentlichkeit vorhanden ist. Dabei interessiert mich vor allem, was Personen ohne linguistische Vorbildung über Sprache denken. Denn Menschen, die Sprache zwar täglich nutzen, sich aber nicht aktiv mit ihr auseinandersetzen, analysieren unbewusst das, was ihnen gefällt oder missfällt. Wir alle tun das jeden Tag. Da können sich dann auch Linguisten und Linguistinnen wie Laien verhalten. Entscheidend ist, sowohl junge als auch alte Menschen aus allen sozialen Milieus zu befragen. Denn um Sprachwissen zu rekonstruieren, ist es wichtig, die Phänomene möglichst umfassend zu erfassen.

Was fällt Laien auf, wenn sie über Sprache nachdenken?

Häufig fällt Leuten das auf, was von dem eigenen Sprachgebrauch abweicht. Ein Beispiel: Eine ältere Dame hört einen Jugendlichen sagen »Alter, ich schwör«, bewertet das zum Beispiel negativ und fragt sich anschließend »Warum redet der so und nicht ‚vernünftig‘? Und was meint er damit?«. Ein anderes Beispiel sind Vorbehalte, etwa wenn Norddeutsche den sächsischen Dialekt negativ bewerten, allerdings nicht genau erklären können, warum das so ist. Unbewusstes Wissen sichtbar machen – für mich steckt in der Laienlinguistik viel Potenzial.

Spielen Dialekte dabei eine zentrale Rolle?

Ja und nein. Wenn Menschen über Sprachgebrauch nachdenken – ob bewusst oder nicht – dann hat das nicht automatisch etwas mit Dialekt zu tun. Sie machen sich vor allem über ihre Alltagssprache Gedanken. Viele von uns sprechen Hochdeutsch. Natürlich sind je nach Region auch dialektale Einflüsse erkennbar, die ins Gewicht fallen können. Meistens spielt aber die Sprache eine Rolle, mit der man unmittelbar Kontakt hat.

Das Interview führte Farah Claußen

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