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Meereswissen für alle Masterstudierenden

In Kiel gab es das noch nie – und auch in der deutschen Hochschullandschaft stellt es eine Besonderheit dar: Mit ihrer neuen interdisciplinary Master School of Marine Sciences (iMSMS) schafft die Christian-Albrechts-Universität erstmals ein Bildungsangebot, in das sich alle acht Fakultäten einbringen.

Zwei Personen in Neopren-Anzügen am Strand
© GEOMAR/Markus Lenz

Sichten und Sammeln am Strand ist nur eine Facette der Meereswissenschaften.

Ihre Ursprünge hat die Bildungsinitiative im Forschungsverbund Future Ocean, der zwar nicht mehr innerhalb der Exzellenzstrategie von Bund und Ländern gefördert wird, aber dennoch in vielerlei Hinsicht weiter wirkt. Nicht zuletzt durch die neue interdisziplinäre Schule der Meereswissenschaften, die einen offiziellen Status erlangt hat, seit der Senat der Uni Kiel im Dezember vergangenen Jahres die Satzung dafür verabschiedet hat. Möglich gemacht hatte dies die Unterstützung durch den Forschungsschwerpunkt Kiel Marine Science (KSM) der CAU, der in der Nachfolge des Exzellenzclusters Future Ocean Initiativen wie diese weiterführt.

Der Ozean ist im Grunde dafür geschaffen, sich über alle Grenzen der Disziplinen hinweg mit ihm auseinanderzusetzen. Dies zeigt sich auch an dem im Wintersemester 2020/21 angebotenen Seminar zu Lebensmitteln und Biowirkstoffen aus dem Meer. Wem gehören sie eigentlich? Was steckt im Detail darin? Drohen durch Abbau und Nutzung Schäden für die Umwelt oder das Ökosystem? Und rechnet sich eine Nutzung überhaupt? Schon diese wenige Fragen machen deutlich, dass zu dem Thema von der Meeresbiologie über die Rechtswissenschaft bis zur Lebensmittelchemie und Betriebswirtschaft eine Fülle von Fachrichtungen etwas zu sagen haben. Und genau um solche Vielfalt geht es, betont Professor Frank Kempken, der als Leiter der Ocean-Education-Initiative maßgeblich an Konzeption und Gründung dieser marinen Masterschule beteiligt war.

Heraus kommt bei diesem so umfassend interdisziplinären Ansatz im Idealfall etwas, das mehr ist als die Summe des Wissens Einzelner. »Ein Ethiker arbeitet anders als eine Naturwissenschaftlerin«, erläutert Koordinatorin Dr. Franziska Werner, aus deren Sicht es dann richtig rund wird, wenn beide Seiten die jeweils andere Perspektive in ihr Denken und Tun einfließen lassen. »Für eine lösungsorientierte Forschung an komplexen marinen Zukunftsfragen braucht es wissenschaftlichen Nachwuchs mit exzellenter Fachkenntnis und der Fertigkeit, über den eigenen fachlichen Horizont hinaus zu kommunizieren und zu kollaborieren«, erklärt sie den Sinn und Zweck des interdisziplinären Bildungsangebotes.

Möglich sind solche Grenzüberschreitungen in fast unbeschränktem Ausmaß. Schon vor dem offiziellen Start der iMSMS wurde in Zusammenarbeit mit den Fakultäten ein Katalog mit geöffneten Wahlmodulen entwickelt, in dem auch dieses meereswissenschaftlich ausgerichtete Modul für interessierte Studierende aller Fächer zugänglich gemacht wird. Derzeit gibt es bereits knapp 50 Modulangebote bei weiter steigender Tendenz. Neu hinzugekommen sind beispielsweise kurz vor Redaktionsschluss dieser unizeit-Ausgabe zwei geöffnete Lehrveranstaltungen aus den Bereichen Schiffsarchäologie und Meeresökonomie.

Prinzipiell wendet sich die Einrichtung dabei unabhängig vom jeweiligen Fach an alle Master-Studierenden, die sich mit aktuellem Meereswissen und marinen Zukunftsfragen aus unterschiedlichen Blickwinkeln befassen wollen. Egal ob jemand Philosophie, Materialwissenschaft oder Ozeanographie studiert, innerhalb der Wahlmodule besteht ein schon heute umfassendes Angebot, das gleichwohl noch »reichlich Wachstumspotenzial« birgt, wie es Professor Kempken betont, der auch Dekan der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät ist. Heraus kommen auf diese Weise jede Menge verschiedene Abschlüsse, immer ist in ihnen aber ein Stück Kompetenz in fächerübergreifendem Meereswissen enthalten. Dokumentiert werden kann diese Besonderheit derzeit mit Bescheinigungen, nachgedacht wird aber schon über die Einführung eines formellen Zertifikats. »Bis jetzt funktioniert das wunderbar«, freut sich Koordinatorin Werner, die in der Geschäftsstelle von KMS Programme für Masterstudierende organisiert, über das durchweg positive Feedback der Studierenden – und auch über den Elan der Lehrenden. Die nämlich legen sich nach dem Eindruck der Meereswissenschaftlerin mächtig ins Zeug, um neue Formate zu entwickeln oder vorhandene an die Erfordernisse einer solchen multidisziplinären Schule anzupassen.

Profitieren wird von dieser Masterschool, an der neben den acht universitären Fakultäten auch Partnerinstitutionen wie das GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel beteiligt sind, auf lange Sicht der Wissenschaftsstandort Kiel insgesamt.

www.msms.uni-kiel.de

Autor: Martin Geist

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