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Schreiben heißt Forschen

»Wissenschaftlich schreiben ist ein komplexer Vorgang«, sagt Julia Müller. »Entwerfen, verwerfen, überarbeiten – das gehört dazu.« Die Schreibberaterin hilft dabei, Studienarbeiten zu Ende zu bringen.

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»In meine Beratung kommen alle, die über ihr Schreibprojekt sprechen möchten«, berichtet Julia Müller. »Von der ersten Hausarbeit bis zur Dissertation ist alles dabei.« Dabei geht es nicht um den Inhalt der Texte. Im Mittelpunkt steht das Schreiben als Prozess – vom Anfangen bis zur pünktlichen Abgabe. Angesiedelt bei PerLe, dem Projekt für erfolgreiches Lehren und Lernen an der Kieler Uni, bietet Julia Müller seit Sommer 2017 Workshops, Tutorien sowie eine offene Sprechstunde an. Alle Angebote sind für Studierende kostenlos. »Wir wollen damit eine Lücke füllen, schließlich ist das wissenschaftliche Schreiben die größte Herausforderung in den Geisteswissenschaften.« Erst mit der Einrichtung der Schreibwerkstatt gibt es nun an der CAU eine Schreibberatung für alle Fächer, wie sie an vielen Universitäten etabliert ist.

Doktorandin Irina (Name geändert) hat einen Beratungstermin mit Julia Müller vereinbart. Für ihre Doktorarbeit hat sie bereits viel recherchiert, doch es fällt ihr schwer, die Ergebnisse in Worte zu fassen. Julia Müller bittet sie, zu einem Abschnitt der Gliederung einfach draufloszuschreiben – zehn Minuten lang. »Das war anstrengend, aber sehr intensiv«, sagt Irina, nachdem sie mehrere Seiten mit der Hand gefüllt hat. »Tatsächlich ist mir dabei klar geworden, worum es in diesem Kapitel gehen soll.«

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Julia Müller empfiehlt, täglich solche Übungen zu absolvieren, um ins Thema zu kommen. »Ein Trick ist zum Beispiel, die Schriftfarbe auf Weiß zu stellen, damit man das Geschriebene nicht lesen kann«, verrät sie. »Erst später stellt man auf Schwarz um und nimmt sich Zeit zum Lektorieren.« Dazu gehört für Julia Müller nicht nur das Korrigieren von Tippfehlern. »Wissenschaftliches Schreiben bedeutet ja, Thesen aufzustellen und zu prüfen, ergebnisoffen zu denken«, erklärt sie. »Das geschieht nicht linear, es ist normal, dass man streicht und überarbeitet.« Den Lehrenden sei manchmal gar nicht klar, wie schwierig dieser Prozess für Neulinge ist. »Da hilft es, sich über das Schreiben auszutauschen.«

Zu Julia Müller kommen Studierende aus allen Fakultäten und allen Semestern. »In der ersten Hausarbeit muss man zunächst einmal lernen, eine wissenschaftliche Position zu verstehen und darzustellen«, erklärt sie. Je weiter man im Studium voranschreite, desto größer werde der eigene Forschungsanteil. »Dann muss ich häufig nachfragen, um die Aussagen zu verstehen. Viele sind so in ihrem Thema drin, dass sie vergessen, was ein Außenstehender wissen muss.« Je umfangreicher die Arbeit, desto komplexer werde auch das Schreiben. »Forschen und Schreiben sind dann eng miteinander verwoben«, sagt Müller. »Eine Doktorarbeit mit 300 Seiten ist nie richtig abgeschlossen.« Wie man dann am Ende trotzdem einen Schlusspunkt setzt – auch das erfährt man in der Schreibberatung. 

Autorin: Eva-Maria Karpf

Schreibwerkstatt, offene Sprechstunde:
donnerstags 14 bis 16 Uhr, Universitätsbibliothek, Leibnizstraße 9, Raum E.41.

Informationen und Anmeldung:
► www.perle.uni-kiel.de
E-Mail schreiben:perle@uv.uni-kiel.de