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Laufbelastung und Schuhverschleiß

Sollten Laufschuhe wirklich nach 500 Kilometern ausgetauscht werden, wie einige Herstellerfirmen empfehlen? Diese Frage beschäftigt Studierende des Instituts für Sportwissenschaft. Sie untersuchen, wie sich der Schuhverschleiß auf die Biomechanik des Laufens auswirkt.

Mensch läuft auf Laufband
© Jennifer Ruske

Testmessung auf dem Laufband: Sportstudent Simon Bäcker demonstriert das Messverfahren. Seine Beine sind mit verschiedenen Sensoren bestückt, selbst im Schuh befindet sich eine druckempfindliche Einlegesohle, die Daten an die Computer überträgt.

Im CAU Motion Lab, dem Bewegungslabor der Kieler Universität, joggt Simon Bäcker über das Laufband. Seine Beine sind mit verschiedenen Sensoren und Hautmarkern bestückt, die unter anderem die Aktivität der Muskeln messen. Selbst im Schuh befinden sich druckempfindliche Einlegesohlen und übertragen Daten an die Computer. 17 Spezialkameras zeichnen jeden seiner Schritte auf. Der Student testet die Sensoren, mit denen ein Team aus sieben Studierenden unter Leitung des Bewegungswissenschaftlers Dr. Stefan Kratzenstein zahlreiche Messdaten für die Studie »Schuhverschleiß« erlangen wollen. Die Daten liefern neun versierte Hobby-Sportlerinnen und -Sportler im Alter von 20 bis 50 Jahren, mit unterschiedlicher Statur und Gewicht, die alle für das Projekt innerhalb von drei Monaten 500 Kilometer zurücklegen.

»Zum Start der Studie haben wir die Testpersonen mit nagelneuen Schuhen ausgestattet und auf das Laufband geschickt, um Ausgangswerte zu ermitteln«, erklärt Julia Habenicht, die die Daten im Rahmen ihrer Masterarbeit analysiert. Alle 100 Kilometer werden die Sportlerinnen und Sportler im Bewegungslabor erneut beim Laufen untersucht, um die Auswirkungen der immer stärkeren Abnutzung der Schuhe auf die Gelenke und die Muskelaktivitäten zu dokumentieren. Insgesamt sechs Mal werden die Winkelstellungen der Sprunggelenke, der Knie und in der Hüfte gemessen, wird die Druckbelastung im Schuh ermittelt und die Muskelaktivität begutachtet.

»Die Überlegung ist, dass man beim Laufen in ausgelatschten Schuhen mehr Muskeln aktivieren muss, um das Bein beziehungsweise den Fuß stabil zu halten«, erklärt Bachelorstudent Janne Gleeson. Er vermutet auch, dass sich im Laufe der Zeit die Dämpfung des Schuhs beim Bodenkontakt verändert, wenn das Obermaterial des genutzten Schuhs weicher ist als beim neuen. »Uns interessiert dabei zum einen, ob es nach 500 Kilometern bereits zu biomechanischen Veränderungen kommt, und natürlich auch, wie groß die Unterschiede sein müssen, damit sie tatsächlich messbar sind«, erklärt Kratzenstein.

Dass sich tägliches Laufen auf die Fußbekleidung auswirkt, zeigt sich bei den Tests. »Nach gut 100 Kilometern war der Schuh für die Mehrheit der Testpersonen gut eingelaufen«, erklärt Sportwissenschaftsstudent Patrick Nehr. »Nach 200 Kilometern waren die Sohlen bereits stellenweise sichtbar abgelaufen.« Ob dies auch in den Messdaten sichtbar wird, wird für jede Läuferin und jeden Läufer einzelnen ausgewertet. Am Ende sollen die Ergebnisse aller neun Teilnehmenden miteinander verglichen werden.

»Aufgrund der überschaubaren Zahl der Testpersonen können wir keine repräsentativen Aussagen treffen«, sagt Kratzenstein und ergänzt: »Sicherlich spielen auch Geschlecht, Gewicht und der Untergrund, auf dem gelaufen wurde, eine Rolle beim Schuhverschließ, genauso wie der Schuhtyp.« Dennoch liefere die Studie erste wichtige Erkenntnisse: »Es zeichnet sich ab, dass sich keine für alle Sporttreibenden allgemeingültigen Aussagen über die Anzahl von gelaufenen Kilometern, den Schuhverschleiß und die Auswirkungen auf die Gesundheit treffen lassen. Es scheint individuell verschieden zu sein, wie lange die Schuhe halten«, so Kratzenstein. Das Ergebnis dürfte für Läuferinnen und Läufer genauso interessant sein wie für Sportfachgeschäfte.

Autorin: Jennifer Ruske

Studienergebnisse unter www.kielmotionlab.com/schuhverschleiss

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