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Europäischer Hochschulcampus

Die Europäische Kommission fördert 17 EU-weite Universitätsallianzen als Europäische Hochschulen. Die Uni Kiel ist mit von der Partie als einer von sechs Standorten der »Europäischen Universität der Meere«. Sie bietet innovative Lehrangebote und integrierte Mobilität.

Im Watt knieende Person
© Dr. Klaus Heinrich Vanselow

Lehre und Forschung zur Meeresumwelt und zum Schutz der Meere sind zentrale Anliegen der Europäischen Hochschule SEA-EU.

Die Vision der Europäischen Hochschule, die grenzüberschreitendes Studieren in Europa möglich machen soll, nimmt konkrete Formen an. Als Partner von »SEA-EU – Die Europäische Universität der Meere« hat die Universität Kiel die Chance, diese Entwicklung von Anfang an mitzugestalten. »Das ist ein sehr prestigereiches Projekt, weil es die Zukunft der Lehre darstellen soll«, betont Dr. Nina Keul vom Institut für Geowissenschaften, die SEA-EU für Kiel maßgeblich konzipiert hat. »Für unsere Universität ist das eine tolle Gelegenheit digitale Lehrformate zu etablieren und uns international mit unseren Partneruniversitäten stärker zu vernetzen.«

Die Europäische Universität der Meere ist eine Allianz der Universitäten Westbretagne (Brest, Frankreich), Danzig (Polen), Split (Kroatien), Malta und Kiel unter Leitung der Universität Cádiz (Spanien). Sie wird in den kommenden drei Jahren mit fünf Millionen Euro gefördert und verbindet sechs Universitäten in Seestädten mit einer langen, historisch gewachsenen, kulturellen und wirtschaftlichen Tradition rund um das Meer. Die SEA-EU-Partner repräsentieren alle europäischen Meere. Inhaltlich ist die Wissensvermittlung über Meeresumwelt, Meeresressourcen und den nachhaltigen Schutz und die Nutzung der Meere ein zentrales Anliegen des Konsortiums. Es ist geplant, meereswissenschaftliche Studiengänge und Kurse an allen Fakultäten sowie an allen sechs Standorten so anzugleichen, dass für Studierende wissenschaftliche Mobilität ohne Einschränkung möglich wird. Darüber hinaus werden virtuelle Kursangebote entwickelt und der Austausch von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der beteiligten Einrichtungen gefördert.

»Wir wollen Kurse und Praktika an allen Partneruniversitäten so harmonisieren, dass Studienleistungen an der jeweiligen Heimatuniversität erbracht und entsprechend anerkannt werden können. Gleichzeitig soll es Studierenden erleichtert werden, auch an einer der Partner-Universitäten Kurse zu besuchen«, erklärt Keul, die sich im meereswissenschaftlichen Forschungsschwerpunkt Kiel Marine Science (KMS) engagiert. Diese Möglichkeit zum Austausch an eine der Partneruniversitäten wird es erst ab dem Wintersemester 2020 geben. Bereits vorher soll mittels moderner Kommunikationstechnik zumindest virtuell der Besuch auswärtiger Lehrveranstaltungen ermöglicht werden. Keul: »Zurzeit beschaffen wir das Equipment für virtuelle Kursangebote, so dass Studierende verschiedener Universitäten eine Vorlesung von uns ‚besuchen‘ können.« In Zukunft soll es außerdem die Möglichkeit geben, dass sich Gruppen von mehreren Universitäten online treffen, also nicht nur die gleiche Vorlesung hören, sondern sich auch in Seminaren online austauschen und gemeinsam arbeiten. »Für das gemeinsame Arbeiten an unterschiedlichen Standorten gibt es mittlerweile effektive digitale Tools. So lassen sich etwa die gleichen Formblätter gemeinsam bearbeiten«, berichtet Keul. Für diese und weitere Investitionen erhält die Uni Kiel ab Januar 2020 Fördermittel über den DAAD (Deutscher Akademischer Austauschdienst) aus dem nationalen Begleitprogramm »Europäische Hochschulnetzwerke (EUN) – nationale Initiative« in Höhe von 1,1 Millionen Euro. »Die zusätzliche Förderung wollen wir zur Stärkung unseres europäischen Netzwerkes und für neue Maßnahmen zum eLearning einsetzen«, sagt die Geowissenschaftlerin.

Wesentlicher Baustein des Konzepts ist der persönliche Austausch zwischen den Universitäten. Nicht nur Studierende, sondern auch Forschende und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Verwaltung und Laboren sollen die Möglichkeit bekommen, die beteiligten Partneruniversitäten zu besuchen. Außerdem sind von Anfang an Studierende in die Umsetzung des Konzepts eingebunden. Noch vor dem offiziellen Start des Konsortiums im November 2019 in Cadiz, hatten sich bereits Delegationen von Studierenden der Partneruniversitäten in Brüssel getroffen und vernetzt. »Sie werden von sich aus Aktivitäten planen und sagen, was aus Sicht der Studierenden wünschenswert wäre.«

Autorin: Kerstin Nees

Europäische Hochschulen

Die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union haben 2017 bei ihrem Treffen in Göteborg »die Stärkung strategischer Partnerschaften zwischen Hochschuleinrichtungen in der gesamten EU« beschlossen. Diese Hochschulnetzwerke sollen Studierenden ermöglichen, durch eine Kombination von Studien in mehreren EU-Ländern einen Studienabschluss zu erwerben. Die Initiative zielt darauf ab, die Mobilität von Studierenden und Hochschulpersonal deutlich zu stärken und die Qualität, Inklusivität und Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Hochschulbildung zu fördern. Die Hochschulnetzwerke sollen eine gemeinsame langfristige Strategie verfolgen sowie europäische Werte und Identität fördern. In der ersten Ausschreibungsrunde waren die Anträge von 17 transnationalen Hochschulallianzen erfolgreich. Diesen ersten Europäischen Hochschulen steht ein Gesamtbudget von 85 Millionen Euro zur Verfügung. (ne)

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