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Immer Lust auf neue Fragen

Engagiert, offen, vielseitig – und immer noch ein Stück weit auf der Suche. So ist Adina Krauß als Mensch wie auch als Studentin unterwegs. Dass sie das sein kann, verdankt sie auch dem Deutschlandstipendium.

Adina Krauß vor dem Uni-Hochhaus
© Martin Geist

Deutschlandstipendiatin Adina Krauß ist engagiert und vielseitig interessiert.

In der Nähe von Köln geboren, in der Pfalz groß geworden, in Spanien als Au-pair und Auslandspraktikantin tätig gewesen, in Baden-Württemberg studiert und jetzt an der Uni Kiel unterwegs zum Masterabschluss im Fach Migration und Diversität: Adina Krauß hat in ihren bisher 29 Lebensjahren schon einiges nicht nur angefangen, sondern auch zu Ende gebracht. Was umso bemerkenswerter ist, als sie diese Abschnitte immer auch mit Engagement in der Welt um sie herum verbunden hat.

All das macht die junge Frau zu einer idealen Kandidatin für das Deutschlandstipendium, das auch Leistungen würdigt, die sich nicht in Punkten und Noten ausdrücken lassen, sondern in der Gesellschaft Früchte tragen. »Es hat mir wirklich sehr geholfen«, freut sich Adina Krauß, die innerhalb ihres Kieler Masterstudiums sogar schon zum zweiten Mal berücksichtigt worden ist. Auch auf dem Weg zu ihrem Bachelorstudium der Sozialen Arbeit in Ludwigsburg bei Stuttgart hatte sie sich zuvor über diese Unterstützung ihrer Hochschule freuen dürfen.

Nach Kiel zog es die weltoffene Rheinländerin, weil es den angebotenen Studiengang Migration und Diversität »in dieser Form nur hier gibt«. Im Prinzip jedenfalls trifft diese Ausbildung sogar fast zu hundert Prozent das, wofür Adina Krauß brennt. Sie bietet ihr die Möglichkeit, sich in einem islamwissenschaftlichen Schwerpunkt auf den Nahen Osten zu konzentrieren und im sprachlichen Teil zugleich ihre bereits im Ansatz vorhandenen Persischkenntnisse auszubauen. »Diese Themen finde ich schon lange spannend«, betont die Studentin, die schon für ihren Bachelorabschluss eine Arbeit über islamischen Feminismus eingereicht hatte.

Was sie an dem Komplex vor allem fasziniert, ist die damit verbundene Vielfalt an Facetten. »Den Islam als Religion an sich kann man eigentlich gar nicht komplett verstehen, weil jeder Mensch eine andere Auslegung davon hat«, betont sie. Dass das obendrein mit den sprachlichen und politischen Hintergründen im Nahen Osten ganz ähnlich ist und sich – zumal aus der Perspektive einer Westeuropäerin – mit jeder neuen Erkenntnis noch mehr neue Fragen auftun, steigert das Interesse von Adina Krauß dann noch einmal.

Und so hat sie sich für die nächste Zeit vorgenommen, möglichst viel und möglichst Interessantes dazuzulernen. Ihre Masterarbeit wird sich dem antimuslimischen Rassismus widmen, also dem Phänomen, dass Personen diskriminiert werden, weil sie an den Islam glauben oder auch nur so aussehen, als würden sie es tun. Und ganz wie es die Art von Adina Krauß ist, bestellt sie dieses Feld über den Campus hinaus. Für den in Neumünster ansässigen Sozialdienst muslimischer Frauen arbeitet sie in einem Podcast-Projekt zu antimuslimischem Rassismus. In Kiel ist sie aktiv für die Initiative ALL IN, die sich vor allem mit Antisemitismus und Rassismus befasst.

In diesem Sinn später mit politischer Bildungsarbeit ihr Geld zu verdienen, das könnte sich Adina Krauß gut vorstellen. Wenn da nur nicht ihr bisher nicht so ganz zur Entfaltung gekommenes Interesse für die Schauspielerei wäre. »Aber vielleicht lässt sich das ja auch alles miteinander verbinden«, meint die vielseitige Studentin, die nach ihrem für Frühjahr 2022 ins Auge gefassten Abschluss wieder einmal Gelegenheit bekommen wird, eine neue Richtung einzuschlagen.

Autor: Martin Geist

Nicht nur die Noten zählen

Adina Krauß ist eine von 105 Studierenden an der Universität Kiel, die im Jahr 2021 ein Deutschlandstipendium erhalten haben. Beworben hatten sich 350 Personen. Wer mit der Bewerbung erfolgreich ist, erhält ein Jahr lang monatlich 300 Euro, also insgesamt 3.600 Euro. Stifterinnen und Stifter geben pro Stipendium 1.800 Euro. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung steuert den gleichen Anteil bei.

Die Stipendien werden nach Begabung und Leistung vergeben. Dabei wird die Abiturnote beziehungsweise die Bachelornote besonders berücksichtigt. Weitere Bonuspunkte gibt es für langjähriges gesellschaftliches Engagement, besondere familiäre Umstände und herausragende außerschulische Leistungen. Auch Studierende, deren Eltern keinen akademischen Abschluss haben, werden besonders berücksichtigt. (mag)

www.deutschlandstipendium.uni-kiel.de

 

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