Kleines Polster für ein großes Ziel

»Ich will gern Vulkanologin werden.« Hannah Völkels Ziel ist ehrgeizig, dank ihres Deutschlandstipendiums kann sie trotzdem mit einer gewissen Gelassenheit darauf hinarbeiten.

Zwei Frauen und ein Mann. Eine Frau hält eine Urkunde.
© Thomas Eisenkrätzer, Uni Kiel

Das Ehepaar Renate und Torsten Wieck mit Stipendiatin Hannah Völkel.

Als Vulkan-Hotspot ist Schleswig-Holstein nicht gerade bekannt, wohl aber als Standort eines der besten geowissenschaftlichen Institute in Deutschland. Das ist der Grund, warum sich Hannah Völkel im Herbst 2020 nach frisch bestandenem Abitur entschied, vom Landkreis Siegen-Wittgenstein in Nordrhein-Westfalen nach Kiel zu ziehen.

Ohne ein beruhigendes kleines Polster durch das Deutschlandstipendium hätte sie sich allerdings wohl nicht so einfach zu diesem Schritt entschlossen. Ein angespannter Wohnungsmarkt, dazu in Zeiten von Corona viel weniger Aushilfsjobs als sonst, da kann es für eine Studienanfängerin aus nicht übermäßig begütertem Elternhaus schnell eng werden.

»Es hilft richtig«, freut sich die 20-Jährige über die 300 Euro extra im Monat. Die Kosten für ihr WG-Zimmer, das sie mit viel Glück ergattert hat, sind dank des Stipendiums abgedeckt, sodass Spielraum für andere wichtige Dinge bleibt. In nächster Zeit soll es auf mindestens zwei geowissenschaftliche Exkursionen in den Rheingraben und nach Frankreich gehen, und in der Hoffnung auf eine Zeit ohne Pandemie legt Hannah Völkel regelmäßig Geld für ein Auslandssemester zurück. Als echtes Plus nennt die Stipendiatin außerdem den Umstand, dass sie nicht auf größere Nebenjobs angewiesen ist, sondern sich ganz auf ihr Studium konzentrieren kann.

Vom Deutschlandstipendium erfahren hatte sie zunächst in ihrer Heimat über einen Schulfreund, punkten konnte sie im Bewerbungsverfahren gleich doppelt, nämlich mit guten Noten und ehrenamtlichem Engagement. In der Schülervertretung trug sie dazu bei, dass ihr Gymnasium zur »Schule ohne Rassismus« wurde und organisierte größere Veranstaltungen. Mittlerweile an der Uni Kiel angekommen, hat die Studentin trotz der durch Corona eingeschränkten Möglichkeiten ebenfalls ein Betätigungsfeld gefunden: Sie bringt sich in der Fachschaft Geowissenschaften ein.

Angenehm überrascht war Hannah Völkel, als sie im Lauf ihres auf ein Jahr befristeten Stipendiums erfuhr, dass eine zweite Bewerbung möglich ist. Tatsächlich warf sie ein zweites Mal ihren Hut in den Ring und hatte das Glück, dass sie genau in das Profil ihrer Stipendiengeber passt. Das Ehepaar Renate und Torsten Wieck wurde über die Kieler Nachrichten auf das Programm aufmerksam und waren nach seinen Worten »recht angetan von der Idee«. Gern wollte das Paar dabei eine Person mit naturwissenschaftlich ausgerichtetem Studium unterstützen. Wie segensreich das wirken kann, haben die Wiecks zudem in der Zeit erfahren, als ihre inzwischen für das Umweltbundesamt tätige Tochter durch andere Stipendien gefördert wurde.

Hannah Völkel, die noch bis einschließlich des Sommersemesters Deutschlandstipendiatin ist, fühlt sich rundum wohl mit ihrem Dasein in Norddeutschland – und übrigens auch mit dem sie unterstützenden Paar. »Sehr sympathisch« fand sie die Wiecks bei der offiziellen Feier zur Vergabe der Stipendien, den Kontakt pflegen beide Seiten bis heute.

Und wer weiß, vielleicht auch noch dann, wenn Hannah Völkel einmal tatsächlich Vulkanologin ist und ihren Beitrag leistet, um die ebenso faszinierenden wie beängstigenden feuerspeiende Berge besser zu verstehen und ihnen so ein Stück weit ihren Schrecken zu nehmen.

Autor: Martin Geist

Jahr für Jahr etwa 100 Stipendien

Die Universität Kiel beteiligt sich seit dem Jahr 2011 am Deutschlandstipendium und konnte seither knapp 1.000 derartige Förderungen vergeben. Zuletzt gab es Jahr für Jahr beständig zwischen 95 und 110 Zusagen. Die Hochschule wirbt in diesem Programm Stipendien bei Unternehmen, Stiftungen oder Privatpersonen ein. Der Betrag von 1.800 Euro für ein Jahr wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung verdoppelt, sodass die Begünstigten ein Jahr lang ein monatliches Stipendium von 300 Euro ausbezahlt bekommen.

Die Chancen auf ein Stipendium hängen stark von der Abi-Note ab, doch die entscheidet an der Uni Kiel nicht allein. Punkte sammelt, wer sich in der Freiwilligen Feuerwehr, im Sportverein, als Mentorin oder Mentor für ausländische Studierende oder anderweitig sozial engagiert. Ein zu betreuendes Kind oder eigener Migrationshintergrund beeinflussen die Chancen auf eine Förderung ebenfalls positiv. Bei der konkreten Vergabe der Stipendien können außerdem Stifterinnen und Stifter mitreden und zum Beispiel angeben, aus welchem Fachgebiet die geförderte Person kommen soll. (mag)

www.deutschlandstipendium.uni-kiel.de

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