unizeit Schriftzug

Wechsel kann erfolgreich machen

Was macht ein erfolgreiches Team aus? Zweifellos sind es viele Faktoren. Zumindest bei projektbezogener Arbeitsweise spielt aber die Fähigkeit zu Veränderung offenbar eine entscheidende Rolle. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie unter Federführung von Professorin Claudia Buengeler vom Institut für Betriebswirtschaftslehre an der Uni Kiel.

Drei Menschen arbeiten zusammen
© istock/Sladic

Die Mischung macht‘s. Teams brauchen immer auch neue Köpfe, um innovativ unterwegs zu sein.

Die Wissenschaftlerin, die sich immer wieder mit alltagsnahen Fragen der Managementforschung beschäftigt, nahm sich in ihrer Untersuchung die Kreativwirtschaft vor. Speziell ging es um Projektteams, die sich der Entwicklung von Videospielen widmen. Aus gutem Grund, denn wegen der in praktisch allen Schritten des Spieledesigns enthaltenen schöpferischen Elemente sind in dieser Branche nicht nur die Verantwortlichen namentlich aufgeführt, sondern sämtliche weitere Projektbeteiligte. »Das können mehrere hundert Personen sein, die über viele Monate, teils sogar über Jahre hinweg unter einem Team aus Projektverantwortlichen arbeiten«, beschreibt Professorin Buengeler die Dimensionen.

Nahezu ideal ist die Datenlage in einer weiteren Hinsicht: Aufgrund der Verfügbarkeit von Verkaufszahlen und darüber hinaus von Bewertungen in der Fachpresse sowie der Gaming-Szene selbst lässt sich auch der Erfolg solcher Projektteams weitgehend objektiv und nach verschiedenen Gesichtspunkten bewerten. »Mit unserer Datenerhebungsmethode folgen wir dem Big-Data-Trend«, erklärt Buengeler, die für die Untersuchung mit einem Forschungsteam der Universität Amsterdam zusammenarbeitete. An Bord war neben Wendelien van Eerde und Nachoem Wijnberg auch Frederik Situmeang, der für die Studie mittels Webcrawling aus der Fülle des online verfügbaren Materials die gewünschten Informationen über die mehr als 5.000 einbezogenen Spieleentwicklungsprojekte gewann. Die Kernfrage bei der Auswertung dieses enormen Datensatzes lautete: Sind eingespielte Teams, deren Zusammensetzung von einem Projekt zum nächsten hinweg eher gleich bleibt, erfolgreicher? Oder läuft es besser in Teams mit einer hohen Fluidität, also mit vielen von Projekt zu Projekt wechselnden Mitwirkenden?

Deutlich zeigt sich in der Analyse, dass es mit Teams, deren Projektverantwortliche weitgehend dieselben bleiben, eine zweischneidige Sache ist. Dazu Claudia Buengeler: »Ein hohes Maß an Stabilität geht mit einem höheren Zusammenhalt einher und mit einer genaueren Vorstellung davon, wer was weiß und kann und welche Rolle er oder sie ausfüllt. Andererseits wirkt sich häufig genau das hemmend aus, wenn es nicht nur darum geht, ein vorhandenes Produkt weiterzuentwickeln, sondern etwas Neuartiges zu schaffen.« Konkret zeigt sich in der Kieler Studie, dass innovativ geforderte Projektteams schon dann weniger erfolgreich sind, wenn der Anteil der bewährten Kräfte im Team von einem Projekt zum nächsten bei etwa der Hälfte liegt. Bei sequenziell angelegten Projekten, die vor allem auf Weiterentwicklung zielen, spielt der Wechselfaktor dagegen auf den Erfolg bezogen praktisch keine Rolle.

Und was folgt daraus? »Es ist keine gute Idee, die Zusammensetzung von Teams mit innovationsorientierten Aufgaben dem Zufall zu überlassen«, meint die Kieler Expertin. Im schlimmsten Fall, so mahnt sie, entstehen dann Blasen der gegenseitigen Selbstbestätigung, während sich die wirtschaftlichen Trends ganz woandershin bewegen. Der Zusammenhang zwischen Veränderung in der Teamzusammensetzung und Erfolg lässt sich nach Einschätzung der Forschenden zwar in der Kreativwirtschaft besonders gut nachweisen, im Kern passen die Ergebnisse aus ihrer Sicht aber für alle projektorientierten Branchen beziehungsweise Aufgaben mit höheren Anforderungen an die Innovationskraft.

Dass Beschäftigte aufgrund ständiger Teamveränderungen zu ewigen Nomaden werden, befürchtet die Forscherin dabei nicht unbedingt: »Projektteams arbeiten ja per definitionem zeitlich begrenzt zusammen. Hier die Erwartung zu hegen, neue Aufgaben immer wieder aufs Neue mit den gleichen Kolleginnen und Kollegen zu bearbeiten, ist also eher unwahrscheinlich. Zudem gibt es ja weiterhin sehr viele Bereiche, in denen Teams auf Dauer angelegt sind und größere Fluktuation eher unerwünscht ist.« Wenn diese stabil angelegten Teams jedoch innovativen Aufgaben nachgehen, sollte man nach Empfehlung der Professorin auch auf Diversität und andere Faktoren achten, die neue Impulse bringen können. Andersherum gilt aber: Zu wenig Stabilität selbst in noch so forsch zu neuen Ufern strebenden Projektteams ist nach übereinstimmenden Studienergebnissen auch nicht die beste Idee und schmälert den Erfolg. Verbindende Kräfte sind also weiterhin von großer Bedeutung.

Autor: Martin Geist

unizeit-Suche:

In den unizeit-Ausgaben 27-93 suchen