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Transfer in die Gesellschaft

Betreuung und Beratung für Kooperationsprojekte mit Unternehmen sowie deren finanzielle und administrative Abwicklung aus einer Hand: Die Uni GmbH an der CAU soll eine Dienstleister an der Schnittstelle zwischen Forschung und Wirtschaft werden.

Axel Koch
© Jürgen Haacks

Axel Koch, Leiter des Geschäftsbereichs Transfer.

»Eine solche zentrale Anlaufstelle ist dringend notwendig, der Bedarf wird uns von vielen unserer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler signalisiert. Eine Reihe anderer Hochschulen hat bereits erfolgreich Transfer-GmbHs etabliert, um die Kooperation mit der Wirtschaft zu intensivieren«, erklärt Axel Koch, der seit dem 1. Januar dieses Jahres den Geschäftsbereich Transfer an der CAU leitet. Derzeit steht er in den Startlöchern für den nächsten Schritt, die Gründung der Uni GmbH. Sobald die Genehmigung des Landes Schleswig-Holstein vorliegt, kann es losgehen. Im Mittelpunkt steht die effiziente Abwicklung von Unternehmenskooperationen an der Kieler Universität.

»Unsere Professorinnen und Professoren arbeiten eng mit der regionalen Wirtschaft zusammen, die ihrerseits Impulse für die angewandte Forschung geben. Hier möchten wir über die Uni GmbH unterstützen. Drittmittelprojekte mit der Industrie benötigen oft schnelle Entscheidungen und flexible Anpassungen. Dies wird durch die GmbH-Struktur erheblich vereinfacht: Verträge können schneller geschlossen werden, Personalverfahren verkürzen sich, Geräte können kurzfristig beschafft werden.« In Unternehmen seien die Vorlaufzeiten für Forschungsaufträge knapp kalkuliert. »In den bestehenden Prozessen kann es durchaus ein halbes Jahr dauern, bis ein Projekt beginnen kann, da bisher eine ganze Reihe von Ansprechpersonen aus verschiedenen Verwaltungseinheiten eingebunden werden musste. Erst danach kann die eigentliche Forschung, der Auftrag, angegangen werden. Das macht es für die Industrie weniger attraktiv, Verträge mit der CAU zu schließen.« Nun soll sowohl die Beratung als auch die Durchführung vor Ort aus einer Hand möglich sein. Schwerpunkt werden dabei privatwirtschaftliche Kooperationen sein. Öffentlich geförderte Forschungsprojekte werden weiterhin über den Geschäftsbereich Forschung der CAU abgewickelt.

Drittmittelprojekte werden ein Schwerpunkt der Dienstleistungen sein, doch es gibt noch weitere Services: »Wir wollen ein Testraum für Gründungsideen sein«, erklärt Koch. »Das betrifft nicht nur den technischen Bereich. Auch an der Philosophischen Fakultät gibt es beispielsweise Projekte, die in eine Ausgründung münden können, etwa die Entwicklung von Spielen, Beratungsdienstleistungen oder auch soziale Unternehmungen.« Testaufträge könnten dann über die GmbH abgewickelt werden. »So muss sich niemand sofort dem unternehmerischen Risiko aussetzen, sondern kann das Marktpotenzial erstmal anhand von Pilotprojekten in einer bestehenden Struktur testen.« Auch eine Studierendenfirma könnte auf diese Weise entstehen, in der wechselnde Studierendengenerationen Rollen übernehmen und dabei unternehmerisches Denken und Handeln erlernen. »Für Studierende hat das den Vorteil, dass sie neben exzellenter Ausbildung und Forschung eine Zusatzqualifikation und damit einen besseren Zugang zum Arbeitsmarkt bekommen. So können wir perspektivisch mehr Absolventinnen und Absolventen in der Region halten.« Dabei stellt die GmbH eine Ergänzung zum Zentrum für Entrepreneurship (ZfE) dar, das ebenfalls zum Geschäftsbereich Transfer der CAU gehört. »Wir arbeiten hier Hand in Hand mit dem ZfE.«

Langfristig soll auch die Beteiligung an wissens- und technologiebasierten Start-ups mit direkter Uni-Beteiligung in das Portfolio der Uni GmbH aufgenommen werden. »Hier gibt es noch großes Potenzial an der CAU, das Thema soll zukünftig forciert werden. An der CAU werden derzeit nur rund 20 Erfindungen pro Jahr gemeldet, das ist im Vergleich mit anderen Hochschulen recht wenig. Das wollen wir kontinuierlich steigern und vor allem die Anzahl und das Wachstum der daraus entstehenden Gründungen erhöhen.« Sichtbarer Ausdruck des breiten Transferverständnisses soll zukünftig die Seeburg sein, ein CAU-Gebäude direkt an der Kiellinie. »Wir wollen hier ein Schaufenster der CAU in die Stadt schaffen.« Ideen dazu werden derzeit unter anderem gemeinsam mit Studierenden im Rahmen einer Lehrveranstaltung entwickelt.

Autorin: Christin Beeck

Begleitet werden die unterschiedlichen Aktivitäten von der neuen hochschulöffentlichen Workshopreihe Transfer@CAU, in der aktuelle Transferthemen und Fragestellungen aufgegriffen und diskutiert werden. Weitere Informationen unter: www.geschaeftsbereich-transfer.uni-kiel.de

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