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Umweltmanagement studieren

Eine nachhaltigere Zukunft mitgestalten – aber wie? Ein Weg dorthin kann ein Masterstudium sein, zum Beispiel der englischsprachige Studiengang Environmental Management an der Kieler School of Sustainability.

Probenentnahme aus einem Fluss
© iStock/CasarsaGuru

Probenentnahme bei Feldstudien und Exkursionen: Der Masterstudiengang Environmental Management umfasst unter anderem Module aus den Umwelt-, Agrar- und Meereswissenschaften.

»Die meisten haben den Wunsch, die Umwelt zu schützen. Der Master hilft, aus der vagen Idee ein konkretes Vorhaben zu machen«, sagt Mudit Joshi und zieht damit Bilanz nach zwei Semestern Environmental Management. Zuvor hat er in seiner Heimat Indien den Bachelor in Agrarwissenschaft abgeschlossen. Der Studiengang an der Uni Kiel ist naturwissenschaftlich orientiert und richtet sich vor allem an Absolventinnen und Absolventen der Natur- und Agrarwissenschaften, der Betriebswirtschaftslehre, Forstwirtschaft, Geographie oder Ingenieurswissenschaften mit Umweltbezug. »Die Studienstruktur ist sehr flexibel«, erzählt Joshi, »es gibt Module zu Umwelt- und Agrarwissenschaft, aber auch Hydrologie, Meereswissenschaften, Klimawandel oder Artenschutz. Ich kann einen Agrarschwerpunkt wählen und trotzdem Grundwissen in anderen Forschungsfeldern erwerben.« Environmental Management soll Studierende für Umweltprozesse sensibilisieren und ihnen das Handwerkszeug für die Entwicklung und Anwendung von Lösungskonzepten für akute, aber auch für künftige ökologische Herausforderungen vermitteln. Beispiel hierfür sind die Modellerstellung, die Nutzung geographischer Informationssysteme sowie Feldforschung und Datenauswertung. Darüber hinaus soll die interdisziplinäre und internationale Zusammenarbeit gefördert werden.

»Die Absolventinnen und Absolventen finden in den verschiedensten Bereichen des Umweltmanagements Berufsaussichten. Dazu gehören nationale und internationale Organisationen sowie Planungsbüros und die Umweltverwaltung in den jeweiligen Heimatländern«, sagt der Landschaftsökologe Professor Tobias Donath vom Institut für Natur- und Ressourcenschutz der Uni Kiel. Gemeinsam mit Dr. Uta Ulrich aus der Abteilung für Hydrologie und Wasserwirtschaft des Instituts koordiniert er den Master an der School of Sustainability.

Berufserfahrung bringt Masterstudent Sven Grantz mit. Als Projektmanager bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) hat er Infrastrukturprojekte in Entwicklungsländern betreut: »Ich habe mir Projekte gesucht, die mit dem nachhaltigen Management von Naturressourcen zu tun hatten, genauer Trinkwasserversorgung, Bewässerung und Wasserkraft.« Daraus erwuchs bei dem Politikwissenschaftler der Wunsch, sich stärker zu spezialisieren und an die Uni zurückzukehren. »Mein Studienschwerpunkt ist weiterhin das Wasser, vor allem Flussgebiete und Seen, außerdem Meeresschutz und -ökologie. Da gibt es ein großes Angebot an Lehrveranstaltungen, wobei mein Fokus auf dem Management liegt – also keine Hardcore-Biologie«, sagt Grantz lachend. Vielmehr gehe es darum, Interessen zu analysieren und zu regulieren: »Man identifiziert den Druck, unter dem die Ökosysteme stehen, und welche Bedeutung diese haben, auch für den Menschen.« Sven Grantz hat sich für den Master entschieden, weil dieser ein breites Themenspektrum abdeckt. »Ich habe es als Herausforderung empfunden, in die naturwissenschaftliche Sprache reinzukommen. Dafür habe ich zum Beispiel bei Themen wie Umweltpolitik oder Flussgebietsmanagement schon viel mitgebracht. Es gibt viel Verständnis dafür, dass alle einen unterschiedlichen Hintergrund haben. Die Dozierenden versuchen immer, alle abzuholen.«

Voraussetzung, um sich auf einen der 25 Studienplätze zu bewerben, sind unter anderem ein Motivationsschreiben sowie eine Projektskizze für ein Studienprojekt. »Vor Corona lag die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber bei knapp über 300. Da Environmental Management ein sehr internationaler Studiengang mit rund 50 Prozent internationalen Studierenden von fast allen Kontinenten ist, treffen die Corona-Pandemie und deren wirtschaftliche Auswirkungen insbesondere Bewerberinnen und Bewerber, die Reise- und Visabeschränkungen ausgesetzt sind«, erklärt Koordinatorin Dr. Ulrich. Mudit Joshi konnte aufgrund der Pandemie erst im Februar anreisen, vorher erschwerte die Zeitverschiebung das digitale Studieren. »Die Koordinatoren waren sehr flexibel, nett und verständnisvoll«, sagt er. Der Student möchte weitere Erfahrungen in der internationalen Forschung sammeln, langfristig jedoch nach Indien zurückkehren: »Fast ein Drittel der Weltbevölkerung lebt in Südostasien. Wenn wir über Nachhaltigkeitsziele sprechen, können wir diese Region nicht außen vor lassen. Der Fokus dort ist, sicherzustellen, dass die Menschen genug zu essen haben.« Nach Kiel kam Joshi, um eine andere Perspektive einzunehmen: »In zehn Jahren werden in Indien Menschen gebraucht, die auf die Schadensbegrenzung nach der intensiven Landbewirtschaftung vorbereitet sind und sich für Biodiversität einsetzen.«

Autorin: Anna-Kristina Pries

Masterstudiengänge mit Umweltbezug an der Uni Kiel

Die nächste Bewerbungsrunde für den Master of Science »Environmental Management« endet im Februar 2022. Der Ein-Fach-Masterstudiengang setzt sich aus englischsprachigen Modulen an der Agrar- und Ernährungswissenschaftlichen sowie der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät zusammen. Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, einen Double-Degree mit der Adam-Mickiewicz-Universität Posen, Polen, oder der Universität Irkutsk, Russland, zu erwerben. Zulassungsvoraussetzungen sind neben Motivationsschreiben und Projektskizze ein Bachelorabschluss und ein anerkanntes Sprachzertifikat in Englisch wie IELTS oder TOEFL. Die Website der School of Sustainability informiert detailliert über dieses und weitere Studienprogramme mit Umwelt- und Nachhaltigkeitsbezug an der Uni Kiel – etwa die Masterstudiengänge »Sustainability, Society and the Environment« oder »Applied Ecology«. (apr)

www.sustainability.uni-kiel.de/en/taught-masters


 

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