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Neu an der CAU: Universitätsverlag Kiel

Publikationen professionell betreuen und sichtbar machen – diesen Service will der neue Universitätsverlag den Kieler Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern bieten. Doch was braucht es, um eine solche Einrichtung auf die Beine zu stellen?

Kai Lohsträter vor einem Bücherregal
© pur.pur

Der Historiker Kai Lohsträter leitet seit 2019 das Projekt Universitätsverlag, das an die Universitätsbibliothek angegliedert ist. Erste Pilotprojekte hat er bereits auf den Weg gebracht.

»Der Universitätsverlag befindet sich zwar im Aufbaustatus, er ist allerdings schon betriebsbereit«, sagt Dr. Kai Lohsträter. Seit 2019 verantwortet er den Aufbau der Einrichtung, die an die Universitätsbibliothek angegliedert ist. »Bevor wir das Betriebsmodell vergangenen Herbst im Präsidium vorgestellt haben, haben wir mit den Fakultäten gesprochen, sowohl mit der Professorenschaft als auch mit dem wissenschaftlichen Nachwuchs, um uns ein Bild zu machen, wie der Bedarf für einen Universitätsverlag und die Vorstellungen zur Ausgestaltung aussehen«, erklärt der Historiker. Seitdem konnten bereits drei Pilotprojekte auf den Weg gebracht werden. Darunter der erste Band der Reihe Kieler Studien zur Universitäts- und Wissenschaftsgeschichte, herausgegeben von Professor Oliver Auge und Karen Bruhn aus der Abteilung für Regionalgeschichte. Auch das Team hat sich inzwischen verdoppelt: Seit Februar treibt Lohsträter den Verlagsaufbau gemeinsam mit der verlagserfahrenen Grafikdesignerin Wiebke Buckow voran. Aktuell sind rund zehn Publikationen in Planung, dazu gehören Tagungsbände aus der Physik, der Theologie und der Geschichtswissenschaft, der Aufbau einer literaturwissenschaftlichen Fachzeitschrift sowie die Festschrift der Agrar- und Ernährungswissenschaftlichen Fakultät.

Der Universitätsverlag Kiel soll im Zeichen moderner Publikationsmethoden stehen. Im Fokus: Open Access. Letzteres bedeutet, dass Literatur und Materialien für alle frei zugänglich sein sollen. Ein Ansatz, der sich nur über digitale Formate realisieren lässt. Immer mehr Hochschulen, Forschungseinrichtungen und -organisationen haben sich im vergangenen Jahrzehnt der Open-Access-Idee verschrieben, auch traditionelle Wissenschaftsverlage erweitern ihr Angebot stetig. Hinter all dem steht die Idee, Wissenschaft möglichst transparent und barrierefrei zu gestalten. Nicht zuletzt um Forschungsergebnisse sichtbarer zu machen und stärker in die Gesellschaft hineinzutragen. Gerade erst hat die Corona-Pandemie gezeigt, wie wichtig der Zugang zu gesicherten Informationen ist.

Doch warum braucht es überhaupt noch einen Verlag, um im Open Access zu publizieren? Universitätsmitglieder können ihre Forschung bereits seit rund 20 Jahren eigenverantwortlich über den Publikationsserver MACAU veröffentlichen. Das Angebot des Verlages soll jedoch darüber hinausgehen, formale sowie gestalterische Standards gewährleisten, das Datenmanagement übernehmen. Seit Kurzem gibt es zudem die Möglichkeit, über Dienstleister auch eine Druckversion in den Buchhandel zu bringen. Zentral ist die Qualitätssicherung. Dazu gehören unter anderem Plagiatschecks und Peer-Reviews, bei denen die Arbeit vor der Veröffentlichung durch unabhängige Forschende überprüft wird. »In den Vorgesprächen wurde deutlich, dass das ein großes Thema ist. Das nehmen wir sehr ernst«, sagt Lohsträter. Gleichzeitig ist dies eine der komplexesten Anforderungen an das wissenschaftliche Publizieren. Im Universitätsverlag soll die inhaltliche Qualität über einen Beirat aus internen und externen Fachleuten verschiedener Disziplinen sichergestellt werden. »Die Qualitätssicherung der einzelnen Beiträge soll nicht im Beirat liegen, aber er soll sich ansehen, wie die wissenschaftliche Qualität und das Review-Verfahren jeweils gesichert sind. Das soll innerhalb der jeweiligen Fachcommunities laufen«, so der Projektleiter. »Die Gründung des Beirats haben wir uns für dieses Jahr vorgenommen.«

Das Projekt Universitätsverlag ist auf sieben Jahre ausgerichtet; es geht in großen Schritten voran. Lohsträters Wunsch ist, dass sich die Autorinnen und Autoren vertrauensvoll an die neue Einrichtung wenden. »Es geht uns darum, die Publikation professionell zu gestalten, aber eben auch weltweit sichtbar zu machen, durch Digital Object Identifier (DOI), ISBN-Nummern, freie Lizenzen oder das Einpflegen in Datenbanken wie Google Scholar. Wir wollen das Beste für die CAU-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftler rausholen, damit diese sich auf ihre Forschung und Lehre konzentrieren können.«

Autorin: Anna-Kristina Pries

Wer kann im Universitätsverlag Kiel publizieren?

Das Angebot des Universitätsverlags Kiel, englisch Kiel University Publishing, steht ausschließlich Mitgliedern der Christian-Albrechts-Universität zur Verfügung. Mindestens eine Ansprechpartnerin oder ein Ansprechpartner der Forschungsarbeit muss an eines der Institute angebunden sein. So können auch Sammel-, Tagungs- und Konferenzbände mit CAU-Beteiligung verlegt werden. Service und Beratung sind kostenfrei. Bei Leistungen, die externe Dienstleister erfordern, etwa Buchdruck oder Logistik, werden die entstehenden Kosten ohne Aufschlag an die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weitergegeben. (apr)

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