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Beste Basis für Führungsjobs

Seit 20 Jahren bietet die Uni Kiel den Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen an. Die Kombination von technischem und betriebswirtschaftlichem Know-how eröffnet glänzende Berufsaussichten.

Drei Personen vor Pflanzenhintergrund
© Friedrich Wilhelm Fuchs

Carsten Lehmann (Mitte) war im Jahr 2004 der erste Absolvent des Studiengangs »Wirtschaftsingenieurwesen Elektrotechnik und Informationstechnik« an der CAU. Mit ihm freuten sich die Studiengangkoordinatoren Achim Walter (links) und Friedrich Wilhelm Fuchs.

Zum Ende des 20. Jahrhunderts wandelte sich das klassische Innovationsverständnis der Wirtschaft: Neue Produkte sollten nicht mehr primär innerhalb einzelner Unternehmen entstehen, sondern durch Zusammenarbeit von Unternehmensmitarbeiterinnen und -mitarbeitern mit externen Wissensträgern wie Expertinnen und Experten, Kundinnen und Kunden, Lieferanten, Forschungsinstituten etc. Gleichzeitig, und um dieser Entwicklung Rechnung zu tragen, startete die CAU im Wintersemester 1999/2000 ihren neuen Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen.

Der Studiengang ist eine fruchtbare Verbindung zwischen der Ingenieursausbildung an der Technischen Fakultät und der Ausbildung zur Betriebswirtin und zum Betriebswirt an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät. Wirtschaftsingenieurinnen und -ingenieure der CAU sind begehrte, auf technischem Gebiet hervorragend ausgebildete Fachkräfte, die auch die wirtschaftlichen Prozesse und Anforderungen der Unternehmen fest im Blick haben. Der Studiengang bilde Studierende als »Unternehmer im Unternehmen« aus, so Professor Achim Walter, Leiter des Ausbildungsprogramms auf Seiten der Betriebswirtschaftslehre.

Der damalige Dekan der Technischen Fakultät, Professor Ulrich Heute und der im Jahr 2008 verstorbene Professor und Gründer des Studienkollegs Betriebswirtschaftslehre, Jürgen Hauschildt, sowie der mittlerweile pensionierte Professor Friedrich Wilhelm Fuchs waren die treibenden Kräfte für die erfolgreiche Verbindung von Wirtschaft und Technik. »Wir wollten den Studiengang Elektrotechnik mithilfe der Ergänzung zum Wirtschaftsingenieur interessanter machen«, erinnert sich Fuchs. Die ersten elf Studienanfänger waren alles junge Männer. Angeworben hatten die Initiatoren sie per Zeitung und über das Radio. Fuchs erinnert sich gut an die Anfänge: »Das war knapp. Erst vier Wochen vor Semesterbeginn kam die Freigabe vom Ministerium.« Das Interesse an dem Fach ist schnell gewachsen. Waren es am Anfang nur wenige Studienanfänger, können inzwischen zu jedem Wintersemester 95 Studierende aufgenommen werden. Etwa 400 Studierende haben in den vergangenen 20 Jahren die Diplom-, Bachelor- und Masterstudiengänge erfolgreich abgeschlossen. Ungefähr 25 Prozent von ihnen sind Frauen.

Sie können Brücken bauen, auf denen sie in beide Richtungen gehen können – sie sind die Schnittstelle.

Achim Walter

»Zwei Drittel Elektrotechnik, ein Drittel Wirtschaft«, so beschreibt der Direktor des Instituts für Elektrotechnik und Informationstechnik, Professor Ludger Klinkenbusch das besondere Konzept der Wirtschaftsingenieursausbildung an der CAU. »Dieses Konzept findet insbesondere auch in den vorwiegend eher mittelständischen schleswig-holsteinischen Firmen Anklang, die die Absolventinnen und Absolventen gern einstellen«, sagt Fuchs, der das Konzept entwickelt und eingeführt hat. 13 Jahre lang hat er den Studiengang betreut. Im Bachelorstudiengang erwerben die jungen Menschen in den ersten sieben Semestern zunächst ein breites Grundlagenwissen, die Basis, auf die der Masterkurs aufbauen kann. Zentrales Anliegen der Dozentinnen und Dozenten ist, dass die Studierenden auf Grundlage dieses Basiswissens Kompetenzen erwerben, um sich schnell in andere Themenbereiche einarbeiten zu können. Wichtig sei, dass sie die Problemstellung schnell erfassen können. »Deswegen erlernen die Studentinnen und Studenten Zukunftstechnologien nur beispielhaft. Wichtiger als sie zu kennen, ist uns, dass sie die Fähigkeit entwickeln, in kürzester Zeit Lösungen zu erarbeiten. Das Konzept des lebenslangen Lernens steht bei uns im Vordergrund«, fasst Professor Walter zusammen.

Und noch etwas ist besonders an der Kieler Uni: Im dreisemestrigen Masterstudiengang können sich die Studierenden ihre Studienfächer frei zusammenstellen. Ziel ist die größtmögliche Förderung der individuellen Kreativität. »Die Studierenden können Spezialkompetenzen in den für Kiel typischen Fachrichtungen Erneuerbare Energien, Medizintechnik oder Kommunikationstechnik erwerben«, erzählt Klinkenbusch.

Für die Bachelorstudentin und Industriekauffrau Karoline Seidel war die große Auswahl an Spezialisierungskursen an der CAU ein wichtiger Grund für die Studienplatzwahl in Kiel. Arbeitslosigkeit gebe es unter den Kieler Absolventinnen und Absolventen des Fachs so gut wie nicht, sagt Klinkenbusch. Und Walter ergänzt: »Sie haben glänzende Berufsaussichten. Technologien sind zentrale Werttreiber für die Wirtschaft. Diese zu verstehen ist auch wichtig für jene, die im Management der Unternehmen sitzen. Deswegen sind Wirtschaftsingenieure oft in den Vorstandsebenen zu finden oder in Unternehmensberatungsgesellschaften. Sie können Brücken bauen, auf denen sie in beide Richtungen gehen können – sie sind die Schnittstelle.«

Und das soll auch so bleiben. Das Studienangebot wird ständig weiterentwickelt, damit die Studierenden auf die Anforderungen der Zukunft vorbereitet sind. »Dazu berücksichtigen wir auch die Vorgaben aus der Industrie: Was wird jetzt gebraucht, was sind die Technologien der Zukunft?«, so Klinkenbusch. Bald sollen die Masterkurse in englischer Sprache gehalten werden, um auch für internationale Studierende noch interessanter zu werden.

Professorin Catherine Cleophas steht für die Zukunft des Fachs. Sie lehrt Kurse wie Business Analytics, Service Operations Management und Computational Modelling for Business Research. Digitalisierung, Big Data oder Künstliche Intelligenz – informationsverarbeitende Methoden bekommen einen immer größeren Stellenwert für die erfolgreiche und nachhaltige Leitung von Unternehmen.

»Das ist ein echtes Erfolgsmodell der Kieler Uni«, resümiert Walter stolz. Voraussichtlich im Mai wird das runde Jubiläum auf dem Gelände der Technischen Fakultät gefeiert.

Autorin: Karena Hoffmann-Wülfing

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