Archäologisches Kolloquium: Eine gemeinsame Ideologie des Todes? Die spätneolithischen Galeriegräber im westlichen Deutschland und die ‚allées sépulcrales‘ des Pariser Becken

Inhalt

Im Zuge des vermehrten Aufkommens der Kollektivbestattungssitte erscheinen in etwa zeitgleich, in der zweiten Hälfte des 4. Jts. v. Chr., und in zwei getrennten Regionen (genauer in Hessen, Westfalen, im Pariser Becken und in geringer Zahl in Belgien und den Niederlanden) sog. Galeriegräber. Diese kollektiven Grabstrukturen sind in die Erde eingetieft und in zwei architektonische Einheiten unterteilt: in eine lange Grabkammer und in einen kurzen Vorraum. Die Kontexte der Galeriegräber beider Hauptuntersuchungsregionen zeigen überraschende Parallelen, z.B. in dem Mangel an den Gräbern zeitgleicher Siedlungsentdeckungen, in dem jeweiligen Verlauf ihrer Forschungsgeschichten und in noch wichtigerem Maße in ihren relativen aber klar getrennten (materiellen) kulturellen Entwicklungen. Die Galeriegräber bleiben tatsächlich die einzig sichtbaren Verbindungen zwischen den Untersuchungsgebieten jener Zeit. Die architektonischen Ähnlichkeiten zwischen den Grabbauten sind bereits seit dem Anfang des 20. Jhs. bekannt und eine Verbindung wurde seitdem im Rahmen diffusionistischer Ansätze diskutiert. Die Deutungen stützten sich jedoch zumeist auf einzelne Vergleiche der architektonischen Merkmale und auf die Annahme unilinearer Einflussachsen, deren Verlauf je nach Fortschritt der Radiokarbonsdatierungsmethode variieren konnte.

Im Rahmen dieses Vortrags sollen mit einer neuen komparativen Analyse der Galeriegräber nicht nur bisherige Hypothesen überprüft werden, sondern es soll auch untersucht werden, ob mögliche strukturelle Unterschiede geographisch erklärt werden können und inwieweit Grabnutzungen nach architektonischen oder regionalen Eigenheiten übereinstimmen oder divergieren. Schließlich wird anhand der resultierenden Beobachtungen hinterfragt, inwieweit die Galeriegrabkomponenten die Überreste gemeinsamer Ideologie(n) des Todes darstellen.

Dozentin:

Eleonore Pape, M.A., Göttingen

Das Wichtigste in Kürze:

  • Was: Archäologisches Kolloquium
  • Veranstaltet durch: Institut für Ur- und Frühgeschichte der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
  • Wann: Ab 21. Oktober 2019 bis 17. Februar 2020, montags, 18:30 bis 20:30 Uhr
  • Wo: Johanna-Mestorf-Hörsaal (Johanna-Mestorf-Straße, Eingang 4, Raum 28)

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