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Ferdinand Weinhandl als Beispiel nationalsozialistischer Geisteswissenschaftler



Ferdinand Weinhandl, 1923 in Kiel habilitiert, lehrte vor seiner Berufung auf den Lehrstuhl Richard Kroners im August 1935 als außerplanmäßiger Professor am Philosophischen Seminar der Christian-Albrechts-Universität.

Schon in den Zwanziger Jahren vertrat er nationalsozialistische Positionen: Im Jahre 1926 erschien unter dem Titel "Person, Weltbild und Deutung" eine Sammlung von Vorträgen, in denen Weinhandl seit 1924 sein Konzept von Person, "Volk" und "Führer" entwickelt hatte. Er sah demnach im "Führer" den "das Ganze erst wahrhaft einigenden vorbildlichen Einzelnen". 1929 wurde er Fachschaftsleiter des "Kampfbundes für deutsche Kultur" und Redner für dessen schleswig-holsteinische Landesabteilung. Außerdem engagierte er sich in der Kieler Ortsgruppe des "Kampfringes der Deutsch-Österreicher im Reich", bevor er 1933 in die NSDAP, den Nationalsozialistischen Lehrerbund (NSLB) und die SA eintrat.

Am 10. Mai desselben Jahres wirkte der Philosoph als Hauptredner bei der Kundgebung zur Bücherverbrennung auf dem Kieler Wilhelmplatz mit. Mit seinem an die Jugend gerichteten Vortrag "Undeutscher Geist und deutscher Geist" lieferte er den geistigen Hintergrund für die "Säuberung" der Bibliotheken von "Schmutzliteratur" (so eine studentische Erklärung vom 3. Mai in der "Kieler Zeitung"):

"Wenn sich heute [...] deutsche Studenten zusammenfinden, um diesen in Büchern aufgestapelten Giftstoff zu verbrennen, so soll das nichts anderes dokumentieren, als dass die deutsche Studentenschaft am Aufbau des deutschen Geisteslebens teilhaben will [...] um [...] das ihre zu tun im Ringen um deutsches Wesen und die deutsche Seele im Geiste Adolf Hitlers."

In den späten Dreißiger Jahren tat sich Weinhandl in verschiedenen Ämtern der nationalsozialistisch gelenkten Wissenschaft hervor. Er wurde 1938 Wissenschaftlicher Leiter der im Einvernehmen mit "Reichsleiter" Alfred Rosenberg neugegründeten "Wissenschaftlichen Akademie des Dozentenbundes der Christian-Albrechts-Universität" und Vorsitzender des neuen "Amts für Wissenschaft". Darüber hinaus wirkte er an verschiedenen Arbeitskreisen mit. Mit seinem Vortrag "Deutschland und die Philosophie des Ostens" leistete er 1938 außerdem einen Beitrag zur publizistischen Einstimmung auf den Krieg.

Dessen Ausbruch brachte der "Wissenschaftlichen Akademie" eine neue Aufgabe: das "Projekt des Kriegseinsatzes der Wissenschaften". Weinhandl übernahm in dessen Rahmen die "Arbeitsgemeinschaft zur Erforschung und Widerlegung der feindlichen Propaganda auf dem Gebiet der wissenschaftlichen Auseinandersetzungen im Weltkrieg und heute". Als 1940 die Arbeitskreise des NSD-Dozentenbundes durch das Amt "Wissenschaft der Reichs- dozentenführung" ersetzt wurden, ernannte man Weinhandl zum "Leiter des Amtes Wissenschaft der Universität Kiel" und "Fachkreisleiter" für "Allgemeine Philosophie und Religionswissenschaft." In seinen Veröffentlichungen wie z.B. "Philosophie - Werkzeug und Waffe" (1940) schuf Weinhandl die philosophische Legitimation des Krieges und des nationalsozialistischen Anspruches auf die Vormachtsstellung in Europa.

Mit Unterstützung des Philosophen Martin Heidegger ging Weinhandl 1942 nach Frankfurt am Main. Zwei Jahre später zog er nach Graz, wo er 1958 zwei Lehrstühle für Psychologie und Pädagogik übernahm. Im Jahre 1963 erhielt Weinhandl das österreichische Ehrenkreuz für Kunst und Wissenschaft 1. Klasse, bevor er sich 1965 emeritieren ließ.
sas




Literaturangaben

Alwast, Jendris: Akademische Philosophie im "Dritten Reich" und ihr Beitrag zur Normalisierung von Inhumanität". In: Prahl, Hans-Werner u.a. (Hrsg.): Uni-Formierung des Geistes. Universität Kiel und der Nationalsozialismus, Bd. 2. Kiel 2007, S. 8-59.



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