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Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

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Professor Dr. Oscar Martienssen

geb. 17. März 1874 in Hamburg; gest. 7. Juli 1957 in Neustadt/Holstein
Einrichtung: Technische Physik


Der Physiker Oscar Martienssen habilitiert sich 1913 für Technische Physik an der Kieler Universität, an der er ab 1921 als außerordentlicher Professor lehrt.

1933 legt Martienssen alle seine Ämter, welche er zur Vertretung der Interessen seiner nicht beamteten Kollegen bekleidet, nieder. Bis 1935 bleibt er daraufhin unbehelligt, bis ein eher unbedeutender Zwischenfall eine Lawine in Gang setzt, die zu seiner Entlassung führen soll: Als seine Frau ohne weitere Erklärung zu einer Luftschutzübung beordert wird, verlangt Martienssen nach einer gesetzlichen Begründung für diese Maßnahme. Er wird daraufhin voon der Presse demontiert und in einem offenen Brief vom Polizeipräsidenten auf primitivste Weise beleidigt: "[…] scheren Sie sich zum Teufel, Herr Professor Martienssen, und wenn Sie mir den Gefallen tun wollen, recht bald!"

Der Physiker lässt sich nicht einschüchtern und schaltet die Universitätsleitung ein, um diesen Vorfall nicht auf sich beruhen zu lassen. Ein an das Reichsministerium gerichteter Brief, den er dem damaligen Rektor mit der Bitte um Weiterleitung gibt, wird von diesem unterschlagen. Die Kieler Staatsanwaltschaft hingegen erklärt sich bereit, eine Beleidigungsklage gegen den Polizeipräsidenten zu erheben.

Wahrscheinlich als Folge daraus wird Martienssens Position an der Universität im Mai 1936 ohne Angabe von Gründen gekündigt. Einer Klage des Physikers gegen seine unrechtmäßige Entlassung bleibt erfolglos. Nun wird auch die von Martienssen eingerichtete Hinterbliebenenkasse aufgelöst, die eingezahlten Gelder verschwinden auf ungeklärte Weise. Der Physiker, der nun kein Gehalt mehr bezieht, verliert damit auch seine Altervorsorge.

Nach Kriegsende bemüht er sich, den Entzug seiner Lehrerlaubnis rückgängig zu machen. Dem mittlerweile 71-jährigen Martienssen wird daraufhin eine Lehrauftragsvergütung bewilligt, ohne zu unterrichten. 1952 strengt Martienssen darüber hinaus ein Wiedergutmachungsverfahren an, doch es gelingt ihm nicht, seine Ansprüche durchzusetzen.
ba


Literaturangaben

Uhlig, Ralph: Vertriebene Wissenschaftler der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) nach 1933. Zur Geschichte der CAU im Nationalsozialismus. Eine Dokumentation (Kieler Werkstücke. Reihe A: Beiträge zur schleswig-holsteinischen und skandinavischen Geschichte, 2). Frankfurt am Main u.a. 1991.
DBA = Deutsches Biographisches Archiv [im Campusnetz der Universität Kiel online (22.4.2008)].



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