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Nr. 35, 08.04.2006  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE  Feedback 

Medizin und Olympia

Spitzensport und Studium – Hannes Peckolt wagt den Spagat. Der erfolgreiche Segler studiert Medizin im vierten Semester und trainiert für die Olympischen Spiele in Peking 2008. Wie das geht, erklärt er im Gespräch mit unizeit.


unizeit: Lehrgang des Deutschen Segler-Verbandes in Füssen, Trainingslager in Spanien, daneben diverse Wettkampftermine – woher nehmen Sie neben all ihren sportlichen Verpflichtungen die Zeit für ein Medizinstudium, das nicht gerade dafür bekannt ist, im Fernstudium absolviert werden zu können?

Hannes Peckolt: Das ist schon eine größere Herausforderung, beides unter einen Hut zu bringen. Jetzt im Wintersemester ging es ganz gut, da ich den Sport ein bisschen zurückgefahren habe. Ich habe nur an den Hauptwettkämpfen und den größten Trainingslagern teilgenommen und versucht, das Ganze möglichst in die Weihnachts- und Semesterferien zu packen. Dadurch hatte ich im vergangenen Semester weniger Ausfall. Im Sommersemester wird das sicher schwieriger, da wir sehr viele Wettkämpfe haben und ich jede zweite Woche auf Achse bin.

Wie gleichen Sie diese Fehlzeiten aus? Haben Sie Unterstützung?

Generell gilt für mich natürlich, wie für jeden anderen Studenten auch, dass ich alle Leistungen erbringen muss. Da gibt es keine Ausnahme. Im Rahmen des neuen Kooperationsvertrages der CAU mit dem Studentenwerk, dem Olympiastützpunkt und dem Allgemeinen Deutschen Hochschulsportverband wird seitens der Universität jedoch versucht, den Bundeskader-Sportlern bei der Terminplanung mehr Flexibilität zu ermöglichen, so dass sie die Studien- und Wettkampftermine besser aufeinander abstimmen können.

Welche Erfahrungen haben Sie bisher gemacht? Zeigen die Professoren Verständnis für ihre Situation?

Ja, im Allgemeinen schon. Bis jetzt habe ich meist gute Erfahrungen gemacht. Es kommt sehr auf den Einzelfall an.

Hannes Peckolt

Warum tun Sie sich diese Tortur an, das Nebeneinander von Sport und Medizinstudium?

Das hat sicher auch etwas mit meinem Ehrgeiz zu tun. Viele Leute haben mir sogar davon abgeraten, neben dem Leistungssport Medizin zu studieren. Da dies aber mein Traum ist, habe ich das Studienfach nicht nach der Verträglichkeit mit dem Sport gewählt, sondern habe mich danach gerichtet, was ich später einmal machen möchte. Bis jetzt habe ich es in keiner Minute bereut und das Studium bringt mir eine Menge Spaß.

Wo sehen Sie sich in zehn Jahren beruflich und sportlich?

Ich hoffe, dass ich dann auf eine erfolgreiche Sportkarriere zurückblicken kann und das Studium beendet habe. (lacht) Doch, bis dahin sollte ich es geschafft haben.

Sie gehen also davon aus, dass das Studium ein bisschen länger dauert?

Ja, es wird definitiv ein bisschen länger dauern. Mein Bruder und ich haben unsere seglerische Karriere bis 2008 geplant. Danach will ich erst mal fertig studieren. Wenn man beides gleichzeitig macht, muss man entweder bei dem einen oder beim anderen mehr Abstriche machen. Wenn ich sage, ich mache beides auf Dauer mit einem gleichwertigen Zeitaufwand, dann sind auch die Fortschritte in beiden Bereichen wohl eher Mittelmaß. Bis 2008 steht daher mehr der Sport im Vordergrund, und ich werde auch das eine oder andere Urlaubssemester nehmen müssen, danach möchte ich mich voll aufs Studium konzentrieren und es ohne Unterbrechung straff durchziehen. (ne)
Hannes Peckolt (23 Jahre) segelt seit dem Jahr 2000 gemeinsam mit seinem Bruder Jan Peter Peckolt in der olympischen 2-Mann-Klasse, dem 49er. In der vergangenen Saison wurden sie Dritter der Europameisterschaft und Sechster der Weltmeisterschaft.
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