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Nr. 35, 08.04.2006  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE  Feedback 

Prof. Dr. Martin Klepper

Im Auge des Betrachters


Die Frage nach der Erzählperspektive gehört zu den grundsätzlichen Elementen der modernen Literatur. Wer ist es, dessen Geschichte ein Schriftsteller erzählt? Und aus welcher Perspektive erzählt er sie? »Bis 1800 gab es nur drei Arten des Erzählens: der Ich-Erzähler, der Briefeschreiber und der allwissende Erzähler, der aus einer kollektiven Perspektive erzählt«, erklärt Professor Martin Klepper. »Die ganze Vielschichtigkeit der Perspektive mit Multiperspektive oder innerem Monolog entwickelte sich im 19. Jahrhundert. Der amerikanische Schriftsteller Henry James (1843 – 1916) zum Beispiel hat den ›point of view‹ als Erster definiert und die Frage der Erzählperspektive als die vielleicht wichtigste Entscheidung des Schriftstellers beim Schreiben benannt.«

In seiner Habilitation erforschte Klepper, Experte für nordamerikanische Literatur, inwieweit Wahrnehmung und die Art des Erzählens zusammenhängen: »Ich habe mich gefragt, wie kann man Beobachtung zu dieser Zeit als interdisziplinäres Phänomen beschreiben, was passiert in der Philosophie, in der Optik, in der Soziologie und in der Psychologie? Wie drückt sich das im Roman aus und wie hängt das zusammen? Da gibt es zum Teil ganz deutliche Zusammenhänge. Die Psychoanalyse zum Beispiel ist im Grunde nur die Theoretisierung romantischer Literatur.« Der fachübergreifende Aspekt ist dem Literaturwissenschaftler dabei besonders wichtig. Die Zusammenarbeit mit anderen Fächern etwa in Form eines Graduiertenkollegs könnte er sich gut vorstellen. (ne)
Martin Klepper, 42 Jahre. Seit Oktober 2005 Professor für Literatur und Kultur Nordamerikas an der Christian-Albrechts-Universität. Geboren in Weinheim an der Bergstraße (Baden-Württemberg). Studium der Fächer Geschichte und Englisch an den Universitäten Konstanz, Bristol, Großbritannien, und Binghamton, New York/USA. 1994 Promotion im Fachbereich Neuere Fremdsprachliche Philologien der Freien Universität (FU) Berlin. Lehrbeauftragter am John F. Kennedy Institut für Amerikastudien der FU Berlin. 1996 zweites Staatsexamen. Lehrer für Sekundarstufe I und II in Berlin. Wissenschaftlicher Assistent am Institut für Anglistik und Amerikanistik der Universität Hamburg. 2004 Habilitation. Akademischer Rat für Anglistik am Institut für fremdsprachliche Philologien der Universität Koblenz-Landau.
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