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Nr. 35, 08.04.2006  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE  Feedback 

Wissenschaft gestaltet sich selbst!

Mit Professor Jörn Eckert verliert die Universität einen ihrer renommiertesten Gelehrten. Die Forschungs­schwerpunkte des Schleswig-Holsteiners lagen bei der europäischen Rechts- und Verfassungsgeschichte und der Zeitrechts­geschichte. Bereits seine Habilitationsschrift über die Ausbreitung, Ausgestaltung und Aufhebung der geschlos­senen Adelsgüter, der sogenannten Fideikommisse, begründete Jörn Eckerts Ruf als einer der anerkanntesten Rechtshistoriker im deutschen Sprachraum.

Im Mittelpunkt seines Interesses stand in den letzten Jahren die richterliche Spruchpraxis des Berliner Kammergerichts unter dem preußischen Allgemeinen Landrecht von 1794, über die er nach Abschluss seines Rektorats eine Monografie vorlegen wollte. Jörn Eckert gehörte zu den ersten, die die Rechtsgeschichte der DDR ergründeten, so erschloss er die Quellen zum DDR-Zivilgesetzbuch und zur Babelsberger Konferenz von 1958, einem Markstein der politischen Steuerung und Instrumentalisierung der DDR-Rechtswissenschaft. Um die Instrumentalisierung von Wissenschaft und Rechtsprechung ging es ihm auch in der Untersuchung, die sich mit der Geschichte der Kieler Rechtswissenschaftlichen Fakultät im Nationalsozialismus beschäftigt. Ein offener Umgang mit der Geschichte gerade in ihren dunklen Phasen lag ihm sehr am Herzen.

Im Juli 2005 wurde Jörn Eckert zum Mitglied der Hamburger Akademie der Wissenschaften ernannt. An der feierlichen Gründung der neuen Akademie Anfang dieses Jahres konnte er nicht mehr teilnehmen. Seit November hat er das Krankenhaus nicht mehr verlassen. Seinen Studenten war er ein gleichermaßen begnadeter wie verehrter Lehrer, der mehrere weit verbreitete Lehrbücher zum geltenden Zivilrecht hinterlässt. Ausdruck fand die Wertschätzung der Studierenden in der Forderung »Eckert muss bleiben!«, als dieser 2001 einen Ruf an die Kölner Universität erhalten hatte. Unvergleichlich vor allem die Verantwortung, die er seinen Schülern entgegenbrachte: Nichts dünkte ihn schlimmer als ein begabter junger Mensch, der hinter seinen Möglichkeiten zurückblieb. Mittels einer gehörigen Portion Drucks, konnte er ein wenig verschmitzt erzählen, habe er es bis dato geschafft, dass noch keiner seiner Doktoranden aufgegeben habe. Der fast väterlichen Zuwendung, die er seinen Schülern ebenso entgegenbrachte, pflegte er sich nicht zu rühmen.

Als Rektor war sein ganz besonderes Anliegen, das sich beschleunigende Auseinanderdriften von Geistes-, Natur- und Sozialwissenschaften aufzuhalten. Seine drängende Sorge galt von Anfang an darüber hinaus der Überregulierung von Forschung, Lehre und Verwaltung durch behördliche Vorgaben aus Brüssel, Berlin und den jeweiligen Bundesländern. Hochschulen brauchen Freiräume, finanzielle wie zeitliche. Jörn Eckert wusste: Die Freiheit der Universität ist gleichsam der Katalysator von Erkenntnis. Für Freiräume und Freiheit hat er Zeit seines Lebens gekämpft, als Wissenschaftler, Lehrer, Präsident des Hochschullehrerverbandes und später als Rektor.

Rektorat der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
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