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Nr. 41, 07.04.2007  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE 

Chinesische Wege zum Minimalen

Noch bessere Handys dank noch kleinerer Zutaten. Für die Technische Fakultät ist das kein Traum, sondern ein Ziel. Der chinesische Gastwissenschaftler Liang Li will helfen, es zu erreichen.


Dr. Liang Li aus der chinesischen Fünf-Millionen-Einwohner-Stadt Nanjing forscht als Humboldt-Stipendiat für ein Jahr in Kiel. Foto: mag

Dr. Liang Li ist 29 Jahre jung und in seiner Heimat einer der Besten. Genau genommen gehört er zu den Besten der Besten, denn nur die haben die Mög­lichkeit, ein Stipendium der Alexander-von-Humboldt- Stiftung für einen einjährigen Forschungsaufenthalt in Deutschland mit Verlängerungs­option zu bekom­men. Der Chemie-Absolvent der Nanjing University in der Nähe von Shanghai bewältigte diese strenge Auswahlprozedur locker. Und er ist glücklich in Kiel. Nicht nur, weil er dort nach eigenen Worten bislang fast ausnahmslos »sehr nette Menschen« getroffen hat, sondern auch, weil ein Humboldt- Stipendium in seiner Heimat als Synonym für Karriere gilt.

Doch von nichts kommt nichts. Der schon in jungen Jahren vielfach ausgezeichnete Chemiker hat sich für sein zunächst einjähriges Engagement im Institut für Materialwissenschaften in der Kaiserstraße viel vorgenommen. Der Chemiker will er in dieser von Physikern und Materialwissenschaftlern dominierten Einrichtung zur äußerst zukunftsträchtigen Nanotechnologie beisteuern.

Liang Li konzentriert sich dabei unter anderem auf winzige Metallpartikel in Kunststoff, eine Kombination, die dort zum Einsatz kommen kann, wo magnetische Materialien für sehr hohe Frequenzen benötigt werden. Damit ist der chinesische Wissenschaftler auf direktem Weg beim Handy angelangt. Das nämlich könnte noch einmal kleiner und vor allem deutlich effektiver werden, gelänge es, seine magnetischen Komponenten auf Basis von Nanotechnologie zu bauen. Für Professor Franz Faupel, den Leiter des Lehrstuhls für Materialverbunde, liegt der Schwerpunkt auf dem Stichwort Effektivität. Denn je effektiver ein Handy im elektromagnetischen Bereich arbeitet, desto weniger interne Streufelder produziert es und desto kompakter kann es aufgebaut werden. Wie hellhörig die Hersteller bei diesem Thema inzwischen geworden sind, zeigt sich daran, dass die Kieler Experten inzwischen mit Firmen wie Infineon und IBM Gespräche über ihr Projekt führen. Bedeutung haben solch minimalistische Kunststoff-Metall-Kombinationen aber nicht nur in Handys, sondern auch als Bestandteile von optischen Filtern und – in Verbindung mit so genannten Kohlenstoff-Nanoröhrchen – in Sensoren für organische Dämpfe. Solche Sensoren wiederum sind wichtig für die Arbeitssicherheit und können zum Beispiel Aceton wahrnehmen, noch ehe die betroffenen Menschen schlimme Verätzungen oder letztlich gar Krebs erleiden müssen.

Wissenschaftlich selbstständig und zugleich ins Team eingebunden will Liang Li in all diesen Bereichen schon Ende dieses Jahres vorzeigbare Ergebnisse auf den Tisch legen. Professor Faupel ist zuversichtlich, dass das auch klappen wird. Bisweilen sind nach seinen Angaben bei solchen Stipendien sogar schon Patente herausgekommen. Was für den Kieler Hochschullehrer nur ein spektakulärer Beweis von vielen dafür ist, dass solche Kooperationen längst nicht mehr wie eine Einbahnstraße als wissenschaftliche Entwicklungshilfe funktionieren: »Das Niveau ist global und besonders in China so hoch geworden, dass in aller Regel beide Seiten profitieren.« (mag)
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