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Nr. 44, 27.10.2007  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE 

Erich Schneider

Der Professor für Wirtschaftliche Staatswissenschaft und ehemalige Direktor des Instituts für Weltwirtschaft lehrte von 1946 bis 1968 an der Kieler Universität. Er gilt als einer der bedeutendsten Nationalökonomen des 20. Jahrhunderts.


Erich Schneider

»Erich Schneider war zu seiner Kieler Zeit der wohl ein­flussreichste Wirschaftstheoretiker in Deutschland«, schreibt Professor Wolf Schäfer von der Hamburger Helmut-Schmidt-Universität in einer Kurzbiografie. Schneiders zunächst dreibändige »Einführung in die Wirtschaftstheorie«, die in den Jahren 1946 bis 1952 entstand, war damals Pflichtlektüre aller angehenden Ökonomen. Mit dieser »Ein­führung«, die, so Schäfer, von Kiel aus zu einer generellen Neukonzeption des wirtschaftswissenschaftlichen Studiums an deutschen Hoch­schulen führte, stellte Schneider nach Hitlerzeit und zweitem Weltkrieg den Anschluss der deutschen Nationalökonomie an das internationale Niveau wieder her.

Erich Schneider wurde am 14. Dezember 1900 im west­fälischen Siegen geboren. Er studierte Mathematik, Physik und Volkswirt­schaftslehre in Frankfurt am Main, Göttingen und Münster. 1922 wurde er in Frankfurt am Main promoviert, bis 1936 arbeitete er als Gymnasial­lehrer. 1932 habilitierte er sich an der Rechts- und Staats­wissenschaftlichen Fakultät der Universität Bonn. »Obwohl er sich bei einem der ganz Großen seines Fach, bei Joseph Schumpeter, habilitierte, passte er als ausgebildeter Mathematiker nicht so recht in die wirtschaftswissenschaftliche Forschung Deutschlands«, berichtet Professor em. Horst Herberg. So trat Schneider 1936 an der neu gegründeten Universität in Åarhus, Dänemark, eine Professur für Betriebswirtschaftslehre an.

»Seine Forschungs- und Lehrtätigkeit in Dänemark ermöglichte es Erich Schneider, während des Dritten Reiches bereits bestehende Kontakte zu skandinavischen und angelsächsischen Fachkollegen zu pflegen, neuere wissenschaftliche Erkenntnisse aufzunehmen und wichtige eigene Beiträge hierzu zu leisten.« Er hatte Zugang zu moderner wirtschaftswissenschaftlicher Literatur, die in Hitlerdeutschland nicht verfügbar war. Mit diesem Hintergrund konnte er, als er 1946 nach Kiel berufen wurde, eine moderne, theoretisch orientierte Volkswirtschaftslehre lehren. »Schneider hat wesentlich dazu beigetragen, dass in der wirtschaftswissenschaftlichen Ausbildung der Einfluss der Historischen Schule zurückgedrängt wurde und sie stattdessen auf die Grundlage moderner Theorie gestellt wurde«, so Herberg, der bis 1999 einen Kieler Lehrstuhl für Volkswirtschaft innehatte. »Dabei legte er Wert auf die angemessene Verwendung mathematischer, statistischer und ökonometrischer Methoden.«

Schneider war 1959/60 Rektor der CAU. Am 1. April 1961 übernahm er die Leitung des hiesigen Instituts für Weltwirtschaft (IfW) als Nachfolger von Fritz Baade und Vorgänger von Herbert Giersch. Den vierten Band seiner »Einführung in die Wirtschaftstheorie« schrieb er 1962. »Erich Schneider war ein begnadeter, begeisternder Lehrer und ein stets um Erkenntnis und Klarheit ringender Forscher«, erinnert sich Herberg. »Er stellte hohe Anforderungen an sich selbst und an die, die bei ihm studierten und mit ihm arbeiteten. Sein Ziel war es, andere zum eigenständigen, kritischen Denken anzuleiten.«

Er erhielt viele Auszeichnungen, unter anderem die Ehrendoktorwürden der Freien Universität Berlin, der Handelshochschule Helsinki, der Universität Louvain, der Universität Rennes und der Universität Madrid. 1968 bekam er das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Er war Ehrenmitglied der American Economic Society, Mitbegründer der Econometric Society und Mitglied verschiedener wissenschaftlicher Akademien. Erich Schneider hatte viele Schüler, die nach Examen, Promotion oder Habilitation an verantwortlicher Stelle in Unternehmen, Verwaltungen, Ministerien und vor allem auch an Universitäten tätig waren und die sich immer gern an ihren verehrten akademischen Lehrer erinnert haben. Am 5. Dezember 1970, kurz vor seinem 70. Geburtstag, starb Erich Schneider während einer Vortragsveranstaltung in der Kieler Deutsch-Nordischen Burse. (ne)

Zum Weiterlesen: Wolf Schäfer: Erich Schneider (1900–1970). Christiana Albertina 2004 (59). S. 54–57
Gedächtnisvorlesung und Preis
Für die diesjährige Erich-Schneider-Gedächtnisvorlesung konnten die Direktoren der Volkswirtschaftlichen Institute wieder einen prominenten Redner gewinnen: Bundesfinanzminister Peer Steinbrück. Der Diplom-Volkswirt wird am 2. November über den »Standort Deutschland im internationalen Wettbewerb – Status und Perspektiven« sprechen. Zuvor wird Professor Johannes Bröcker die Erich-Schneider-Preise für herausragende Dissertationen und Diplomarbeiten mit Themenschwerpunkt im Fach Volkswirtschaftslehre verleihen.

Bereits seit 1986 wird mit diesen Preisen sowie der Gedächtnisvorlesung an den ehemaligen VWL-Professor der CAU und Direktor des Kieler Weltwirtschaftsinstitutes gedacht. »Bei Bewerbungen haben die Erich-Schneider-Preise gelegentlich eine Rolle gespielt«, weiß Professor em. Horst Herberg, auf dessen Idee diese Initiative zurückgeht. Das Preisgeld kommt aus einer von Erich Schneider und seiner Gattin geschaffenen Stiftung. (ne)
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