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Nr. 51, 13.12.2008  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE 

Karrierefrauen vom Kieler Campus

Sie waren klug, stark und promovierten in Kiel, als Frauen dort noch gar nicht so lange zum Studium zugelassen waren – drei Vorkämpferinnen im Porträt.


Harriet Wegener, Lena Ohnesorge (bei der Vereidigung als Ministerin) und Betty Heimann

Dr. Harriet Wegener (geb. 1890, gest. 1980 in Hamburg)

Auch wenn sie fast die Hälfte ihres Lebens als Lektorin beim Verlag Hoffmann und Campe arbeitete – angefangen hatte sie ganz anders: 1922 promovierte sie an der CAU in der Sozialpolitik über »Frauenarbeit im Krieg«. Sie arbeitete als Leiterin der Sozialen Frauenschule in Kiel, danach bis zu ihrer Entlassung 1934 im Institut für Auswärtige Politik an der Universität Hamburg. Demokratinnen waren im »Tausendjährigen Reich« einfach nicht vorgesehen. Schon ein Jahr zuvor ließ sich deshalb der Zonta-Club in Hamburg, in dem sie eines der ersten Mitglieder war und der es sich zur Aufgabe gemacht hatte, die Stellung der Frau zu verbessern, aus dem Vereinsregister streichen, um sich fortan heimlich zu treffen. Ab 1942 arbeitete Wegener freiberuflich als Übersetzerin für den Verlag Hoffmann und Campe, der 1944 verboten wurde. Nach dem Krieg half sie bei seinem Wiederaufbau. Von den englischen Besatzungsbehörden wurde sie in die erste Hamburger Bürgerschaft berufen. Außerdem war sie Mitglied des Zulassungsausschusses der Philosophischen Fakultät und Mitbegründerin der Deutsch-Französischen Gesellschaft Cluny. Bis zu ihrem Tod arbeitete sie für Hoffmann und Campe.


Dr. Lena Ohnesorge (geb. 1898 in Prenzlau, gest. 1987 in Lübeck)

»Fragt man jemanden im Lande zwischen den Meeren nach Persönlichkeiten, die, in der Mark Brandenburg geboren, auch in Schleswig-Holstein Bedeutung erlangt haben, darf ihm neben Theodor Fontane getrost Dr. Lena Ohnesorge einfallen«, war noch im Juli diesen Jahres im Schleswig-Holsteinischen Ärzteblatt zu lesen.

Ein starkes Vorbild bekam die so Gewürdigte von Geburt an mitgeliefert: Ihre Mutter wurde 1919 nach Einführung des Frauenwahlrechts erste weibliche Stadtverordnete in Prenzlau. Nachdem Ohnesorge 1918 das Abitur bestanden hatte, studierte sie unter anderem an der CAU, wo sie 1923 auch promovierte. Zwei Jahre später ließ sie sich als praktische Ärztin in Prenzlau nieder und heiratete. Während des Zweiten Weltkrieges kümmerte sie sich mutig um Kriegsverletzte gleich welcher Herkunft. Danach baute sie aus dem Nichts eine neue Praxis in Lübeck auf, wo sie 1957 als erste Frau in eine schleswig-holsteinische Landesregierung einzog, als Ministerin für Arbeit, Soziales und Vertriebene. Sie kämpfte für die Belange der Frau im Berufs- und Privatleben. So setzte sie sich beispielsweise für die Einführung einer Hausfrauenrente ein.


Dr. Betty Heimann (geb. 1888 in Hamburg, gest. 1961 am Gardasee)

Nach ihr wurde auf dem Campus der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg eine Straße benannt. Als Tochter eines jüdischen Bankiers wuchs sie in Hamburg-Wandsberg auf, studierte in verschiedenen Städten Klassische Philologie und Sanskrit, bis sie schließlich an der Kieler Uni über einen Upanisader-Kommentar des Madhvas promovierte und sich 1923 an der Universität Halle habilitierte. Sie interessierte sich mehr für die indische Philosophie als für die Sprache. Die Forschungsarbeit der – wegen ihrer Lebendigkeit bei den Studenten sehr beliebten – Privatdozentin »Studium der Eigenart indischen Denkens« wurde 1930 vom Internationalen Akademikerinnenbund für die beste wissenschaftliche Arbeit einer Frau honoriert. 1931 erhielt Heimann eine außerordentliche Professur an der Universität Hamburg. Doch wurden da schon die Auswirkungen der nationalsozialistischen Politik spürbar. Als ihr 1933 die Professur entzogen wurde, war sie gerade auf einer Forschungsreise in Indien, für deren Finanzierung sie lange gekämpft hatte. Sie kehrte nie nach Deutschland zurück, sondern lehrte von da an indische Philosophie an der University of London und in Oxford. 1957 wurde sie – rückwirkend ab 1935 – von der Universität Halle zur ordentlichen Professorin ernannt.

Jana E. Seidel
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