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Nr. 56, 24.10.2009  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE 

Justus Olshausen

Der Professor für orientalische Sprachen war zusammen mit seinem Bruder Theodor in Kiel während der 1848er Revolution ein Wegbereiter der Demokratie.


Justus Olshausen
Foto: CAU

Justus Olshausen war als Wissenschaftler angesehen, in Erinnerung bleibt aber vor allem sein Eintreten für die Eigenstaatlichkeit Schleswig-Holsteins innerhalb Deutschlands. Dafür sorgt seit Juni 2009 auch eine Gedenkstele vor dem Unihochhaus. Sie erinnert an die Brüder Justus und Theodor Olshausen und ihre Verdienste für die 1848er Demokratiebewegung. Initiator für die Errichtung des Denkmals war der Historiker Dr. Joachim Reppmann aus Flensburg mit Zweitwohnsitz in Minnesota, USA.

Justus Olshausen wurde am 9. Mai 1800 in Hohenfelde geboren. Bereits mit 16 Jahren schrieb sich der Pastorensohn an der Kieler Universität ein. »Sein Studium und damit sein ganzer Eifer galt von Anfang an der Orientalistik«, erzählt Universitätspräsident Professor Gerhard Fouquet bei der feierlichen Einweihung des Denkmals. »Doch ein "braver Bursche" im Sinne der Obrigkeit war Justus Olshausen beileibe nicht mehr. Er hatte sich nämlich der burschenschaftlichen Bewegung angeschlossen.« 1817 nahm er am Wartburgfest der deutschen Studentenschaft teil und beteiligte sich an den Forderungen nach Nationalstaat und freiheitlicher Verfassung. Dass dies ohne negative Konsequenzen blieb, verdankte er dem Konsistorium der Kieler Universität. Es stellte sich in einem von der Regierung eingeforderten Bericht über die Anwesenheit von Kieler Studenten auf der Wartburg schützend vor Justus Olshausen und seine Kommilitonen. Sein Studium führte Justus Olshausen auch nach Berlin und Paris, wo er Alexander von Humboldt kennenlernte. 1823 promovierte Olshausen zum Doktor phil. und erhielt im gleichen Jahr eine außerordentliche Professur für orientalische Sprachen an der Kieler Universität. 1830 wurde er zum Ordinarius in der Philosophischen Fakultät ernannt. Für seine besonderen Verdienste in der Wissenschaft erhielt er 1840 den Danebrogorden, der nach der Flagge Dänemarks – Dannebrog – benannt ist. Politisch aktiv war er weiterhin.

Im Revolutionsjahr 1848 wurde er Kurator der Kieler Universität und übte zeitweise im Führungsgremium der Landesversammlung großen politischen Einfluss aus. Nach dem Scheitern der schleswig-holsteinischen Erhebung waren seit dem 1. Februar 1852 die schleswig-holsteinischen Herzogtümer wieder der dänischen Regierung unterstellt. Jeder Beamte hatte um seine erneute Bestallung zu bitten, nicht so Justus Olshausen. »Er gab vielmehr als Ausfluss seiner deutschnationalen Haltung den Danebrogorden zurück und wurde aufgrund dieser spektakulären politischen Aktion zusammen mit sieben weiteren seiner Kollegen an der Kieler Universität am 11. Juni 1852 als "nicht geeignet befunden", weiterhin im Staatsdienst zu bleiben«, so Fouquet.

Das Ende seiner Karriere war das aber nicht. Auf Empfehlung Alexander von Humboldts, des Studienfreunds aus Pariser Zeiten, wurde Justus Olshausen im Juli 1853 zum Professor und Oberbibliothekar an die Universität Königsberg berufen, fünf Jahre später ernannte man ihn zum Geheimen Regierungsrat und Vortragenden Rat im preußischen Kultusministerium zu Berlin. Er war Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften und weiterhin auch wissenschaftlich aktiv. So publizierte er 1861 sein Hauptwerk: "Das Lehrbuch der hebräischen Sprache". Für die Kieler Universität war er – als zuständiger Beamter für sämtliche Universitäten Preußens – auch in Berlin von Nutzen. »Mit einiger Sicherheit hatte er seine schützende Hand im Spiel, die darniederliegende Kieler Universität, die 1869 nur noch 167 Studenten aufwies, zu retten und weiter zu entwickeln«, vermutet Fouqet. »Wahrscheinlich dankte ihm die Kieler Universität sogar ihr neues Hauptgebäude, das 1876 im nördlichen Teil des Schlossgartens feierlich eröffnet wurde.« Zwei Jahre zuvor, im Februar 1874, war Justus Olshausen auf eigenen Wunsch in den Ruhestand versetzt worden. Am 28. Dezember 1882 starb er in Berlin.

Kerstin Nees
Der Bruder: Theodor Olshausen
Justus Olshausens jüngerer Bruder Theodor, 1802 in Glückstadt geboren, studierte in Kiel und Jena Jura. Er war einer der Wortführer der Märzrevolution von 1848, die er als Herausgeber des "Kieler Correspondenzblatts" politisch maßgeblich vorbereitet hatte. Als Mitglied der Provisorischen Regierung setzte er sich unter anderem für eine freie Presse ein. 1851, nachdem die Revolution gescheitert war, flüchtete er in die USA. In Amerika war er Chefredakteur und Mitinhaber der deutschsprachigen Zeitungen "Der Demokrat" in Davenport, Iowa und "Westliche Post" in St. Louis, Missouri. »Auch in den USA setzte Olshausen sich für die Verwirklichung seiner republikanischen Vorstellungen ein und äußerte sich beispielsweise publizistisch für die Abschaffung der Sklaverei«, so Dr. Joachim Reppmann. 1865 kehrte er nach Europa zurück. Er starb 1869 in Hamburg. (ne)
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