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Nr. 61, 10.07.2010  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE  Feedback 

Einwurf: Europäische Werte

Felix Konrad. Foto: privat

Die europäische Zivilisation galt im 19. Jahrhundert als Vorbild, da sie technisch, politisch und gesellschaftlich am weitesten fortgeschritten war. Das rechtfertige aber nicht, andere Kulturen anhand europäischer Werte zu beurteilen, meint Dr. Felix Konrad. Der Juniorprofessor für Außereuropäische Geschichte erforscht die Islamische Welt in der Neuzeit.

unizeit: Wirtschaftlich gesehen sind Länder wie China oder die USA Europa überlegen. Trotzdem halten wir unsere Kultur für die »bessere«. Woher rührt das?
Felix Konrad: Europa stand im 19. Jahrhundert im Zentrum der Welt. Großbritannien und Frankreich waren die herrschenden Weltmächte und konnten dem Rest der Welt die eigenen Wertvorstellungen aufzwingen. Das heißt natürlich nicht, dass Gesellschaften außerhalb Europas passiv waren und sich nur von Europa dirigieren ließen. Sie übernahmen europäische Konzepte nicht eins zu eins, sondern passten sie an die lokalen Begebenheiten an und formten sie zu etwas Eigenem um.

Wie kann man kulturelle Unterschiede gelten lassen, wenn damit verbunden ist, dass Menschenrechte verletzt werden?
Wenn Menschenrechte verletzt werden, darf das nicht mit kulturellen Unterschieden entschuldigt werden. Die Menschenrechte, die in Europa entwickelt wurden, sind universale Werte und werden in weiten Teilen der Welt anerkannt. Das hat nichts mit dem Überstülpen von Ideen und Werten aus Europa zu tun. Auch wenn zum Beispiel chinesische Funktionäre das so auffassen und sagen: Chinesen sind anders, wir haben eine andere Beziehung zu Menschenrechten, zur Politik und zur Staatsvorstellung.

Und das ist Ihrer Meinung nach falsch?
Diesen Ansatz, jede Kultur, jede Zivilisation ausschließlich aus der eigenen Geschichte heraus gelten zu lassen, greift oft zu kurz. Denn wer so argumentiert, läuft Gefahr, Kulturen als geschlossene Blöcke zu betrachten und schließt die Möglichkeit einer Verständigung aus.

Kerstin Nees
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