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Nr. 61, 10.07.2010  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE  Feedback 

Sicher schwanken

Eine Motor- und Segelyacht können auch ältere Menschen problemlos bedienen, sofern die Boote altersgerecht konstruiert sind. Wo es Verbesserungsbedarf im Bootsbau gibt, erkundet eine Kieler Sportwissenschaftlerin.


Gerät das Boot in Schieflage, helfen ein sicherer Stand und eine ausreichend hohe Reling. Foto: iStock

»Segeln ist die teuerste Art, unbequem zu reisen.« Mal abgesehen von superteuren Luxusyachten trifft dieser Ausspruch die Bedingungen an Bord ziemlich gut. Beliebt ist die Freizeitschifffahrt trotzdem, insbesondere auch bei älteren Menschen: Von den 500.000 Personen in Deutschland, die ein eigenes Motor- oder Segelboot besitzen, sind rund 45 Prozent älter als 60 Jahre. Doch altersgerecht sind die Boote deshalb noch lange nicht. Wenn im Alter die Beweglichkeit der Hüftgelenke eingeschränkt ist, kann die Reling zum schwer überwindbaren Hindernis werden. Für die steile Treppe im Niedergang fehlt mitunter die nötige Trittsicherheit und der schmale Gang zum Vordeck wird bei starkem Seegang zum Slalomlauf, wenn das Gleichgewichtsvermögen nicht mehr mitmacht. Ungefähr die Hälfte aller älteren Bootseigentümer gibt etwa ab dem 70. Lebensjahr ihr Boot ab, obwohl sie zu diesem Zeitpunkt ihrem Alter entsprechend angemessen gesund und fit sind. Begründet wird dieser Ausstieg in der Regel damit, dass die Handhabung des Bootes »zu anstrengend« geworden sei. Das haben Untersuchungen am Institut für Sport und Sportwissenschaft der Kieler Universität ergeben.

Was das Segeln und Motorbootfahren für ältere Menschen anstrengend machen könnte und wo die Knackpunkte an Bord liegen, möchte die Sportwissenschaftlerin Julia Last in ihrer Doktorarbeit herausfinden. Die Studie der Abteilung Sportmedizin (Leitung: Professor Burkhard Weisser) erfolgt in Kooperation mit der Forschungsvereinigung für die Sport- und Freizeitschifffahrt, Köln, und wird vom Bundeswirtschaftsministerium gefördert. Julia Last betrachtet eine Yacht als ein Sportgerät und analysiert die Bewegungsabläufe und Belastungssituationen, die bei der Bedienung auftreten.

Relevant für das Sportgerät »Boot« ist zum Beispiel die Kraft in Armen, Beinen und Händen, die Beweglichkeit von Hüft-, Knie- und Schultergelenken, das Halten des Gleichgewichts, die Ausdauerleistung und auch Körpermaße, etwa die Unter­schenkellänge und die Sitzhöhe, ab der man noch ohne Hilfe aufstehen kann. Normwerte für diese Parameter gibt es kaum und wenig ist darüber bekannt, wie sie sich mit zunehmendem Alter verändern. Diese Daten wären aber wichtig, um zu ermitteln, wie Boote altersgerecht gebaut werden können.

Daher macht sich die Sportwissenschaftlerin an die Daten­erhebung. Insgesamt 300 Probanden von 30 bis über 70 Jahren, jeweils zur Hälfte Männer und Frauen, will Julia Last einem Fitness- und Bewegungscheck unterziehen. Dafür sucht sie noch Teilnehmer aus allen Altersgruppen, vor allem über 70-Jährige und 40- bis 50-Jährige sind bisher kaum vertreten. Dabei geht es zum Teil auch um ganz banale Dinge. Wie hoch können Männer und Frauen unterschiedlicher Altersgruppen ihr angewinkeltes oder gestrecktes Bein heben? Wie sicher sind sie auf einem Wackelbrett? Und wie gut kommen sie eine Treppe hinauf und hinunter? Zur Beantwortung dieser und anderer Fragen nutzt die Wissenschaftlerin die sportärztliche Ausstattung des Instituts sowie das neu eingerichtete Bewegungslabor, in dem jede Bewegung mit 18 Infrarotkameras komplett erfasst und am Computer ausgewertet werden kann. Das hochmodern ausgestattete Labor der Abteilung Sportpsychologie und Bewegungswissenschaft (Leitung: Professor Manfred Wegner) soll unter anderem auch Kaderathleten der Region und der Olympiastützpunkte zur Verfügung stehen, damit sie hier Bewegungsabläufe analysieren und optimieren können.

Kerstin Nees

Kontakt: Tel. 0431/880-4816
jlast@email.uni-kiel.de
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