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Nr. 82, 18.10.2014  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE 

Präzise Bilder

Das Kieler MOIN CC hat die Messtechnik erfolgreich verbessert, mit der bei einer Magnetresonanztomographie genaue Aufnahmen vom Körperinneren erstellt werden können.


Zur Vorbereitung der Magnetresonanztomographie (MRT) legt Professorin Susann Boretius die schlafende Maus (hier gezeigt mit einem Stofftier) in eine Vorrichtung am Messgerät. Foto: pur.pur

»Wir sind das Bindeglied zwischen Grund­lagenforschung und klinischer Anwendung«, erklärt Susann Boretius, Professorin für Bio­medizinische Bildgebung an der Medizi­ni­schen Fakultät der Christian-Albrechts-Uni­versität zu Kiel. Zusammen mit Professor Claus-Christian Glüer leitet sie das MOIN CC (Molecular Imaging North Competence Cen­ter), eine Sektion der Klinik für Radiologie und Neuroradiologie in Kiel.

»Wir untersuchen, was einzelne Moleküle im lebenden Gesamtorganismus bewirken. Dafür nutzen wir verschiedene diagnostische Me­tho­den, mit denen wir Bilder vom Inneren des Körpers erzeugen können«, erklärt Boretius. Langfristiges Ziel sei es, menschliche Erkrankungen genauer zu ergründen, früh bei Patientinnen und Patienten zu erkennen und besser behandeln zu können.

Für ihre Projekte nutzen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am MOIN CC soge­nannte nichtinvasive Bildgebungsverfahren. Das sind vor allem die Magnetresonanztomographie (MRT), die Computertomographie (CT) sowie diagnostische Methoden, die auf Licht beruhen (optische Bild gebung). Damit wollen sie die Messungen verbessern und die Erkenntnisse in die klinische Anwendung übertragen. Er halten Krebskranke zum Beispiel ein Medikament gegen den Tumor, sollen Ärztinnen und Ärzte möglichst einfach nachverfolgen können, ob die Therapie anschlägt.

Bei ihrer Arbeit im MOIN CC nutzen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Mäuse und Ratten als Modellorganismen. Ein großer Vorteil der Techniken, die Bilder aus dem Körper­inne­ren liefern, ist, dass sie für die Tiere unschädlich sind und sich in der Regel relativ gut auf den Menschen übertragen lassen. Gut gewärmt und überwacht schlafen die Tiere in Vollnarkose während der gesamten Untersuchung.

»Ein großer Vorteil der bildgebenden Verfahren ist, dass wir im Vergleich zu anderen Testverfahren nur relativ wenig Tiere für unsere Versuche benötigen«, erklärt Boretius.

Ein bildgebendes Verfahren, das im MOIN CC opti­miert wird, ist die MRT. Bei einer solchen Unter­suchung nimmt das Gerät eine Serie einzelner Schnittbilder quer durch alle Körper­ebenen auf, die anschließend am Computer zu einem Gesamtbild der Organe zusammengefügt werden. Für diese Untersuchung müssen Patientinnen und Patienten möglichst still in einer engen Röhre liegen.

In seiner Doktorarbeit hat sich Amir Moussavi am MOIN CC mit dieser Methode beschäftigt und sie weiterentwickelt. Statt die Daten Zeile für Zeile zu lesen nimmt er sie radial, in Form einzelner Spei­chen auf. Der Vorteil: Die Messung ist viel schneller und nicht mehr so bewegungsanfällig. Von Mäusen erhält der Doktorand schon scharfe Bilder. »Wir können darauf sogar das Herz schlagen sehen.«

Interessante Einblicke ganz anderer Art in das Innere eines Organismus brachte eine Koopera­tion mit Dr. Dirk Brandis, Kustos im Zoologischen Museum. »Im Zoologischen Museum gibt es sehr seltene Nord- und Ostseekrabben «, erzählt die MOIN CCWissenschaftlerin. Diese sind so kostbar, dass man sie für Untersuchungen nicht zerschneiden darf. »Mittels CT konnten wir die harten Strukturen der Tiere rekonstruieren und mithilfe der MRT die Weichteile im Inneren sichtbar machen.« Die Forscherinnen und Forscher haben die Aufnahmen dann zusammengefügt und konnten so erstmalig den Fortpflanzungsapparat dieser Krabbenarten dreidimensional darstellen, ohne dafür die seltenen Exponate zu zerstören.

Mit einem »Fuhrpark« verschiedener Großgeräte zur Bildgebung steht das MOIN CC allen Arbeitsgruppen der CAU für Kooperationen offen. »Wir versuchen immer, optimale Lösungen für die vielen sehr interessanten Fragestellungen zu finden«, erklärt Boretius. Aber man dürfe es sich nicht so einfach vorstellen wie beim Carsharing, wo ein Auto hingestellt wird und jeder einsteigen und losfahren kann: »Zu unseren Autos gibt es den Fahrer dazu, der zudem gern bei der Routenplanung durch neues Gelände behilflich ist.«

Dr. Ann-Kathrin Wenke
Vielseitige Bildgebung
Gegründet wurde das MOIN CC 2010 mit Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und des Landes Schleswig-Holstein sowie der Medizinischen Fakultät und der Kieler Universität. Ende Oktober 2014 endet die EFRE-Förderung, dann tragen die Medizinische Fakultät und die CAU die Einrichtung allein weiter.

Zum Auftakt dafür veranstaltet das MOIN CCTeam vom 31. Oktober bis 1. November ein Sym­posium, bei dem Forschungsprojekte aus den drei Profilbereichen der Fakultät, Entzündung, Onkologie und Neurologie, vorgestellt werden. (akw)
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