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Nr. 82, 18.10.2014  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE 

Verräterische Venenmuster

Auf der Suche nach Merkmalen, die den Menschen unverwechselbar machen, untersuchte eine Kieler Doktorandin die Venenmuster von Hand und Unterarm. Sie sieht Potenzial in der Methode, etwa für elektronische Bankgeschäfte.


Aufnahmen einer Wärmebildkamera zeigen das Venenmuster zweier Handrücken und eines Unterarms. Die Venen heben sich dadurch hervor, dass sie wärmer sind als das umliegende Gewebe.

Kreditkartenbetrug und andere illegale Machenschaften könnten erschwert werden, wenn sich die von Stefanie Anders erforschte Methode durchsetzt. Die Doktorandin der Uni Kiel untersuchte in ihrer Diplomarbeit im Münchener Institut für Rechtsmedizin die Darstellung des Venenmusters an Arm und Hand. Mit einem thermografischen Verfahren über eine Wärmebildkamera wollte sie eine alternative Identifizierungsmethode finden. Ihre Arbeit stellte Stefanie Anders in der Vortragsreihe Docs Talks des Graduiertenzentrums vor.

Zutrittskontrollen, Bankgeschäfte oder Bezahlvorgänge über biometrische Identifikationsverfahren zu regeln, könnte in unserer hochtechnologisierten Welt an Bedeutung gewinnen und somit auch von Betrügerinnen und Betrügern ins Auge gefasst werden. In Brasilien finden Handvenenscanner bereits seit Dezember 2013 im Geldautomatenbereich der größten Privatbank Brasiliens Anwendung.

»Kriminelle sind relativ erfinderisch, deswegen ist die Nachfrage nach neuen fotoidentifizierenden Methoden sehr groß. Das sind Verfahren, mit denen Menschen durch Bilddokumente eindeutig identifiziert werden können.« Bisher werden vor allem der Fingerabdruck und das biometrische Passfoto als Persönlichkeitsnachweis verwendet. Eine Alternative dazu könnte das Venenmuster am Unterarm und an der Hand sein. Vorausgesetzt, es ist sichtbar, charakteristisch für eine Person und ändert sich während des Lebens nicht. Ob das so ist, fragte sich die 29-jährige Diplombiologin in ihrer Forschungsarbeit.

An 52 Freiwilligen untersuchte Anders, welche Unterschiede es beim Venenmuster der rechten und linken Extremität sowie zwischen verschiedenen Personen gibt. Mit einer Infrarotkamera nahm sie von jeder Testperson Bilder von der Innenseite des Unterarms und den Handrücken auf. Die Messungen erfolgten einmal im Ruhezustand und zusätzlich unter Nachstellung realistischer Bedingungen wie Temperaturschwankungen, Alkohol- oder Tabakkonsum. »Es zeigte sich, dass Kälte, Wärme, Nikotin und Alkohol die Sichtbarkeit der Venen aufgrund der veränderten Durchblutung verbessern.« Zwischen den Testpersonen konnten Unterschiede in Anzahl, Abstand und Winkel der Venenverzweigungen sowie zwischen rechts und links nachgewiesen werden. »Diese Unterschiede reichen aber nicht aus, um die Person eindeutig zu identifizieren«, fasst Anders ihre Ergebnisse zusammen.

Zudem konnte die Wissenschaftlerin bei Männern eine höhere Anzahl von Verzweigungen der Venen am Unterarm feststellen. Rechts- und Linkshänder wiesen hingegen ein ähnliches Venen­muster an beiden Händen auf. Anders: »Es wäre zu erwarten gewesen, dass die dominante Hand aufgrund ihrer stärker ausgeprägten Feinmotorik ein feiner verzweigtes Venenmuster hat, um eine erhöhte Durchblutung zu gewährleisten. Diese Vermutung ließ sich nicht bestätigen.« Neben dem Geschlecht und der Händigkeit sind viele weitere Einwirkungen auf das Venenmuster vorstellbar. Tageszeitliche Blutdruckschwankungen, Alter, Hautfarbe und Herkunft sowie Lebensgewohnheiten könnten die Sichtbarkeit und Ausprägung des Venenmusters beeinflussen.

Einschränkend erklärt die Biologin, dass die Größe ihrer Studie noch keine allgemeinen Schlüsse zulässt. »Die Studie mit einem größeren Probandenkollektiv und einer sensibleren Wärmebildkamera zu wiederholen, fände ich sehr interessant. Das Venenmuster ist nur schwer manipulierbar, und größer angelegte Studien mit höher entwickelten Wärmebildkameras deuten an, dass es spezifisch für eine Person ist und dass auch feine Venenverzweigungen dargestellt werden können. Ich denke, dass die Identifizierung anhand des Venenmusters Zukunft hat.« Fürs Erste muss sie sich aber auf ihre Doktorarbeit in der Humanbiologie konzentrieren. Darin geht es um die innere Uhr und ihre Veränderung mit dem Alter.

Raissa Nickel

Docs Talks, ab dem 4. November 2014 jeden Dienstag,
18:15 bis 20:00 Uhr, Klaus-Murmann-Hörsaal, Leibnizstraße 1
www.graduiertenzentrum.uni-kiel.de/de/docs-build-bridges/docs-talks
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