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Nr. 82, 18.10.2014  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE 

Nachhaltige Karottenpower

Die Mitglieder studentischer Projekte machen sich stark für nachhaltigen Gemüseanbau auf dem Campus und für »grünes« Kochen.


Klein, aber mein. Die Hochbeete auf dem Uni-Campus können Interessierte nach Lust und Laune bewirtschaften, sofern sie eins ergattern. Foto: Ehlke

Urban Gardening, das Gärtnern in städtischem Umfeld, erobert ungenutzte Freiflächen in der Stadt. Diese kann jeder und jede nutzen, um für sich selbst oder andere frisches Grün heranzuziehen. Der Trend – als Vorreiter gelten die Berliner Prinzessinnengärten im Stadtteil Kreuzberg – hat auch Kiel erreicht: 27 Hochbeete auf dem Unigelände werden gegen eine Gebühr von 25 Euro pro Saison an Studierende sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Universität verpachtet und können dann individuell gestaltet und bepflanzt werden. Eine Gartensaison dauert von April bis Oktober. Der Winter wird für Instandsetzung genutzt. Organisiert wird das Ganze vom Team CampusGemüse Kiel.

Vor der Universitätsbibliothek ragen leuchtend gelbe Sonnenblumen aus Hochbeeten, daneben gedeihen Salat, Kürbis, Kohl und Karotten. Maren Jähne und Hove Thießen wässern gerade ihr Beet, die beiden gehören zum Team von CampusGemüse. »Ein Stück näher an der Ernährung dran sein«, so nennt die 25-jährige Studentin Jähne das Ziel des Projektes. Sie studiert das Masterfach Sustainability, Society and the Environment und hat erste Erfahrungen mit Biogemüse auf dem Hof ihres Onkels gesammelt. Alle am Projekt Beteiligten könnten nicht nur unmittelbar erfahren, wie regional produzierte Lebensmittel aus rein ökologischem Anbau schmecken, sondern auch lernen, was beim Anbau bedacht werden muss. Wie wächst Gemüse? Wie viele Sorten gibt es? Wie viel Arbeit steckt dahinter? Fragen dieser Art beschäftigen die Gruppe.

Gute Ergebnisse gibt es zum Beispiel mit dem Anbau von Zucchini. »Letztes Jahr hatte ich so viele Zucchini, dass ich sie verschenkt habe«, berichtet der 26-jährige Geographiestudent Thießen.

Das Projekt »Garten für alle« geht gerade in eine erfolgreiche zweite Saison. Deutlich abzulesen ist das nicht nur an dem üppigen Grün, sondern auch an der langen Warteliste für die Beete. Über den großen Andrang freuen sich beide. Die neueste Idee der Urban Gardener sind vier Beete vor der Mensa am Westring, von denen alle Vorbeigehenden ernten können. Bepflanzt sind sie mit Beerensträuchern und Kräutern. »Wer zuerst kommt, pflückt zuerst«, erklären die Studierenden.

Zur Gruppe gehört auch Ulrike Zander, die im Germanistischen Seminar der Universität angestellt ist. »Zu Hause habe ich keine Gelegenheit zum Gärtnern«, bedauert sie. »Umso mehr hat mich die Idee eines Hochbeetes hier an der Uni angesprochen.« Pflücksalat, Spitzkohl und Petersilie wachsen im Augenblick auf ihrem Beet. Einige Erdbeerpflanzen hat sie von den Vorpächtern Vorpächtern übernommen. In der Mittagspause wird gegossen und Unkraut gejätet, auf dem Weg nach Hause erntet sie schnell noch ein paar Kräuter für das Abendessen. Das Erfolgserlebnis beflügelt. 35 bis 40 Personen arbeiten im Augenblick an den Beeten. In der Saison treffen sie sich montagabends zum gegenseitigen Austausch und gelegentlich zum gemeinsamen Essen. Interessierte und Neugierige sind jederzeit herzlich willkommen.

Der ökologische Trend Urban Gardening hat nicht nur den Kieler Campus ergriffen. Vergleichbare Projekte finden sich an der Universität in Köln (Campus Garten), der Fachhochschule in Münster (GrüneBeete) und in Leipzig (Queerbeet). In Kiel gärtnert zudem eine interkulturelle Gruppe von Jugendlichen in Gaarden (Ga[a]rdening!) und wen es, fernab vom Campus, Richtung Holtenauer Straße zieht, der kann auf einem öffentlichen Gemüsebeet ausprobieren, wie grün der jeweilige Daumen ist. Gut Beet!

Auf Nachhaltigkeit, saisonale Produkte und kurze Wege zwischen Produktion und Verbrauch setzt auch das Projekt Campus kocht Grün. Auf ihrer Homepage bieten die Mitglieder Ideen für nachhaltiges Kochen und Einkaufen sowie Rezeptvorschläge.

Celia Ehlke

► campuskochtgruen.wordpress.com/category/teilnehmer-rezepte-fb-rezeptwettbewerb
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