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Nr. 82, 18.10.2014  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE 

Über den Wolken

25 Kilometer über der Erde forschen? Dank eines speziellen Programms ist das auch schon für Studierende möglich.


Sebastian Martensen hat in Holland einen Kurs für eltraumgerechtes Löten belegt und profitiert nun von seiner Fertigkeiten. Foto: mag

REXUS/BEXUS bedeutet so viel wie Raketen- und Ballon-Experimente für Universitätsstu­die­rende und ist ein Gemeinschaftsprojekt des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) sowie der nationalen schwedischen Weltraumbehörde (SNSB). Das Programm richtet sich an Studierende aus vielen europäischen Ländern und soll ihnen den vollständigen Ablauf eines realen Raumfahrtprojekts vermitteln.

Dieser beginnt regelmäßig damit, potenzielle Geldgeber davon zu überzeugen, dass das Projekt überhaupt Hand und Fuß hat. Den Physikstudenten Marlon Köberle, Stefan Wraase, Sebastian Martensen, Finn Christiansen, Maximilian Brüdern und Dennis Trautwein ist das gelungen. Sie dachten sich ein Ballon-Experiment aus, in dem es um die Winkelverteilung von geladenen Teilchen in der Atmosphäre geht und bekamen dafür den Segen des DLR. Dass und vor allem in welchem Ausmaß die eigentliche Arbeit damit erst beginnen würde, ahnten die im 6. Semester studierenden Nachwuchsphysiker noch nicht, als sie im Dezember 2013 den Zuschlag erhielten. »Wir haben das am Anfang ein bisschen unterschätzt«, gesteht Marlon Köberle. Teamleiter Dennis Trautwein erzählt, dass es an den vielen heißen Tagen dieses Sommers »manchmal schon schwer fiel, ins Labor statt an den Strand zu gehen.«

Bereut haben sie es unterm Strich nicht, denn die Lern- und Erfahrungseffekte von REXUS/BEXUS sind enorm. Wegen der praxisnahen Ausrichtung des Projekts müssen, wie in der Weltraumforschung üblich, alle wichtigen Schritte dokumentiert und vorgestellt werden. Läuft alles glatt, kann es weitergehen, wenn nicht, muss auch mal nachgebessert werden. Geschehen ist das auf zahlreichen »Dienstreisen« zu Forschungseinrichtungen nach Schweden, in die Niederlande und auch nach Bonn. Diese Reisen brachten teils handfeste Vorteile, etwa für Sebastian Martensen, der in Holland das weltraumgerechte Löten lernte.

Überhaupt gab es außerordentlich viel dazuzulernen. Nicht nur, dass die Studenten ihr Messgerät komplett in Eigenbau fertigten, sie mussten auch immer wieder an die konstruktiven Erfordernisse von Forschung in der Stratosphäre denken. Einerseits ist es 25 Kilometer über der Erde bedeutend kälter, andererseits könnten die Geräte überhitzen, weil es im Vorvakuum kaum Luftzirkulation gibt. Obendrein muss alles mechanisch sehr robust beziehungsweise gut abgefedert sein, weil nach der etwa dreistündigen Messung Messung die Gondel des Ballons zwar mit einem Fallschirm gen Boden trudelt, aber doch eine eher harte Landung zu erwarten ist.

Auf diese Weise haben die Studenten in vielerlei Hinsicht »sehr interessante Einblicke« in den Alltag der Weltraumforschung gewonnen, sagt Marlon Köberle, der den bisher reibungslosen Ablauf des Projekts auch als Gemeinschaftsleistung betrachtet. Die gesamte extraterrestrische Arbeitsgruppe der Physik leistete Hilfestellung, wann immer es nötig war. Außerdem haben die Kieler den Vorteil, dass sie das mittlerweile dritte REXUS/BEXUSTeam der Uni Kiel sind und von den einschlägigen Erfahrungen profitieren können.

Nützlich war das Projekt auch fürs Studium: Alle Teilnehmer nutzen die gewonnenen Erfahrungen für ihre Bachelorarbeiten. Die eigentlichen Messergebnisse können in diesen Arbeiten aber leider noch nicht genutzt werden. Nach dem Ballonstart Anfang Oktober im Raumfahrtzentrum Esrange bei Kiruna in Schweden wird es noch einige Zeit dauern, bis aussagekräftige Daten vorliegen.

Martin Geist

Aktuelle Informationen zum Projekt unter adam.physik.uni-kiel.de
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