CAU - Universität Kiel
Sie sind hier: StartseitePresseUnizeitNr. 90Seite 5
Nr. 90, 04.04.2017  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE  Feedback 

Der chemische Käfig

Nach Stationen in Cambridge, Oxford und dem California Institute of Technology, wurde sie bereits mit 31 Jahren Juniorprofessorin in Kiel: Anna McConnell hat viel vor. Zum Beispiel komplexe molekulare Käfige bauen.


Juniorprofessorin Anna McConnell erforscht, wie sich Moleküle zu komplexen Systemen zusammensetzen, auch molekulare Käfige genannt. Foto: Julia Siekmann

Wenn Moleküle einander erkennen, können sie sich zu komplexen Systemen verbinden, auch als »molekulare Käfige« bezeichnet. In ihnen können Moleküle, sogenannte Gäste, aufgenommen werden, um nicht mehr mit anderen Molekülen außerhalb des Käfigs zu reagieren. Supramolekulare Chemie heißt dieses Teilgebiet der Chemie, für das sich Anna McConnell besonders interessiert. Erst vor wenigen Monaten kam sie für eine Juniorprofessur in der Organischen Chemie aus England nach Kiel. »Wenn Moleküle miteinander interagieren, kann es zu sehr interessanten Verhaltensweisen kommen, die man nicht immer vorhersagen kann. Ich möchte verstehen, welche Eigenschaften diese Käfige haben und wie wir sie bauen können, auch in komplexeren Formen.»

Mehr noch: McConnell forscht daran, wie sich die Käfige durch externe Signale kontrollieren lassen, zum Beispiel mit Licht. Ihr Ziel ist es, Moleküle zu entwickeln, die sich zu einem Käfig zusammensetzen, oder einen bereits bestehenden Käfig wieder aufbrechen, sobald sie mit Licht beschienen werden.

Zerfällt ein Gebilde, wird das eingeschlossene Gast-Molekül freigesetzt und kann wieder auf seine Umwelt reagieren. Langfristig macht das eine Anwendung von molekularen Käfigen in der Medizin denkbar und zwar als Medikamententransporter. »Viele Medikamente lassen sich nicht besonders gut in Wasser auflösen, was aber wichtig ist, damit sie aktiviert werden. Als Gäste in molekularen Käfigen könnten wir sie im Körper transportieren, um sie an der richtigen Stelle mit der Hilfe von Licht freizusetzen.« Das stellt McConnell gleich vor zwei Herausforderungen: Käfige zu bauen, die nicht nur wasserlöslich, sondern auch groß genug sind, um Medikamente als Gäste aufzunehmen.

Dass sie mit der Uni Kiel den richtigen Ort für ihr Forschungsvorhaben gefunden hat, ist sich Anna McConnell sicher. Die spannende Forschung in den chemischen Instituten und im Sonder­forschungs­bereich 677 »Funktion durch Schalten« sei einer der Gründe gewesen, warum sich die gebürtige Neu­seeländerin für Kiel entschied. Ein anderer ist die Lage am Wasser, gibt sie zu. »In Neuseeland habe ich auch am Meer gelebt, was ich während meiner Zeit in England sehr vermisst habe. Das gefällt mir hier sehr gut.«

Bereits in der Schule lernte McConnell Deutsch und kam damals für einen Schüleraustausch nach Nürnberg. In Norddeutschland lebt sie jetzt zum ersten Mal. Sie hofft, ihre Deutschkenntnisse bald mit einem Sprachkurs auffrischen zu können. Hilfreich sind dafür auch die Netzwerkabende für Junior­profes­sorinnen. »Wir werden hier sehr gut betreut. Es ist eine tolle Möglichkeit, um frühzeitig seine Forschung und eine eigene Arbeitsgruppe aufzubauen«, sagt McConnell.

Zu ihren Aufgaben gehören auch die Lehre sowie die Betreuung von Bachelor-, Master- und Doktor­arbeiten. »In der Lehre können wir neue Forschungsergebnisse direkt an Studierende weitergeben, noch bevor sie in den Lehrbüchern stehen.« Wissen zu vermitteln, ist ihr besonders wichtig. Die vielen didaktischen Angebote für Lehrende an der Uni Kiel fallen ihr daher besonders positiv auf. Es sei wichtig, wissenschaftliche Karrieren zu fördern. »Wir sollten früh anfangen, junge Menschen für Wissenschaft zu begeistern.« So nutzt sie die Chance, die molekularen Käfige gleich bei ihrer ersten kieler uni live auf der Kieler Woche einem größeren Publikum vorzustellen. »Das ist eine persönliche Herausforderung, die ich mir gestellt habe«, verrät Anna McConnell. Denn den Vortrag will sie auf Deutsch halten, das hat sie sich fest vorgenommen.

Julia Siekmann

»Molekulare Käfige: Wie Gäste herein- und herauskommen«, Vortrag auf der kieler uni live, Samstag, 17. Juni, 15 Uhr.
Von Neuseeland nach Kiel
Anna McConnell wurde 1985 in Wellington, Neuseeland, geboren. An der University of Canterbury studierte sie Chemie und erhielt 2005 den Abschluss Bachelor of Science mit Auszeichnung. Anschließend ging sie nach England und promovierte bei Professor Paul Beer in Anorganischer Chemie an der University of Oxford. Nach ihrer Promotion forschte sie von 2010 bis 2013 als Postdoctoral Scholar und als Lindemann Fellow am California Institute of Technology (Caltech), USA, bei Professor Jackie Barton. Von 2013 bis 2016 war sie Postdoctoral Research Associate bei Professor Jonathan Nitschke an der University of Cambridge, bevor sie im November 2016 die Stelle als Juniorprofessorin am Otto Diels-Institut für Organische Chemie in Kiel annahm. (jus)
Top  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE  Feedback 


Zuständig für die Pflege dieser Seite: unizeit-Redaktion   ► unizeit@uni-kiel.de