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Nr. 92, 21.10.2017  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE 

Wahrheit(en) – Werte – Widerstand

Die internationale Großdemonstration »March for Science« setzte ein starkes Zei­chen für die Wissenschaftsfreiheit. Bei der diesjährigen »Night of the Profs« und mit einer Ringvorlesung steht die Uni Kiel weiter öffentlich für kritisches Denken ein.


Ursprünglich aus einer studentischen Protestaktion gegen Kürzungen in Bildungseinrichtungen entstan­den, hat sich die »Lange Vorlesungsnacht« an der Uni Kiel zu einem Besuchermagnet entwickelt. In die­sem Jahr steht die inzwischen zwölfte Night of the Profs unter dem Motto »Wahrheit(en) – Werte – Widerstand«.

Am Freitag, dem 17. November, präsentieren ab 18 Uhr Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihre Fachthemen in allgemeinverständlichen Vorträgen. So hinterfragt beispielsweise der Toxikologe Profes­sor Edmund Maser den Sinn von Nahrungsergänzungsmitteln und »Schlankmachern«. Professor Markus Hundt beleuchtet Lüge und Wahrheit aus sprachwissenschaftlicher Sicht. Die Konsequenzen, wenn populistische Menschen Machtpositionen innehaben, stellt Professor Christoph Trebesch vom Institut für Weltwirtschaft an der Kieler Universität vor.

Die Wahl des Mottos kommt nicht von ungefähr: Bereits am 21. April dieses Jahres beteiligte sich die Christian-Albrechts-Universität am internationalen March for Science mit einer Auftaktveranstaltung am Vorabend. Weltweit demonstrierten Zehntausende Menschen im Namen der Wissenschaft. »Wir sind der Überzeugung, dass wir als Universität in diesen von Umbruch und Unsicherheit geprägten Zeiten für die Freiheit der Forschung und Lehre einstehen müssen«, begründete dies CAU-Präsident Professor Lutz Kipp. »Es geht uns Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern darum, die Welt zu verstehen und zu beschreiben, wobei uns klar ist, dass dies immer nur näherungsweise geschehen kann.«

Das Streben nach weiteren Erkenntnissen sei somit immer ein Ziel von Wissenschaft, so Kipp weiter. Bei der Night of the Profs können sich Interessierte ein eigenes Bild von der Vielfalt von Ansichten und Ansätzen machen.

Darum geht es auch dem Physiker Professor Michael Bonitz. Er initiierte im April die Vortrags­veranstaltung und eine »Lighthouse«-Präsentation am Unihochhaus zum March for Science. Bonitz: »Es wurde ein großes Inter­esse an einer Auseinandersetzung mit Populismus und an einer hörbaren Stellungnahme von Wissenschaftlern deutlich.« Mit der Ringvorlesung »Wissenschaft und alternative Fakten« bietet Bonitz mit Kolleginnen und Kollegen ab kommendem Wintersemester ein weiteres Forum für den Austausch mit der Öffentlichkeit an.

Monatliche Veranstaltungen sollen ab Januar auch einem nicht-akademischen Publikum die wissen­schaftliche Arbeitsweise näherbringen. Wie kommen Forschende zu Erkenntnissen, die der Überprüfung standhalten? Wie gelingt es der Wissenschaft, falsche Vorstellungen und falsche Ergebnisse zu korrigieren? Doch Bonitz betont auch: »Fakten sprechen nicht für sich allein. Wir müssen viel aktiver als bisher eine Brücke zwischen Wissenschaft und Bevölkerung bauen.« Nach etwa 30-minütigen Vorträgen sind die Besucherinnen und Besucher deshalb eingeladen, Fragen zu stellen und eigene Themenwünsche zu äußern.

Zur Auftaktveranstaltung am Donnerstag, dem 11. Januar um 18 Uhr im Audimax gibt Organisator Bonitz Einblicke in sein Forschungsfeld und hinterfragt, ob es angesichts von Relativität und Unschärfe überhaupt Fakten in der Physik gibt. Weitere Veranstaltungen, unter anderem über die Wirksamkeit von Impfungen, über die Besuche von Außerirdischen oder die Demokratie in »postfaktischen« Zeiten, folgen.

Raissa Maas

Night of the Profs: www.uni-kiel.de/night
Ringvorlesung (ab Dezember): www.uni-kiel.de
Infos zum Science March: www.marchforscience.de
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