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Nr. 92, 21.10.2017  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE 

Weiter mit Bildung

Von Word für Anfänger bis zu Projektmanagement für Fortgeschrittene: So unter­schiedlich wie die Aufgaben der Uni-Angehörigen, so breit gefächert ist das Kurs­angebot der wissenschaftlichen Weiterbildung an der Uni Kiel.


»Das bringt jede Menge.« Timm Schoening, promovierter Infor­ma­tiker und derzeit in einem EU-Projekt am GEOMAR beschäf­tigt, ist einer von zwölf jungen Hochschulangehörigen, die im Juli an der ersten Postdoc-Summerschool unter dem Dach der Stabsstelle Wissenschaftliche Weiterbildung teilgenommen haben. Um Forschungsförderung ging es dabei, um Projektmanagement, um die eigene Karriereplanung und um Führung.

»Nur drei Prozent der akademischen Führungskräfte wollten das ursprünglich auch werden«, unterstreicht Dr. Katharina Abermeth die Bedeutung dieses Themas. Die Historikerin ist an der Stabsstelle zuständig für wissenschaftliches Uni-Personal, Hochschuldidaktik und Coaching. In dieser Eigenschaft war sie auch an der neuen Summerschool beteiligt.

Timm Schoening hat viel mitgenommen aus diesem sechstägigen Kurs. »Das sollte jeder Postdoc ein Jahr nach seiner Promotion machen«, meint der 32-Jährige, der trotz guter Möglichkeiten in der Wirtschaft lieber der Wissenschaft treu bleiben möchte. Welche Wege zu diesem Ziel führen könnten und was er selber dazu beitragen kann, das ist ihm jetzt klarer als zuvor. Zudem erhielt Schoening – wie alle anderen auch – danach ein Einzelcoaching, um die besprochenen Themen maßgerecht seiner eigenen Situation anzupassen.

Coaching bietet auch das Career Center an, das sich unter der Regie von Claudia Fink um eine spezi­elle Zielgruppe kümmert: Studierende und Promovierende. Zunehmend äußern auch Postdocs Interesse. Das Zentrum ist kurz gesagt für alle da, die beruflich am Anfang stehen oder noch auf dem Weg sind.

Unterstützend auf diesem Weg wirken weitere Einrichtungen. Die Integrated School of Ocean Sciences (ISOS) ist dabei, ebenso das Graduiertenzentrum, das Zentrum für Entrepreneurship und das Alumni-Management der Uni Kiel. »Wir streben eine breite Zusammenarbeit an«, erläutert Claudia Fink. Seinen Platz hat da auch das Ehrenamt, etwa im Bewerbungscafé, das auf diese Weise startete. Wer hingeht, bekommt nicht nur Kaffee, sondern auch die Gelegenheit, die eigene Bewerbung vorzustellen, von Tipps und Erfahrungen anderer zu profitieren und sich an Strategien kundiger Gäste zu orientieren.

»Verstärkt nutzen wollen wir in Zukunft die Netzwerke, die wir bei der Contacts aufgebaut haben«, ergänzt Annekatrin Mordhorst, die Leiterin der wissenschaftlichen Weiterbildung. 70 Betriebe – so viele wie noch nie – präsentierten sich zuletzt im Mai bei dieser Firmenkontaktmesse dem zu Tausenden erschienenen akademischen Nachwuchs. Genutzt werden soll dieses Potenzial möglichst nicht bloß einmal im Jahr. Gemeinsam mit den Alumni, der Stadt, Unternehmensverbänden, der Industrie- und Handelskammer und anderen Einrichtungen müsste aus Sicht von Mordhorst noch viel mehr möglich sein, um Wirtschaft, Wissenschaft und Menschen zusammenzubringen.

Eine durchaus große Ambition in Anbetracht der bescheidenen Anfänge der wissenschaftlichen Weiterbildung. Im Jahr 1996 war Annekatrin Mordhorst die erste und einzige Mitarbeiterin in diesem Bereich, kaum mehr als 60 bis 70 Interessierte nutzten die entsprechend wenigen Angebote. 1999, als die wissenschaftliche Weiterbildung zu einer direkt dem Präsidium unterstellten Stabsstelle wurde, begann sich das gewaltig zu ändern. Die ersten von heute acht in Voll- und Teilzeit beschäftigten Mitarbeiterinnen kamen hinzu, immer breiter wurde die Palette der Bildungsmöglichkeiten.

Ein Klassiker ist die Hochschuldidaktik, die es schon ganz am Anfang gab und die laut Katharina Abermeth nach wie vor einen »großen Schwerpunkt« darstellt. Lernforschung, Körpersprache, der Gebrauch der Stimme, Hörsaaltraining und vieles mehr fließt hier ein. Für neu berufene Professorinnen und Professoren sind verschiedene Elemente dabei verpflichtend. Was allerdings oft kaum so empfunden wird. Der Segel-Leadership-Workshop ist so beliebt geworden, dass die Zahl der Boote zuletzt auf vier verdoppelt werden musste. Von interkultureller Kompetenz und Führungscoaching über Forschungsethik bis zur Feedback-Kultur gibt es im Bereich der Angebote für das wissenschaftliche Hochschulpersonal zudem jede Menge weitere Möglichkeiten, den eigenen Horizont zu erweitern.

Das Hochschulpersonal allgemein ist die dritte Säule der Weiterbildung an der Uni Kiel. »Wir richten uns an alle«, bringt die für diesen Bereich verantwortliche Mitarbeiterin Tanja Zehmke das Anliegen auf den Punkt. Kräfte aus der Verwaltung finden sich deshalb ebenso im Kurspublikum wie Fachleute aus dem technischen Bereich. Wer einen akademischen Job hat, ist ebenfalls willkommen. Das Spektrum ist entsprechend bunt. Jobtalk auf Englisch, Word und Outlook, spontanes Sprechen und auch der Umgang mit dem inneren Schweinehund sind einige der Themen, die in nächster Zeit anstehen. Und dann gibt es noch Spezialitäten wie den Secretary’s Day, der zuletzt mehr als 200 administrativen Beschäftigten Austausch, Motivation und reichlich Spaß brachte.

In der vierten und letzten Säule widmet sich die Uni schließlich den Externen. Dabei geht es nicht um Volkshochschule mit akademischem Anstrich, sondern um sehr spezielle – und kos­tenpflichtige – Angebote. Trainer in der Branche der Weiterbildung können zum Beispiel durch das Seminar »Train the Trainer« ihre Kompetenzen zertifiziert vertiefen. Wissenschaftliches Coaching für Firmen vermittelt hingegen Kenntnisse über Themen wie Meeresrecht oder den technischen Hintergrund von Windkraftanlagen und ebenso über Protein-Analyse, Finanzmathematik oder Labortechniken aus der Wissenschaft.

Unterm Strich gleicht die wissenschaftliche Weiterbildung der Uni Kiel damit tatsächlich einer Wunder­tüte, die jedoch mit Bedacht gefüllt sein will. Annekatrin Mordhorst formuliert es so: »Wir bedienen im Grunde alle Zielgruppen und müssen gerade deswegen genau darauf achten, uns nicht in Beliebigkeit zu verlieren.«

Martin Geist
Contacts bringt Quote
Im Jahr 2016 organisierte die Stabsstelle Wissenschaftliche Weiterbildung genau 693 Angebote aus allen Bildungsbereichen und lockte damit 10.036 Interessierte. Das Career Center hat mit Coaching, Veranstaltungen und Seminaren etwa 1.500 Menschen erreicht, praktisch gleichauf rangiert die Bildung für das allgemeine Hochschulpersonal. Knapp 750 Teilnehmende erreichten die Kurse für das wissenschaftliche Personal. Verstärkt wird die Statistik insgesamt von der Firmenkontaktmesse Contacts. Sie zog im Mai 2016 allein 5.500 Besucherinnen und Besucher an. (mag)
Bewährte Partnerschaften
Kooperationen pflegt die Stabsstelle Wissenschaftliche Weiterbildung mit einer Vielzahl von hoch­schul­eigenen Einrichtungen, aber auch mit eigenständigen Organisationen. Seit etlichen Jahren können sich zum Beispiel Ärztinnen und Ärzte in Zusammenarbeit mit dem Verein Zentrum für wissenschaftliche Weiterbildung (ZwW) zum Master of Hospital qualifizieren und die höheren Weihen des Klinikmanagements erwerben. Ebenfalls eine bewährte Partnerin ist die Advanced Studies Association (AS-A), die sich in den Bereichen Coaching, Supervision und Mediation profiliert. (mag)
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