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Nr. 92, 21.10.2017  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE 

Tipps für die Goldsuche

Der ägyptische Geologe Professor Basem Zoheir ist ein gefragter Experte für Firmen, die Goldlagerstätten erkunden. In Kiel erforscht er, wie das begehrte Edel­metall ins Gestein gelangt.


Experte für Goldminerali­sa­tion und -extraktion: Hum­boldt-Stipendiat Bassem Zoheir. Foto: Jan Winters

Eine Feinunze Gold (31,103 Gramm) handelte die Frankfurter Börse am 7. September 2017 für etwa 1.338 US-Dollar. Zwar schwankt der Kurs täglich, aber die Preisentwicklung ist immer noch günstig und lockt viele Firmen auf die Suche nach neuen Goldvorkommen. Hierbei ist der Rat von Professor Basem Zoheir gefragt. Der ägyptische Geowissenschaftler erforscht seit rund 15 Jahren, wo und wie Gold im Gestein angereichert wird, und er weiß, welche geologischen Formationen potenziell goldführend sind. Und das nicht nur in der Theorie.

»Ich persönlich war der Grund für die Entdeckung einer Goldlagerstätte hoher Güte«, berichtet Zoheir. Sie befindet sich in der ägyptischen Wüste in der Nähe der Grenze zum Sudan. Zoheir hatte dort im Gebiet älterer Minen an verschiedenen Punkten Bodenproben genommen und eine sehr hohe Goldkonzentration gefunden. Ausgangspunkt seiner Beprobung war die Gesteinsformation sowie die chemische Zusammensetzung des Gesteins. Die Ergebnisse publi­zierte er. Aufgrund dieser wissenschaftlichen Arbeit begann eine Bergbaufirma das Gebiet zu erkun­den und entdeckte daraufhin die neue Goldlagerstätte.

Der »Goldriecher« des Wissenschaftlers hat die Firma beeindruckt. Über magische Fähigkeiten verfüge er aber nicht, versichert Zoheir. Entscheidend sei vielmehr die genaue Kenntnis der Goldanreicherung im Gestein sowie seine Vorstellungskraft darüber, wie eine bestimmte Gesteinsformation entstanden ist. »Auf dieser Grundlage kann ein Lagerstättenkundler wie Professor Zoheir Empfehlungen für Erkundungsarbeiten geben«, erklärt Professorin Astrid Holzheid vom Institut für Geowissenschaften der CAU. In ihrer Arbeitsgruppe »Experimentelle und Theoretische Petrologie« wird Zoheir dank eines Georg Forster-Forschungsstipendiums der Alexander von Humboldt-Stiftung in den kommenden zwei Jahren forschen.

»Wir haben eine Idee davon, wie Gold angereichert werden kann, und sehen auch, in welchen geodynamischen Bereichen es angereichert wird. Ein guter Feldgeologe wie Professor Zoheir sieht im Gelände, wie die Gesteine einfallen, vergleicht das mit anderen bekannten Gebieten und kann so Rückschlüsse auf die jeweilige Gesteinsformation ziehen«, erklärt Holzheid.

Neben der Frage, wo Gold vorkommt, beschäftigt sich der Gastwissenschaftler auch mit den Methoden zur Goldextraktion. Für die Bewertung von Goldlagerstätten ist die Art des Gesteins und die davon abhängige Methode zur Extraktion ein mindestens ebenso wichtiger Punkt wie der Goldgehalt an sich. Zoheir: »Meine Publikationen enthalten all diese Informationen darüber, wo und in welcher Gesteinszusammensetzung Gold vorkommt, wie fein der Stein gemahlen werden sollte und welche Chemikalien hinzugefügt werden müssen, um Gold zu extrahieren.«

In Kiel möchte Zoheir tiefere Einsichten über die Entstehung der goldführenden Mineralien bekommen. In seinen bisherigen Arbeiten hat er sich darauf konzentriert, die Prozesse der Goldanreicherung in Mineralien zu erforschen. Jetzt geht er der Frage nach: Aus welchem Prozess innerhalb der Geodynamik der Erde stammt das Gold? Kommt es aus dem Erdmantel oder dem Erdkern? Dabei sind auch Kooperationen mit dem GEOMAR sowie mit Arbeitsgruppen der RWTH Aachen und der Universität Heidelberg geplant, ebenso wie eine studentische Exkursion zu den Lagerstätten in Ägypten. Astrid Holzheid: »Ich versuche immer, die Ausbildung mit unserer Forschung zu verzahnen. Wenn ein Gastprofessor hier ist, der eine neue Expertise einbringt, soll das Forschungsprojekt auch den Studierenden nahegebracht werden.«

Kerstin Nees
Mit Gesteinsproben auf Reisen
Basem Zoheir wurde 1974 in Ägypten geboren. Nach seinem Geologiestudium an den Universitäten von Benha und Kairo in Ägypten promovierte er an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Anschließend kehrte er nach Ägypten zurück und arbeitete als Dozent in der Abteilung Geologie an der Universität von Benha. Es folgten Forschungsaufenthalte im Rahmen von verschiedenen Stipen­dien an den Universitäten Tübingen, Genf/Schweiz, Clausthal, Denver/USA und Lulea/Schweden. Derzeit hat er eine Professur für Mineralogie und Ökonomische Geologie an der Universität Benha.

Die Auslandsaufenthalte bieten dem Geowissenschaftler die Möglichkeit, in gut ausgestatteten Labo­ren zu arbeiten. Sein Forschungsaufenthalt an der Universität Kiel wird durch ein Georg Forster-Forschungs­stipendium der Alexander von Humboldt-Stiftung ermöglicht. (ne)
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