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Nr. 94, 31.03.2018  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE 

Gudai! Fresk snaake kön ei arken*

Nordfriesisch ist wie Dänisch eine Minderheitensprache in Schleswig-Holstein. Sie wird in acht verschiedenen Dialekten von rund 8.000 Menschen in Nordfriesland gesprochen. An der Uni Kiel wird die regionale Sprache in all ihren Variationen erforscht und dokumentiert.


Das Nordfriesische teilt sich in neun Dialekte, die alle verschiedene sprachliche Besonderheiten aufweisen. Foto: Farah Claußen / CAU

*Guten Tag! Nordfriesich spricht nicht jeder

Sei es anspruchsvolle Literatur, modernes Theater oder friesische Popmusik, längst sind friesische Werke über Norddeutschland hinaus bekannt und geschätzt. Der Frisist Professor Jarich Hoekstra dokumentiert und erforscht nord­friesische Dialekte an der Uni Kiel. Ein wertvoller Sprachen­schatz verbirgt sich in der Nordfriesischen Wörterbuchstelle am Institut für Skandinavistik, Frisistik und Allgemeine Sprach­wissenschaft (ISFAS), das Hoekstra leitet.

Die seit 1950 bestehende Nordfriesische Wörterbuchstelle wurde mit der Absicht gegründet, ein Gesamtwörterbuch für alle nordfriesischen Mundarten herauszugeben. Doch auf Wunsch der Sprachgemeinschaft begannen die Verantwortlichen damals, Gebrauchswörterbücher der Einzeldialekte zu erstellen. So sind bis heute fünf größere und mehrere kleine Wörterbücher erschienen.

Aus der Wörterbuchstelle hervorgegangen ist ein spannendes Instrument, mit dem sowohl Studierende als auch Forschende arbeiten. »Der Thesaurus des Nordfriesischen ist eine Online-Datenbank mit nordfriesischen Texten, Glossaren, Grammatiken und Bibliographien zur Dokumentation der nordfriesischen Dialekte«, erläutert Hoekstra. »Sowohl die Forschung als auch die Sprachgemeinschaft in Nordfriesland profitieren von dieser wichtigen Datenquelle, weil sie zum Beispiel als Grundlage für neue Wörterbücher dienen kann.« Die Wörterbuchstelle verfügt auch über eine große Sammlung von Tonaufnahmen Ortsansässiger.

Friesisch ist eine eigenständige und vielfältige Sprache, die sich in West-, Ost- und Nordfriesisch teilt. Zu den nordfriesischen Inseldialekten zählen Fering-Öömrang (Föhr, Amrum), Sölring (Sylt) und Halunder (Helgoland). Die auf dem schleswig-holsteinischen Festland gesprochenen Mundarten heißen Wiedingharder, Bökingharder (auch Mooring oder Frasch), Karrharder, Goesharder und Halligfriesisch. Das Eiderstedter Friesisch ist seit dem 18. Jahrhundert ausgestorben. 1999 erklärte sich Deutschland mit der Unterzeichnung der Europäischen Charta der Regional- und Minderheitensprachen dazu bereit, das Nordfriesische zu schützen und zu fördern.

Bis heute ist Nordfriesisch eine sehr lebendige Sprache. Das zeigt sich daran, dass sie von vielen Menschen in Nordfriesland im Alltag verwendet wird: »Heute gehen wir von schätzungsweise 5.000 bis 8.000 Sprecherinnen und Sprechern aus, die die Sprache aktiv beherrschen. Etwa doppelt so viele Menschen haben passive Sprachkenntnisse. Auf Föhr sprechen ungefähr 2.000 Einheimische ihre Mundart noch im Alltag. Damit gehören sie zur größten Sprechergruppe«, erzählt Hoekstra.

In seiner Forschung geht es vor allem um die Sprache selbst, mit all ihren Facetten. So befasst er sich beispielsweise mit Wortbildung und Satzbau und geht der Frage nach, inwieweit sich die Dialekte in den letzten Jahrhunderten verändert haben. Sein Wissen gibt Hoekstra mit Leidenschaft an seine Studierenden weiter, um die Sprache zu erhalten. Derzeit studieren etwa 30 Männer und Frauen das Fach Frisistik in Kiel.

Farah Claußen
Friesisch studieren
Die CAU bietet, neben der Europa-Universität Flensburg, den Studiengang Frisistik als nur eine von zwei Universitäten bundesweit an. Hier werden Studierende zu Frisistinnen und Frisisten ausgebildet. Ziel des Bachelorstudiums ist es, den Studierenden grundlegende Kenntnisse der friesischen Sprache beizubringen, Fähigkeiten und Methoden in friesischer Sprach- und Literaturwissenschaft zu vermitteln. Im Masterstudiengang werden bereits erworbene Qualifikationen vertieft und erweitert. Dabei steht die Festigung des Fachwissens im Vordergrund. Außerdem lernen die Studierenden, wie wissenschaftliches Arbeiten in der Frisistik funktioniert. Beide Studiengänge sind auf alle drei friesischen Sprachgebiete ausgerichtet, der Schwerpunkt liegt aber auf dem Nordfriesischen. (fcl)

www.isfas.uni-kiel.de/de/frisistik
Friesische Literatur neu aufgelegt
Gemeinsam mit der niederländischen Universität Groningen gibt die Uni Kiel seit 2002 jährlich etwa zwei bis drei Bände in der »Estrikken/Ålstråke«-Reihe heraus. Es handelt sich dabei einerseits um Texte bekannter friesischer Autoren, die in Begleitung einer wissenschaftlichen Einführung in das Werk neu aufgelegt herausgegeben werden. Andererseits werden auch sprach- und literaturwissenschaftliche Studien herausgegeben. Bisher erschienen sind 31 Werke, davon vier im letzten Jahr in Kiel: »Julius Johannsen – Di broowe dring / Der brave Junge« von Ingo Laabs, eine soziolinguistische Studie von Timothy Jacob-Owens: »Multilingualism on Amrum: Language contact and variation 1839–1851«, »Preußischer Maat und nordfriesischer Patriot: Der Dichter Johannes Hansen (1854–1877) aus Fehsholm« von Christoph Winter sowie »Erk Petersen – Deer driif en heef foont sööden jurt. En ütwool foon toochte, tääle än dächte / Es trieb ein Meer vom Süden her. Eine Auswahl von Gedanken, Geschichten und Gedichten« von Ingo Laabs. Die Werke richten sich sowohl an Studierende als auch an die friesische Sprachgemeinschaft. (fcl)

www.isfas.uni-kiel.de/de/frisistik/publikationen
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